Salzwedel l „Wir gehen mit dem Fieberzentrum ans Netz“, sagte Landrat Michael Ziche am Dienstag (24. März) in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Die Einrichtung befindet sich in Salzwedel an der Straße Siedlung des Friedens und hat ab Mittwoch (25. März) täglich an den Werktagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Träger der Einrichtung ist die Kassenärztliche Vereinigung des Landes Sachsen-Anhalt (KVSA), die für das medizinische Personal und die Ausstattung sorgt. „Aber auch wir werden mit Personal unterstützen“, versicherte der Landrat. Als Ärzte werden Mediziner aus der Region vor Ort sein und die Abstriche aus dem Mundraum nehmen. Ziel bleibe nach wie vor, die Corona-Pandemie zu verlangsamen.

Zum Fieberzentrum dürfe nur kommen, wer vom Arzt dort hingeschickt werde, unterstrich Kreisordnungsamtsleiter Hans Thiele. Heißt: Patienten telefonieren mit ihrem Hausarzt. Dieser nimmt Kontakt zum Gesundheitsamt auf und bespricht das weitere Vorgehen. Wer schlussendlich einen Test macht, muss zwingend seine Chipkarte der Krankenkasse dabei haben. Privatversicherte müssen ihren Personalausweis bei sich haben. Einfach zum Fieberzentrum fahren und einen Test machen lassen, ist nicht möglich. „Dafür reicht derzeit das Personal nicht“, so der Landrat.

Hausarztpraxen in Quarantäne

Nach Stand von Dienstag, 14 Uhr, sind mittlerweile neun Personen im Altmarkkreis mit dem Virus infiziert. Dabei handelt es sich um zwei Personen aus Jübar, vier aus Gardelegen, zwei aus Klötze und eine aus Salzwedel, wie Michael Ziche aufzählte. Bei den beiden Personen aus Jübar handele es sich um ein älteres Paar. Die Frau habe mit einer vermeintlichen Grippe Hausärzte in Rohrberg und Beetzendorf aufgesucht. „Beide Praxen sind nun in Quarantäne“, so der Landrat, der seinen Appell wiederholte, im Verdachtsfall zum Telefonhörer zu greifen, statt direkt zum Arzt zu gehen. Die Hausärzte im Kreis würden sich ohnehin schon in einer schwierigen Situation befinden, die so noch befeuert werde. Mit dem Fieberzentrum hofft Ziche, die Lage für die Mediziner zu entspannen.

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Neben den Fieberzentrum informierte der Landrat auch darüber, dass ab Mittwoch (25. März) eine neue Verordnung in Kraft tritt. „Einige Regelungen haben sich verschärft“, erklärte er, beispielsweise für das Einkaufen, wo nun Einlasskontrollen stattfinden, damit die Märkte nicht von zu vielen Personen genutzt werden. Nicht mehr als ein Kunde darf sich ab jetzt auf zehn Quadratmetern aufhalten. Bisher haben die Polizei und die Ordnungsämter die Geschäfte und Spielplätze auf Einhaltung der Verordnung überprüft, informierte Hans Thiele. Nun seien die Autofahrer dran. Denn den Behörden ist nicht entgangen, dass noch immer ziemlich viele Fahrzeuge zu allen Uhrzeiten unterwegs sind.

Ab sofort sollte man daher einen triftigen Grund haben und diesen glaubhaft begründen können, so Hans Thiele. Das kann der Weg zur Arbeit sein, zum Einkauf oder auch zum Arzt. Der Kreisordnungsamtsleiter empfiehlt, ein entsprechendes Schriftstück seines Arbeitgebers mit sich zu führen. Auch Menschen, die in Schlüsselpositionen arbeiten, sollten nun besagtes Schriftstück mit sich führen, um Diskussionen zu umgehen.

Apropos Schlüsselpositionen: Auch hier gibt es eine neue Regelung für die Notbetreuung in Kitas. Diese Regelungen des Landes legen fest: "Für einen Anspruch auf Notbetreuung ist es jetzt ausreichend, wenn ein Elternteil in der medizinischen, veterinärmedizinischen, pharmazeutischen oder pflegerischen Versorgung tätig ist", heißt es in einer Pressemitteilung der Staatskanzlei von Dienstag (24. März).

Geschlossen ist nun übrigens auch die Zulassungsstelle. Hier kann nur noch mit wichtigem Grund agiert werden. Beispielsweise, wenn das Auto einer Person in Schlüsselposition betroffen ist. Das gelte ebenfalls für andere Bereiche der Verwaltung.

Zweiter Krisenstab

„Die Welt ist ein Krisengebiet“, so der Landrat. Deshalb habe sich die Kreisverwaltung entschlossen, einen zweiten Krisenstab parallel zu installieren. Sollte also ein Stab ausfallen, bleibt der Landkreis handlungsfähig. Es sei die Vorstufe eines Notstandes. Konferenzen würden daher über Videoplattformen stattfinden und der Austausch telefonisch. „Eine normale Verwaltungsarbeit ist nicht mehr möglich“, so Michael Ziche.

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