Arendsee l „Haben Sie die Wolle noch?“ und „Ich brauche Hilfe bei der Stricktechnik“: Diese Sätze hört Karola Böttcher häufig und unterstützt mit viel Erfahrung. Sie betreibt den Handarbeitsladen Knüddelstube an der Arendseer Friedensstraße. Karola Böttcher weiß in Sachen Handarbeit, was gerade gefragt. Sind also Socken tatsächlich ein Tabu unterm Weihnachtsbaum? „Nein. Dieses Klischee ist überholt“, antwortet sie gerade heraus. Gerade an den Tagen vor dem harten Lockdown war die Nachfrage nach Strickutensilien groß.

Bei Socken-Geschenken komme es vielfach darauf an, diese selbst zu fertigen. „Wer selber strickt, der kann Unikate verschenken“, erzählt die Frau, die nicht nur mit ihrem Mund-Nasen-Schutz, auf dem ein Kussmund zu sehen ist, Optimismus weiter gibt. Karola Böttcher ging ins Detail und sprach unter anderem von Farbverläufen. Und als der Volksstimme-Redakteur fragend schaute, meinte Karola Böttcher mit ihrer zupackenden Art: „Ach weißt du was, ich zeige dir das einfach mal.“

Und schon lag beim Gespräch, das vor dem harten Lockdown geführt wurde, Wolle auf dem Tisch. Diese bestand aus mehreren Farben. Je nachdem, wie begonnen wird, ändert sich das Aussehen des gestrickten Kleidungsstückes – nicht nur bei Socken. Auch die Breite kann eine Rolle spielen. Es gibt somit durch gewünschten unterschiedlichen Farbwechsel einen optischen Unterschied zur oftmals perfekten industriellen Ware.

Traditionelle Kunst unterm Weihnachtsbaum

Karola Böttcher tauscht sich über aktuelle Wünsche häufig – in diesem Jahr vor allem am Telefon – mit Frauen der örtlichen Handarbeitsgruppe aus. Auch wenn die sonst üblichen geselligen Runden reduziert werden mussten, gibt es weiterhin ein großes Interesse an dem Hobby. Und dazu gehören Socken unterm Weihnachtsbaum. Einige Frauen fangen in der Arendseer Region bereits im August an, damit es am Heiligen Abend keine Enttäuschung gibt.

Sie werden vielfach von Enkeln mit den Worten animiert: „Du hast uns doch immer Socken gestrickt. Machst du es wieder?“ Diese Fuß-Utensilien sind vor allem gefragt, da sie wärmen. Und eben ein ganz individuelles Geschenk darstellen. Farbtrends spielen keine so große Rolle. Nur so viel: Jüngere Menschen mögen es oftmals lieber bunter und Ältere eher gedeckt. Aber letztendlich ist dem Geschmack keine Grenze gesetzt. Dass Karola Böttcher dabei durchaus auch selbst Einfluss auf die Kundschaft ausüben kann, macht ein Erlebnis deutlich: Als ein Vertreter mit Wolle kam, zeigte sie sich von einem Gelbton zunächst alles andere als begeistert. „Das möchte doch keiner“, war sie überzeugt. Die Geschäftsfrau strickte daraus schnell selbst ein paar Socken. Damit wollte sich die Farbe mehr in den Mittelpunkt rücken. Diese Stücke, bei denen Gelb dominiert, wurden im Laden platziert und auf einmal war die Farbe der Renner. „Ich habe dann schließlich andere Stücke dort hingelegt. Sonst wäre mir Gelb vielleicht noch ausgegangen“, schmunzelt die Handarbeitsexpertin.

Bommeln sind nicht mehr so gefragt

Zu den beliebtesten Strickutensilien gehören zudem Mützen. Dort ist eine Trendwende erkennbar. Während vor einiger Zeit noch Bommeln an den Kopfbedeckungen der absolute Hit waren sinkt dieses Interesse wieder. Dafür gibt es eine verstärkte Nachfrage nach Applikationen. Dazu gehören zum Beispiel Ohren oder Augen, die auf den Mützen platziert werden. In diesen Fällen sind der Kreativität ebenfalls kaum Grenzen gesetzt. Im Endeffekt kann aber auch dabei eine alte Redensart zur Rate gezogen werden: Schick ist, was gefällt.