Salzwedel l Auf der großen Tanzfläche, dem sogenannten Mainfloor, liegt noch Konfetti von der letzten Party. Es sind kleine bunte Erinnerungen an längst vergangene Abende. Als die Jugend und Junggebliebene an Wochenenden von nah und fern nach Salzwedel fuhren, um zu wummernden Bässen durch die Nacht zu tanzen. Das ist mittlerweile mehr als neun Jahre her. Partygäste sucht man vergebens. Die Musik ist verstummt, die Bar verwaist. Auf dem Parkplatz warten keine Eltern-Taxis mehr auf die Sprößlinge. Und doch regt sich Leben im Inneren.

Mit Arbeitshose und Werkzeug in der Hand läuft Steffen Putzker durch die heiligen Hallen einer ganzen Generation, zu der er selbst auch gehört. Für den Altmärker hat der schlafende Riese seinen Charme nie verloren. Nun kümmert sich Putzker (39) mit seinem Freund Denny Wuttke (41) um die "Aufweckphase".

Einst in der Pumpe gearbeitet

„Wir haben hier früher beide gearbeitet“, blickt Putzker zurück. Er als DJ, Wuttke hinter dem Tresen. Während Steffen Putzker bereits mit 14 Jahren als DJ Brause die Kinder zum Tanzen bewegte, stieß Denny Wuttke in den 2000ern als Barkeeper dazu. Später wurde aus dem jungen DJ Brause der erwachsene DJ Mesic. Unter dem Namen hat sich Putzker in der Region einen Namen gemacht.

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„Die letzte Veranstaltung der Discothek Pumpe war im Oktober 2010“, erzählt Steffen Putzker. „Das hat uns weh getan“, erinnert er sich, als die Türen das letzte Mal verschlossen wurden. Nie wieder Pumpe, dass wollte nicht in ihre Köpfe.

Eventagentur gegründet

Weil Putzker und Wuttke für Partys und Veranstaltungen geboren sind, gründeten die beiden Freunde mit der Firma Robotron Music eine eigene Eventagentur. Seit jeher richten sie Familienfeiern, Firmenfeste und Kindergeburtstage aus. Mit Bühne, Hüpfburg, Süßigkeitenwagen und was sonst noch für eine gelungene Feier gebraucht wird, fahren sie zu den jeweiligen Veranstaltungsorten. Und wer das Lachen verlernt hat, bekommt noch eine Portion Clown dazu.

Und auch wenn die beiden in ihrer Eventfirma ihre Berufung gefunden haben, ein Stück fehlt ihnen. „Ich arbeite hauptberuflich als Fahrer eines Müllwagens“, sagt Putzker. Seine Touren führen ihn immer wieder an der alten Pumpe vorbei. Und da ist er wieder, dieser Schmerz, dass es das gewesen sein soll – für immer.

Erinnerungen werden wach

Doch dann spielte Steffen Putzker der Zufall in die Hände. „Ich habe eine Hüpfburg zu einer Feier eines Bauunternehmers gebracht“, erinnert er sich. Und genau dieser war im Besitz des einstigen Feiertempels. Als der Unternehmer Putzkers Geschichte hörte, kam der Stein ins Rollen. Im Sommer dieses Jahres kauften beide schließlich die große Partyhöhle.

Steffen Putzker geht durch die Räume. Vorbei an der voluminösen Bar im Orange-Club, wo Wuttke einst die Cocktails mixte. Durch den Techno-Keller, aus dem die letzten Gäste erst im Hellen das Weite suchten. Vorbei am DJ-Pult, wo er selbst auflegte, am Eingangsbereich, wo die Party-Jünger auf Eintritt warteten. „Es ist ja alles noch so wie am Tag, als sie verschlossen wurde.“ Im Foyer hängt noch ein Poster von der Abschiedsparty.

Charakter soll erhalten bleiben

Denny Wuttke rennt förmlich durch den Mainfloor. Er sucht eine Lampe, ist wie immer auf der Flucht. Mit seinem Vater bringt er die Elektronik gerade auf Vordermann. Putzker selbst ist mit Tapezierarbeiten beschäftigt. Peu à peu sollen die Räume wieder entstaubt, aufgewertet und saniert werden. Gewissermaßen eine Schönheitskur. Pinsel und Zange statt Stemmhammer. Denn der Pumpe-Charakter soll erhalten bleiben.

„Wenn wir fertig sind, können die Menschen in den Räumen feiern“, so Steffen Putzker. Der Phantasie seien keine Grenzen gesetzt. Themenabend, Firmenfeier, Kindergeburtstag: Alles sei dann möglich. „Selbst Kaffee und Kuchen mit Oma.“ Partys satt auf 6000 Quadratmetern.

Auch die alten Pumpe-Gänger kommen wieder auf ihre Kosten. „Wir werden natürlich auch wieder auf dem Mainfloor und im Technokeller feiern.“ Wenn alles klappt, soll im Oktober 2020 eröffnet werden. Zehn Jahre nach der Abschlussparty. Dazu soll auch das alte Personal wieder eingeladen werden. „Wir wollen die Pumpe-Familie wieder zusammenbringen“, sagt Putzker, der dann als DJ Mesic wieder Bässe durch die Boxen schicken will.