Schulsozialarbeit

Die stillen Helfer im Hintergrund

Im Distanzunterricht gibt es die stillen Superhelden der Pandemie - die Schulsozialarbeiter.

Von Von Tobias Hofbauer

Salzwedel l In der Corona-Krise ist schon viel über die Belastung von Schülern, Lehrern und auch der Eltern gesprochen worden. Das Bindeglied zwischen all diesen Stationen ist die Schulsozialarbeit. Diese blieb meist eher außen vor, obwohl sie ein elementarer Bestandteil in der Unterstützung der Schüler ist.

„Unsere Arbeit richtet sich zwar immer nach Bedarf, während Corona heißt das aber nicht, dass wir nichts zu tun haben“, sagt Ramona Rickert von der Perver-Grundschule in Salzwedel. Normalerweise würde sie als Sozialarbeiterin zusätzliche Angebote wie eine Tanz und Film AG organisieren und betreuen. Diese blieben jedoch wegen Corona leider auf der Strecke, erzählt Rickert. Das werde sich auch nach der Öffnung am Montag noch nicht ändern.

„Im Vergleich zum Herbst haben wir einiges dazugelernt“, versichert Rickert. Davor hätten sie die Aufgaben hochgeladen, damit sich die Schüler diese ausdrucken können. Allerdings sei das Problem gewesen, dass nicht jeder Schüler einen Drucker bei sich zu Hause stehen habe und die Druckkosten sehr hoch seien.

Darum würden die Eltern nun jeden Montag die Aufgaben für die Woche abholen und sie am Freitag wieder vorbeibringen. Mit Lösungsansätzen versehen seien die verbesserten Aufgaben für die Schüler in der Folgewoche einsehbar, wenn die neuen Aufgaben abgeholt werden, sagt sie.

„Wir tragen Sorge, dass die Schüler ihre Aufgaben hinbekommen.“ Gerade, wenn manche diese nicht bewältigen können, die sich in der Notbetreuung befinden, versichert Rickert. Dann können Schüler noch zu ihr kommen und die Aufgaben mit Unterstützung erledigen.

„Die Kinder können mir alles erzählen“, macht Rickert klar. Sie sage auch nichts weiter, wenn die Schüler es wünschen. Das habe immer viel mit Vertrauen zu tun. In der Perver-Grundschule bestehe zudem einmal die Woche die Möglichkeit, dass sich die Eltern und Schüler mit ihr treffen und austauschen können, sagt Rickert. Das finde sie sehr wichtig, um den persönlichen Kontakt nicht aus den Augen zu verlieren.

„Ich kann mir nicht mehr vorstellen, ohne Schulsozialarbeit zu arbeiten“, erklärt dazu die Beetzendorfer Sekundarschulchefin Sabine Hornkohl. „Im Alltag lassen sich sonst gar nicht alle Defizite lösen.“

„Für unsere Arbeit macht Corona keinen Unterschied“, betont ihre Schulsozialarbeiterin Birgit Lange. Das Aufgabengebiet sei dabei so vielfältig wie die Schüler selbst. „Schulsozialarbeiter sind da, um Unsicherheiten zu beseitigen und bieten eine engmaschige Betreuung.“ Mit Förderangeboten für einzelne Schüler oder Gruppen helfe sie Schülern aus der Sekundarschule Beetzendorf, Probleme in den Griff zu bekommen, sagt Lange.

Sie weist vor allem auf die Unterschiede der Sozialarbeit zwischen Schulformen der Grund- und Sekundarschulen hin: „Bei uns kommt noch die Berufsberatung dazu.“ Normalerweise gebe es immer einen Bewerbungstag, der falle dieses Jahr jedoch aus. Dort würden immer viele Ausbildungsverhältnisse zustande kommen. Umso wichtiger sei es, dass sie im Austausch mit Berufsberatern stehe und so Schülern Perspektiven aufzeigen könne.

„Ich treffe mich jeden Montag an der Bushaltestelle mit den Schülern und übergebe ihnen die Aufgaben für die Woche“, erzählt Lange. Wenn es irgendwo haken sollte, dann sei sie immer für sie da: „Die Schüler wissen, dass sie immer anrufen können“. Dabei gebe es auch Kinder, die an die Hand genommen werden müssten, weil deren Eltern keine Unterstützung geben können. Wichtig dabei: „Immer positiv zu bleiben und für Motivation sorgen oder einfach mal nur zuzuhören.“

„Wenn wir am Montag bemerken, dass Material übrig ist, fragen wir gleich nach, was los ist“, konkretisiert Lange ihre Arbeitsweise. Dabei hätte sie auch Verständnis, wenn die Aufgaben mal nicht abgeholt werden können, da viele Eltern berufstätig sind. Dann einige man sich auf einen Termin, an dem die Aufgaben übergeben werden können, oder sie komme bei den Schülern vorbei und werfe die Aufgaben in den Briefkasten.

Schulleiterin Sabine Hornkohl verdeutlicht: „Feste Strukturen sind das A und O“. Nach den Schulöffnungen würden die Schüler definitiv noch Zeit brauchen, um sich an den Regelunterricht zu gewöhnen. Birgit Lange präzisiert die Aussage: „Schüler im Alter von fünf bis sieben Jahren sind bei der Mitarbeit sehr aktiv und bis spätestens halb zehn Uhr vormittags am Arbeiten.“ Andere dagegen hätten einen komplett verdrehten Tag-Nacht Rythmus und würden bis Mittags schlafen.

„Wie soll das was werden?“, darüber machten sich viele Eltern Sorgen. „Das ist unsere Aufgabe: Wie schaffen wir es, keinen zu verlieren“, weiß Lange. Die Schulsozialarbeit sei für sie eine „feste Säule“, ohne komme sie nicht mehr aus. Am besten sollte die Unterstützung schon in der Kita beginnen. Leider könne nicht jedes Kind erreicht werden, „aber wir sind bemüht allen zu helfen“, ergänzt Sabine Hornohl.

Im Landkreis gibt es 16 Schulsozialarbeiter. Finanziert werden sie über das ESF-Programm (Europäischer Sozialfond) vom Bund und die Netzwerkstelle Schulerfolg. Über deren Webseite können Informationen zur Schulsozialarbeit abgerufen werden. Ansprechpartner sind Monique Grothe in Gardelegen und Doreen Schulze in Salzwedel.