Salzwedel/Stendal l Geht man genau nach den offiziell gemeldeten Zahlen, ist der Altmarkkreis Salzwedel von der Krise bisher fast verschont geblieben, seit Mitte April verharrt die Zahl der infizierten Personen um die 30. Im Gegensatz dazu steht der Landkreis Stendal. Zwar liegt die Infiziertenzahl im bundesweiten Vergleich mit knapp unter 100 Menschen auch am unteren Ende. Doch rund um die größte Stadt der Altmark sind bereits sechs Tote zu beklagen, bei denen eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen wurde.

Unterschiedlich hohe Einwohnerzahlen erklären diese unterschiedlichen Fallzahlen nicht ganz. Im Altmarkkreis leben insgesamt knapp 84.000 Menschen, im Landkreis Stendal sind es etwa 112.000. Dennoch liegt die Infiziertenzahl im altmärkischen Osten dreimal so hoch wie im Westteil.

Keine Erklärung, aber Vermutung

„Ein Erklärung habe ich nicht, nur eine Vermutung“, antwortet Amtsärztin Dr. Iris Schubert aus dem Landkreis Stendal auf die Frage, wie diese Unterschiede zustande kommen. So berichtet Schubert, dass „der Landkreis Stendal zeitig ein Fieberzentrum eingerichtet hatte“. Außerdem waren mobile Abstrichteams in der östlichen Altmark deutlich früher unterwegs als rund um Salzwedel.

Damit hat sie recht: Ab dem 18. März konnten Verdachtsfälle im Fieberzentrum in Stendal getestet werden, in Salzwedel erst eine Woche später. Mobile Testteams waren rund um Stendal bereits ab dem 26. März unterwegs, im Altmarkkreis startete dieses Angebot erst am 6. April. Allein daraus ergeben sich schon weitaus höhere Testzahlen im Stendaler Bereich.

745 Tests im Landkreis Stendal

Die Pressestelle des Landkreises berichtet dort von bisher 745 Tests – im Fieberzentrum und mobil (Stand: 24. April) –, während der Altmarkkreis Salzwedel mitteilt, dass es bisher 349 getestete Personen gibt (Stand: 27. April).

Durch die frühzeitigere Testung im Stendaler Fieberzentrum hätten Risikopersonen dort schneller „eine notwendige Diagnostik“ erhalten. „Es wurde also mehr untersucht“, meint die Amtsärztin. Die Zahl der notwendigen Untersuchungen habe sich zudem aus den Positivbefunden „in hochsensiblen Bereichen“ ergeben, meint Schubert und nennt Fälle in Altenpflegeheimen und im Krankenhaus als Beispiel. Das habe wiederum Abstriche bei Familien und Kontaktpersonen zur Folge gehabt, die wieder zu Positivbefunden geführt hätten.

Weil in der westlichen Altmark die Fallzahlen stagnieren, werden die Rufe lauter, die Einschränkungen durch die Corona-Verordnungen zu lockern. „Der Landkreis zieht auf Grund der Fallzahlen keine übereilten Schlüsse“, antwortete Sprecherin Birgit Eurich für den Altmarkkreis Salzwedel auf Anfrage der Volksstimme. Dort hofft man, dass die eingeleiteten Maßnahmen greifen.

Auswertung nach 14 Tagen abwarten

„Interessant wird die Auswertung der Fallzahlen nach 14 Tagen des Lockerungsbeginns“, sagt Eurich. Sie betont aber auch, dass der Altmarkkreis selbst keine Ermächtigung habe, Lockerungen zu veranlassen. Positiv vermerkt die Sprecherin, dass der Altmarkkreis frühzeitig Mittel für persönliche Schutzausrüstungen beschafft habe. „Der Landkreis ist gut ausgestattet“, teilt Eurich mit.

Im Landkreis Stendal kann von Stagnation noch keine Rede sein. Langsam aber stetig wächst die Zahl der Infizierten. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab, erläutert Amtsärztin Iris Schubert: „Waren es zunächst reiseassoziierte Erkrankungen, sind es jetzt vor allem Übertragungen im sensiblen Bereich (Altenpflegeheim, Krankenhaus), wo eine entsprechend hohe Zahl an Kontaktpersonen entsteht.“

Dennoch begrüßt Schubert die Lockerung der Coronaverordnung, heißt es aus der Pressestelle des Landkreises. Allerdings nur unter Einhaltung der Kontaktbeschränkungen.