Salzwedel l Die Gefahr kommt aus dem Süd-Osten – in Form von unscheinbaren Kristallen. Crystal-Meth breitet sich immer weiter aus und besonders im südlichen Sachsen-Anhalt zeigt die Droge ihren Einfluss. Aber wie weit in den Norden ist das Methamphetamin bereits vorgedrungen? Gibt es auch im Altmarkkreis-Salzwedel Vorfälle mit Crystal?

„Bei den illegalen Drogen liegt der Hauptschwerpunkt bei Cannabis“, sagt Frank Semisch, Pressesprecher der Polizei Salzwedel. Genaue Zahlen zu Kriminalfällen, die speziell mit Meth in Verbindung stehen, hat er keine. Die Rauschgiftkriminalität steigt aber an. 2015 waren es noch 201, 2017 bereits 323 Fälle, bei insgesamt 4973 abgeschlossenen Kriminalverfahren. Für 2018 wird sich der Trend fortsetzen, vermutet Semisch.

Dass Crystal-Meth kein Hauptproblem ist, bestätigt Cornelia Kampe. Die Mitarbeiterin bei der Drogen- und Suchtberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Salzwedel hatte in den vergangenen Jahren nur vereinzelt Patienten, die wegen dieser Droge bei ihr waren. Sie weist darauf hin, dass sie in der Drogenberatung nur verzögert die Auswirkungen erlebt, allerdings wird der Trend um Crystal schon seit Jahren beobachtet. Es scheint, als wäre der Vormarsch des Amphetamins „in der Magdeburger Region stehen geblieben“, sagt Kampe. Das Nord-Süd-Gefälle erklärt sich durch die Herkunft der synthetischen Droge. In Europa wird das Gift zum Großteil in Tschechien produziert und sowohl Abhängige, als auch Dealer fahren selbst über die Grenze für den Kauf.

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Männer stärker betroffen

Lediglich fünf Crystal-Abhängige hatte die Salzwedeler Suchtberatung 2017. Dabei fanden sich insgesamt 323 Suchtkranke verschiedenster Art in Salzwedel zur Beratung ein. Die meisten davon waren Männer. Vor allem aus der Altersklasse 25 bis 34 werden Süchtige wegen illegaler Drogen beraten. Die meisten wegen Cannabis, danach kommen LSD und Ecstasy. Zu Rauschgift greifen Menschen häufig nachdem sie Schicksalsschläge erlitten haben. Der Verlust des Führerscheins, des Arbeitsplatzes oder langjährigen Partners sind nur einige Gründe, sagt die Suchtberaterin. Die meisten Patienten kommen aus „solchen Szenen“. Die Crystal-Abhängigen gehören schon zu den „Probierfreudigen“, so Kampe.

In den Beratungsgesprächen wird dann nach einem Umfeld gesucht, wo niemand Drogen nimmt. Bekannte, Freunde oder Familie, die unterstützen können. Bei Meth-Süchtigen besonders schwierig, denn das Nervengift wirkt sich auf das Gedächtnis aus und Kampe gibt ihren Kollegen den Rat, die Patienten regelmäßig an Termine zu erinnern. Nur wer zur Beratung erscheint, dem kann auch geholfen werden. Trotz alledem bleibt anhand der Zahlen deutlich, dass Alkohol mit 233 Erkrankten das größte Suchtproblem darstellt.