Salzwedel l Betrunken gefahren, die Polizei beleidigt und um sich geschlagen – und das mehrmals. Für diese Vorwürfe musste sich ein 62-Jähriger vor dem Salzwedeler Amtsgericht verantworten. Die Eskapaden sollten ihm am Ende der Verhandlung teuer zu stehen kommen. Doch was hatte sich zugetragen?

Wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft erläuterte, war der Angeklagte am 15. April dieses Jahres um 7.20 Uhr mit 2,46 Promille mit seinem Auto auf der Brückenstraße in Salzwedel unterwegs. Dort verlor er die Kontrolle über sein Auto und zerstörte an einer Verkehrsinsel die Verkehrszeichen. Knappe zwei Monate später, am 1. Juni, fuhr er abermals betrunken auf der Brückenstraße. Diesmal um 3.40 Uhr, mit 2,09 Promilleauf dem Fahrrad, als er sich Alkohol von einer Tankstelle besorgte. Beide Male rückte die Polizei an und wurde mit Wörten wie„Arschlöcher“ und „Bullenschweine“ beleidigt. Dies zog eine Anzeige wegen Beleidigung nach sich. Obendrein forderten zwei der Beamten Schmerzensgeld – aufgrund der Beleidigungen. Dies sei rechtens, machte Richter Klaus Hüttermann klar: „Man muss keine körperlichen Schmerzen haben.“ Zwar würden sich Polizisten mehr anhören müssen als andere, aber eben auch nicht alles.

Tränen im Gerichtssaal

„Ja, es stimmt alles“, gibt sich der 62-Jährige geständig, „ich weiß nicht, was mich da geritten hat.“ Nur die tätlichen Angriffe, an diese könne er sich nicht erinnern. Denn neben den Beleidigungen soll der Angeklagte um sich geschlagen haben. „Ich bin verbal aggressiv, wenn ich angefasst werden“, sagte er. Handgreiflich sei er noch nie gewesen. Und sein aggressives verbales Verhalten führte er auf einen Vorfall im Jahr 2017 zurück. „Da wurde ich ohne Grund von einem Polizisten geschlagen.“

„Warum haben Sie so viel getrunken“, will der Richter wissen. „Ich bin Alkoholiker“, gestand er und brach in Tränen aus. Der Vater zweier Kinder befindet sich wegen einer psychischen Erkrankung in Behandlung. Sein Nachwuchs wisse zudem nichts von seinen Verfehlungen.

Eine Betreuerin saß als Unterstützung in den Zuschauerreihen. Dann der nächste Tränenausbruch. Für die weitere Behandlung hat er einem Aufenthalt in Uchtspringe zugestimmt. Auslöser dafür war auch die Verhandlung am Salzwedeler Amtsgericht.

Um etwas mehr Klarheit in den Sachverhalt zu bekommen, war ein Polizist als Zeuge geladen. Der Beamte war bei beiden Trunkenheitsfahrten vor Ort. Bei der Fahrt im April kam der Polizist mit einem Kollegen gerade vom Penny-Parkplatz und fuhr in Richtung Feuerwehr. „Ich sah am Kreisverkehr, wie ein Auto zurücksetzte.“ Als die Beamten den Angeklagten vor Ort ansprachen, roch es nach Alkohol. Der 62-Jährige soll um sich geschlagen und getreten haben und zudem die Polizisten beleidigt haben. Die Aggressivität zog sich durch bis zur Blutentnahme. „Er hatte die Faust geballt“, erinnerte sich der Polizist.

Vermindert schuldfähig

Seine Tour auf dem Rad unter Alkohol fiel schlussendlich auf, weil der Angeklagte ohne Licht unterwegs war. Auch an diesem Tag roch er nach Alkohol und reagierte ebenfalls aggressiv, wie im April.

Der Angeklagte blieb bei seiner Fassung: „An eine Tätlichkeit kann ich mich nicht erinnern. Für die Beleidigung möchte ich mich bei Ihnen und Ihren Kollegen entschuldigen“, sagte er dem Polizisten.

Das Gericht hatte genug gehört. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft plädierte auf 120 Tagessätze zu jeweils 40 Euro. Obendrein soll die Fahrerlaubnis des Salzwedelers entzogen werden und die Sperre auf Neuerteilung mindestens fünf Monate betragen. Das Strafmaß hätte auch höher ausfallen können, erklärte die Staatsanwältin, aber aufgrund des Alkohols gehe sie von verminderter Schuldgfähigkeit aus, zumal der Angeklagte sich geständig zeigte. Richter Klaus Hüttermann schloss sich der Forderung an. Obendrein soll der 62-Jähriger noch jeweils 100 Euro an die zwei Polizisten zahlen, die ihn wegen Beleidigung anzeigten.

Der Richter mahnte, dass das Urteil milde sei, aber da es sich um einen kranken Menschen handele, der versuche, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, gerechtfertigt.