Salzwedel l Als Mitarbeiter eines Salzwedeler Pflegedienstes gehört Michael Bellmann aktuell zu den Helden des Alltags, ist einer, der den Laden trotz Corona am Laufen hält. In vielen Orten gibt es in diesen Tagen dafür Beifall auf offener Straße. Auch Michael Bellmann hat während seines Dienstes etwas bekommen: ein Knöllchen.

Sein Vergehen: Der junge Pfleger hat im Lohteich die Parkdauer mit seinem Pflegedienstfahrzeug am 24. März um 13 Minuten überschritten. Die Missetat als solche bestreitet Bellmann gar nicht, stellt aber die Sinnhaftigkeit der Aktion in Frage.

„In normalen Zeiten sind Parkplätze im Lohteich ein begehrtes Gut, Kontrollen daher angebracht. Doch jetzt sind die meisten Geschäfte geschlossen, die Innenstadt ist nahezu menschenleer. Welchen tieferen Sinn machen da die Strafzettel, noch dazu an einem Fahrzeug, das als Pflegemobil deutlich zu erkennen ist?“, fragte sich Bellmann.

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Diese Fragen stellt sich auch Jens Weißbach. Als Inhaber des Pflegedienstes ist er für die Zahlung des Verwarngeldes zuständig.

„Ich habe mich in einem Schreiben an Bürgermeisterin Sabine Blümel gewandt. In ihrem Antwortschreiben betont die Stadt jedoch die Rechtmäßigkeit der Forderungen“, sagte Jens Weißbach. Mittlerweile ist der erste Ärger verflogen und die Verwarnung bezahlt.

Pflege ist kein Luxus

Doch so ganz zu den Akten legen möchte der Unternehmer den Vorgang dennoch nicht. Vielmehr möchte er eine öffentliche Diskussion darüber anschieben, ob insbesondere bei den Pflegediensten die Parkregelungen im Interesse der Menschen nicht grundsätzlich großzügiger gehandhabt werden können.

„Wir liefern hier keine Luxusdienstleistung, sondern lebensnotwendige, tägliche Hilfe für Bürger der Stadt“, stellte Weißbach klar. Viele der betreuten Senioren leben allein, sind weitgehend isoliert. Ein freundliches Wort mehr, ein offenes Ohr oder eine Tasse Kaffee in Gesellschaft gehören da auch mal zur Betreuung. Oftmals ist der Pfleger schließlich die einzige Person, zu der täglich Kontakt besteht.

Diese Arbeit lässt sich kaum in ein festes Zeitkorsett pressen. Da wäre es mehr als hilfreich, wenn die Pfleger nicht ständig auf die (Park-)Uhr schauen müssten, ist sich der Unternehmer sicher.

Die Stadt könnte so auch über die Corona-Zeit hinaus einen Beitrag dazu leisten, dem Pflegenotstand entgegenzuwirken. Weißbach und seine Berufskollegen hoffen nun, mit ihrem Anliegen im Stadtrat Unterstützer zu finden.