Salzwedel l „Das ist ein Knüppeldamm“, zeigt Ur- und Frühgeschichtler Uwe Fiedler (61) auf ein Foto, das eine Baugrube und darin sorgsam nebenein- ander gelegte Bohlen zeigt. Fiedler begleitet für das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt die Baumaßnahmen im Südbockhorn und an der Altperverstraße. Dabei tauchen Zeugnisse längst vergangener Zeiten im Salzwedeler Untergrund wieder auf. Wie der genannte Knüppeldamm, über den vermutlich bereits im 13. Jahrhundert die Pferdefuhrwerke ratterten. Genauer kann Fiedler die Funde noch nicht datieren. „Das Holz wird nun in Berlin dendrochronologisch untersucht“, erklärt der Historiker.

Uwe Fiedler eilt zur Zeit von Baustelle zu Baustelle. Immer wenn die Arbeiter sich für die Verlegung von Kanälen oder Wasserleitungen in die Tiefe graben, dann ist der Berliner Experte vor Ort. Er hat eine Kamera und Messstäbe parat. Viel Zeit bleibt dem 61-Jährigen oft nicht. „Mal eine Stunde, mal auch zwei“, sagt Fiedler. Dann gehen die Bauarbeiten bereits weiter. Wenn der Archäologe Glück hat, bleibt eine Grube wie am Dienstag am Südbockhorn am Abend offen. Dann hat Fiedler etwas mehr Zeit, die Funde zu untersuchen, während die Baumaschinen ruhen.

Furchen erkennbar

So auch den genannten Knüppeldamm. Dieser besteht aus kleinen runden Stämmen mit einem Durchmesser zwischen acht und 16 Zentimetern. „Das macht die Datierung schwierig. Die kleinen Stämme haben nicht immer genügend Jahresringe“, erläutert der Experte. Die kleinen Stämme liegen auf einer grauen Sandschicht und etwas Kies, wie der Blick an die Grubenwand zeigt. „Darüber habe ich eine ganze Schicht Pferdemist gefunden“, sagt Uwe Fiedler. Dennoch war für ihn gut zu erkennen, dass die Fuhrwerke zu jener Zeit für Abrieb gesorgt haben.

Bilder

Der feuchte Boden, in dem die Hölzer liegen, ist für Uwe Fiedler ein Segen. Die Feuchtigkeit habe das Holz so gut erhalten. Das sei bei vielen Straßen in Salzwedel so, weiß der Frühgeschichtler vom sumpfigen Boden im Stadtgebiet. Ein Bauarbeiter brachte dem Archäologen an der Altperverstraße sogar ein Stück Birke, dessen Rinde noch gut erhalten war.

Die Schicht, die Uwe Fiedler an beiden Bauplätzen besonders interessiert, setzt sich deutlich grau-schwarz ab und ist etwa 60 Zentimeter breit. Sie zeigt den Straßenbelag in der Zeit des späten Mittelalters von 1250 bis 1500.

Pflaster war ungewöhnlich

Unten, der Knüppeldamm, etwas höher liegen dann größere Längsbalken. Darauf liegen Bohlenbretter. „Die wurden mit Keilen gespaltet“, sieht der Experte, wie sich die Technik vor Jahrhunderten weiter entwickelte. „Pflaster war damals übrigens ganz ungewöhnlich, man hat die Bohlenwege gehabt“, erklärt Fiedler.

Im Boden des Südbockhorns folgt über den Bohlenbrettern eine weitere Schicht dieser Art. Dort entdeckten die Bauarbeiter auch eine Bohle, die wahrscheinlich wieder verwendet wurde. „Die war verziert, vielleicht ein Torpfosten“, mutmaßt Uwe Fiedler. In der Schicht darüber wird der Boden heller, sandiger. „Da findet man dann nichts mehr“, verweist Fiedler auf die Bautätigkeit in der Neuzeit.

Anders ist es in der dunklen Schicht aus dem Mittelalter. „Wir haben reichlich Tierknochen entdeckt“, berichtet der Archäologe und erklärt, dass es sich beim Südbockhorn um eine vorstädtische Straße gehandelt habe. „Da ist kein Kochgeschirr kaputt gegangen“, erklärt er die Tatsache, dass nur wenige alte Scherben gefunden wurden.

In Richtung der Einmündung zum Nordbockhorn wird die mittelalterliche Schicht dann immer dünner. Ein Zeichen für aufsteigendes Gelände. Was Uwe Fiedler im nächsten Bauabschnitt entdecken wird, kann und will der Experte nicht voraussagen.