Salzwedel (dpa) l Sein beruflicher Lebensweg hört sich an wie der amerikanische Traum. Andreas Kluge begann zwar nicht als Tellerwäscher. Es ist aber auch nicht alltäglich, dass ein gelernter Elektriker über den zweiten Bildungsweg ein Informatik-Studium absolviert, um dann in der Branche in der ersten Liga zu spielen. Teamleiter Softwareentwicklung des Transrapid, Projektleiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig, Firmeninhaber und Entwickler von Apps für das Apple I-Phone. Jetzt arbeitet er in der Altmark – und zwar aus gutem Grund.

Mit seiner Vita hätte Kluge wohl gute Chancen, im kalifornischen Silicon Valley ganz groß rauszukommen. Ihn reizte der amerikanische Traum nicht. Er fand seine Traumfrau in der Altmark. Und seinen Traumjob. Kluge will helfen, der Region, die bisher infrastrukturell in manchem hinterherhinkt, die Tür in die Zukunft aufzustoßen, sie ans Netz bringen – ans Breitbandnetz.

Der Zweckverband Breitband Altmark (ZBA), dessen Geschäftsführer Kluge seit 2017 ist, erschließt die Altmark mit Highspeed-Internet. "Um Glasfaser bis an die letzte Milchkanne zu bringen, ist eine solche Konstruktion bislang die einzige Option", sagt Marco Langhof, Vorsitzender des Verbandes der IT- und Multimediaindustrie Sachsen-Anhalts. Der Netzausbau durch die großen Telekommunikationsfirmen gehe zu langsam, und die von ihnen bisher favorisierte Nutzung von Kupferkabeln sei nicht zukunftsfähig. Zumindest hätten Landes- und Bundesregierung das Problem inzwischen erkannt und setzten nun auch auf Glasfaser. Doch bis das flächendeckend umgesetzt werden kann, vergehe weitere wertvolle Zeit.

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Investitionsvolumen von 140 Millionen Euro

Die Altmärker nahmen die Sache daher selbst in die Hand. Der im Jahr 2012 gegründete ZBA ist ein Zusammenschluss der beiden Landkreise im Norden Sachsen-Anhalts und von 20 Gemeinden. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf rund 140 Millionen Euro. Insbesondere dezentral gelegene und unterversorgte Orte der 4700 Quadratkilometer großen Region – das entspricht der doppelten Fläche des Saarlandes – sollen vom Breitbandausbau profitieren.

"Das Ausbaugebiet des Zweckverbandes umfasst etwa 33.000 Bedarfsstellen, bestehend aus privaten, gewerblichen, kommunalen und institutionellen Anschlüssen", erklärt Geschäftsführer Kluge. Nach langer Anlaufphase, die nicht ohne Probleme und Rückschläge war, stehen die Ampeln für die Datenautobahn in der Altmark jetzt auf grün.

Das Interesse von Firmen und Privathaushalten an einem Anschluss ist groß. Die derzeitige Planung gehe von rund 2300 Kilometern Tiefbau über das gesamte Zweckverbandsgebiet aus, so Kluge. Spätestens Anfang 2020 soll der flächendeckende Ausbau beginnen. Bei optimalem Bauverlauf könnte das Gigabit-Netz 2022 fertig gestrickt sein. "Wir werden dadurch interessanter als andere Regionen. Das ist ein erheblicher Standortvorteil", meint Kluge.

Halberstädter in der Altmark

Als "Zugereister" genießt er die Vorteile, die der ländliche Raum schon jetzt bietet. Während des Studiums habe er sich nicht nur in seine jetzige Frau, sondern auch in ihre Heimat verliebt, verrät der gebürtige Halberstädter. In der Altmark wollte er leben und arbeiten. "Dann kam diese Stelle um die Ecke", schmunzelt er. Die Familie, zu der zwei Töchter gehören, wohnt in einem kleinen Dorf im Altmarkkreis Salzwedel. Hier kann der 40-Jährige auch seiner Oldtimer-Leidenschaft frönen. Neben einen blauen Mercedes W123 fährt er DDR-Zweiradklassiker der Marken MZ und Simson. Idylle pur – und bald auch Breitbandanschluss.

"Es wäre wünschenswert, dass solche Biografien öfter stattfinden", sagt Langhof über Kluges Entscheidung, in Sachsen-Anhalt Wurzeln zu schlagen. Dabei weiß er genau, wovon er spricht. Auch der heutige Geschäftsführer einer IT-Firma in Barleben begann seine Berufslaufbahn mit einer Facharbeiterausbildung. Nach dem Studium in Dresden und einigen Jahren in Süddeutschland kehrte der gebürtige Potsdamer in den Osten zurück – ebenfalls der Liebe wegen.

Langhof wünscht sich, dass neben Amors Pfeilen auch andere Gründe dringend benötigtes Fachpersonal nach Sachsen-Anhalt locken. Die größte Verantwortung dafür sieht er bei den Firmen. Diese müssten erkennen, dass man die dringend benötigten Experten an die Region binden muss. Eine gute Bezahlung, attraktiver Wohnraum und Angebote wie Kinderbetreuung gehörten dazu.