Gardelegen l Dort, wo anderen die Worte fehlen, findet sie welche. Wenn andere sich nicht trauen, traut sie sich: Seit 18 Jahren arbeitet Joanna Zerneke aus Eigenthum in der Einheitsgemeinde Gardelegen als ehrenamtliche Hospizbegleiterin, betreut Sterbende und ihre Angehörigen während der letzten, schweren Zeit vor dem endgültigen Abschied.

Bereits seit 18 Jahren ist sie dabei – zunächst im Stendaler Hospiz –, gehört damit zu den Begleitern der ersten Stunde. Und sie weiß aus Erfahrung, wie wichtig es ist, den Tod nicht totzuschweigen: „Im Hospizgedanken wird das Sterben nicht einfach weggeschoben, sondern in den Mittelpunkt gerückt“, sagt die 56-Jährige. Das sei es, was sie an ihrer Arbeit am wichtigsten findet. Denn Sterbende brauchen, wie jeder gesunde Mensch, die Zuwendung anderer Menschen. Und das bedeutet für die ehrenamtliche Begleiterin, ihnen Zeit zu schenken - auf ganz verschiedene Weise. Ob es das Vorlesen eines Buches ist, oder einfach das Zuhören, das Plaudern über alte Zeiten, oder einfach das gemeinsame Schweigen – sie kann sich hineinfühlen in die Bedürfnisse der Menschen und auch in die der Angehörigen, die oft genau so viel Trost brauchen.

Ihnen wiederum schenkt sie mit ihrer Zeit kleine Auszeiten von der Pflege, Möglichkeiten zum Durchschnaufen und Atemholen. Denn wer als Angehöriger einem Todkranken ermögliche, zu Hause zu sterben, der mache demjenigen ein großes Geschenk, sagt die mehrfache Mutter.

"Hospiz macht Schule"

Als ausgebildete Lehrerin liegt ihr aber auch noch ein weiteres Projekt des ambulanten Hospizdienstes am Herzen: Es heißt „Hospiz macht Schule“ und führt bereits Kinder im Grundschulalter kindgerecht und sehr behutsam an das Thema Sterben und Tod heran. Schließlich können auch die Jüngsten schon auf verschiedene Weise mit dem Tod konfrontiert werden. Ihre Fragen zu beantworten, ihre Ängste aufzufangen, ist das Ziel von „Hospiz macht Schule“.

Und so ließ sich Joanna Zerneke im vergangenen Jahr in ihrer Freizeit speziell für dieses Projekt ausbilden. Zu Beginn dieses Jahres betreute sie dann gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Begleitern des ambulanten Hospizdienstes Gardelegen eine vierte Klasse der evangelischen Grundschule in Gardelegen bei dem einwöchigen Projekt – und nahm dafür sogar Urlaub. Hauptberuflich arbeitet sie nämlich als pastorale Mitarbeiterin in der Pfarrei Sankt Hildegard.

Ihre Arbeit im ambulanten Hospizdienst in Gardelegen sieht Joanna Zerneke übrigens auch für sich selbst als Geschenk an, eines, das ihr eigenes Leben um vieles bereichert hat.

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