Salzwedel l Rund 90 Bekannte, Freunde, Weggefährten und ein Teil seiner Familie waren am Sonnabend zum Platz vor der Salzwedeler Katharinenkirche gekommen, um die Leistungen Joachim Hoffmanns zu würdigen. Ihm und seiner Frau Anne zu Ehren, den maßgeblichen und prägenden Mitgestaltern der gewaltfreien, friedlichen Revolution 1989, wurde ein Baum gepflanzt.

Initiiert wurde die Aktion vom Vorbereitungskreis „Ein Baum für Joachim Hoffmann“, bestehend aus Mitgliedern der Jungen Gemeinde 1979 bis 1987 und des Neuen Forums 1989. Die Bürgerinitiative „Pro Baum“ unterstützte das Projekt und stand mit fachlichem Rat zur Seite.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Sabine Spangenberg und Frieder Oßwald, dem Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates. „Die beiden fehlen uns, aber sie sind nicht einfach weg, sondern mitten unter uns“, sagte Spangenberg und erinnerte daran, dass Joachim Hoffmann im vergangenen Jahr und kurz davor seine Frau gestorben sind. „Den lieben Gott kannst du nicht sehen, aber deinen Nachbarn.“ Dieser Satz Hoffmanns werde sie immer begleiten, sagte Spangenberg. „Joachim Hoffmann hat aus seinem Glauben heraus politisch Stellung bezogen. Geleitet habe ihn der Gedanke: Gewalt ist keine Lösung“, beschrieb Oßwald das Wirken Hoffmanns.

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Ein Mann von väterlicher Autorität

Jörg Heimes, Vertreter der ehemaligen Jungen Gemeinde, sagte, er habe Hoffmann als 14-Jähriger kennengelernt. Dieser habe ihn gelehrt, dass „Streit niemals in Gewalt übergehen darf und deshalb immer die offene Hand gereicht werden sollte“. Und für Peter Behrens war Hoffmann „wie ein Vater, der einen tröstete und väterliche Autorität ausstrahlte“. Andere Redner betonten die humorige Seite Hoffmanns. „Wir hatten viel Spaß miteinander. Sein verschmitztes Lächeln wird mir in Erinnerung bleiben.“

Für die richtigen Töne sorgte Falk Kindermann, der ein Stück Johann Sebastian Bachs für die Klarinette bearbeitet hatte. Uta Behrens, Lehrerin am Jahngymnasium, erklärte sich bereits, den gepflanzten Baum zu betreuen. Unterstützung hat sie dabei von einem Schüler aus der zehnten Klasse.

Geboren wurde Joachim Hoffmann am 19. September 1948 in Bad Liebenwerda. Nach dem Abitur 1967 in Eisenach folgte bis 1973 das Theologiestudium in Naumburg und Berlin. Von 1973 bis 1975 war er Vikar in Salzwedel und übernahm danach die Pfarrstelle St. Katharinen. 1990 wechselte er nach Magdeburg, wo er bis 2009 als Pfarrer tätig war, seit 2011 lebte er im Ruhestand in Potsdam. Er starb am 4. Oktober 2018.

Aus Anlass der 25-jährigen Wiederkehr der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR beschloss der Stadtrat der Hansestadt Salzwedel am 1. Oktober 2014 einstimmig, Joachim Hoffmann die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Wie Hoffmann in einem Interview mit der Volksstimme vor fünf Jahren verriet, hatte er zunächst gezögert, das Ehrenbürgerrecht anzunehmen. Andere hätten es ebenfalls verdient. Die Stimmung in der Katharinenkirche 1989 beschrieb er so: „Das war eine Selbstbefreiung. Bei einigen konnte man das sogar körperlich sehen. Das war faszinierend zu erleben.“