Salzwedel l Pfarrer Friedrich von Biela nennt die aktuelle Situation „eine echte Herausforderung“. Im Gespräch mit der Volksstimme versprüht der Geistliche aber auch einen gesunden Optimismus, dass das kirchliche Leben in seiner Gemeinde, aber auch im gesamten Kirchenkreis auf kreative Weise aufrecht erhalten werden kann.

„In der vergangenen Woche gab es zunächst noch eine gewisse Schockstarre“, gibt von Biela unumwunden zu. Alles, was er bisher als seine Arbeit ansehe, sei plötzlich nicht mehr möglich gewesen. „Doch man kriegt sich wieder ein“, betont der Pfarrer. Besonders schwer sei ihm zunächst gefallen, den Menschen zur Begrüßung nicht mehr die Hand zu geben. „Das ist in meinem Beruf so schwer“, gesteht er und hängt an, dass er dies aber nun konsequent befolge.

Sonderausgabe des Gemeindebriefes

Eine erste Maßnahme, um im Kontakt mit den Gläubigen zu bleiben, wurde schon zügig umgesetzt. Nun soll es eine Sonderausgabe des Gemeindebriefes „Der Turmspatz“ geben. Dieser enthält aktuelle Infos und auch Telefonnummern für die Gemeindeglieder. Außerdem werden Vorschläge für das Gebet zu Hause gemacht.

„Wir stellen den Gemeindebrief auf unsere Internetseit, werden ihn per E-Mail verschicken und bei Bedarf auch bei den Menschen zu Hause in den Briefkasten werfen“, erklärt von Biela. Der Pfarrer bittet darum, dass sich Interessenten, die den Brief in gedruckter Form haben wollen, im Pfarrhaus unter Telefon 03901/42 31 89 melden. „Das geht auch am Wochenende“, betont er. Zur Not könnten die Interessenten auch auf den Anrufbeantworter sprechen.

Die Coronakrise betrifft auch Besuche des Pfarrers bei den Gläubigen zu Hause. Geburtstagskindern werde nun schriftlich gratuliert, berichtet der Salzwedeler Pfarrer. Dringende Besuchstermine möchte von Biela – unter Einhaltung der empfohlenen Abstandsregeln – zunächst weiter anbieten. Auch in diesem Fall ist eine Absprache unter der genannten Telefonnummer nötig.

Nachbarschaftshilfe

Bisher seien die Gespräche, häufig mit älteren Gläubigen, ganz optimistischer Natur. „In der Regel sind alle ganz gut versorgt“, gibt der Pfarrer seine bisherigen Erfahrungen weiter. „In der Provinz passen die sozialen Netzwerke noch“, sagt von Biela und meint damit, nicht die Netzwerke im Internet. Doch auch diese würden in diesen Zeiten dazu beitragen, das soziale Netz wieder zu stärken, hat er zum Beispiel die in Salzwedel initiierte Nachbarschaftshilfe im Blick.

Was den Gottesdienst betrifft, kann die Gemeinde derzeit kein Angebot im Internet bereitstellen. „Aber da verlassen wir uns auf die Großen“, meint von Biela die Fernseh-Gottesdienste. Ein Großteil seiner „Zielgruppe“ sei ohnehin noch nicht so Internetaffin.

Auch den Kirchenglocken von St. Marien kommt nun wieder mehr ihre eigene Aufgabe zu – die Gläubigen zum Gebet zu rufen (siehe Seite 15). „Eigentlich rufen sie dazu auf, gemeinsam an einem Ort zu beten. Aber nun gilt das für zu Hause“, sagt er pragmatisch. Die Marienkirche bleibt unterdessen für Gläubige geöffnet. „Es gibt auch einen Aufruf der Landeskirche, diese zugänglich zu halten“, betont der Pfarrer. Auch dabei sollen Christen, die zum Beispiel ein stilles Gebet suchen, auf die empfohlenen Abstandsregeln achten. Die Marienkirche hatte täglich (außer montags) zwischen 14 und 15.30 Uhr geöffnet.

Mit trauriger Stimme kommt Friedrich von Biela dann noch auf die Absage der Osterfeierlichkeiten zu sprechen. „Das konnte ich mir anfangs gar nicht vorstellen“, gibt er zu. Zunächst habe er noch eine „leise Hoffnung“ gehabt, dass zu Ostern Gottesdienste stattfinden können. „Aber auch das hat uns eingeholt.“ Nun seien kreative Lösungen gefragt, wie das Fest der Auferstehung Jesu Christi ohne ein Zusammenkommen der Gemeinde begangen werden kann. Daran werde derzeit gearbeitet, der Gemeindebrief – der nun auch öfter erscheinen soll – werde darüber ebenfalls informieren.

Ein Netz des Gebetes schaffen

Und als Pfarrer erinnert Friedrich von Biela an das Gebot der Nächstenliebe. „Haltet Euch an die Regeln“, betont er, vor allem, um andere zu schützen. „Es gibt keinen Grund zur Panik, wir sind versorgt“, fügt er an. Die Situation biete vielleicht für manche Menschen, die ansonsten im Beruf schon sehr gestresst seien, die Chance, etwas zur Besinnung zu kommen. „Für sich selbst zu schauen, was ist mir wichtig“, meint von Biela. Das gebe es natürlich nicht für alle, hat der Pfarrer auch die Berufsgruppen im Blick, dessen Arbeit zurzeit „besonders stressig ist“. Als Beispiel nennt er Mitarbeiter in Kliniken. „Ich bin ja auch Krankenhausseelsorger, kann dort zurzeit aber nicht hin.“

Und dann fällt ihm als Stichwort noch die jährliche Friedensdekade im Herbst ein. „Da gibt es ja auch immer ein Gebetsblatt für zu Hause“, erinnert von Biela. Wenn nun die Glocken läuten, könnten die Gläubigen „ein Netz des Gebets“ spannen und so zeigen, „dass man miteinander verbunden ist, auch wenn man nicht zusammen ist. Denn der Herrgott kommt nicht in Quarantäne, der ist immer bei uns.“