Salzwedel l Der Wunsch war klar geäußert, doch trifft er bei vielen Salzwedelern – Händlern wie Einwohnern – eher auf weniger Zustimmung. Bei der jüngsten Frühjahrsversammlung der Werbegemeinschaft hatte deren Vorsitzender Jost Fischer angekündigt, dass die Einzelhändler bei der Stadt beantragen wollen, dass die Breite Straße wieder für den Durchgangsverkehr freigeben wird. Nur mit Einbahnstraßenregelung in Richtung Katharinenkirche, zunächst für ein Jahr zur Probe. Auch Parkmöglichkeiten sollten nach Wunsch der Werbegemeinschaft auf einer Straßenseite geschaffen werden.

Ein nicht-repräsentativer Volksstimme-TED spricht allerdings eine deutlich andere Sprache. Von 69 Anrufern wollen 58 nicht, dass die Straße wieder für den Verkehr freigegeben wird. Diverse Anrufe von Salzwedelern in der Redaktion und Leserbriefe bestätigen dieses Bild. Und auch unter den Händlern und Cafébetreibern gibt es zumindest zwiegespaltene Meinungen zu dem Vorhaben.

Entlastung für Bauzeit

Angetrieben wurde der Vorstand der Werbegemeinschaft, weil in diesem Jahr gleich mehrere Straßenbauvorhaben rund um die Innenstadt laufen. Die Altperverstraße ist bereits gesperrt, der Südbockhorn soll nach dem Willen des Bauamtes noch im Mai folgen. Mit der Umleitung des Verkehrs durch die Breite Straße wollen Fischer und Mitstreiter für die Bauzeit Entlastung schaffen.

Rosemarie Lehmann (Salzwedeler Baumkuchen GmbH) sieht die Befahrbarkeit der Breiten Straße für das von ihr betriebene Café im Schwarzen Adler als „unerheblich“ ein. Parkende Autos sieht sie eher als Problem an. „Die würden ja dann auch vor unserem Café stehen“, glaubt sie, dass die Außengastronomie leiden würde. Eine Belebung der Straße sieht sie mit der Verkehrsfreigabe auch nicht. „Wenn man will, dass die Leute mehr einkaufen, erreicht man das damit nicht“, sagt Lehmann.

Helga Schulz, Geschäftsführerin der PuG-Kauf, sieht eher Vorteile, wenn Einkäufer wieder in der Breiten Straße halten könnten. „Für unsere Postkunden mit großen Paketen wäre das sicher ein Vorteil“, meint Schulz. Auch für ältere Menschen könne es eine Hilfe sein, schätzt sie ein.

„Ich bin eher dagegen“, sagt Nancy Bönsch, Marketingleiterin bei Apel Augenoptik. „Ich weiß nicht, ob man deshalb mehr Betrieb hat“, meint Bönsch im Gespräch mit der Volksstimme. Sie hebt die Vorteile der Verkehrsberuhigung in der Breiten Straße hervor. „Dort können Eltern ihre Kinder auch mal laufen lassen“, sagt sie. Zudem hätten viele Kunden häufig mehrere Dinge in der Stadt zu erledigen. „Deswegen wird das hier keinen Boom geben“, sieht sie die Pläne der Werbegemeinschaft eher kritisch.