Chüttlitz l Zahlreiche Setzlinge von Nordmanntannen, die in sechs bis sieben Jahren als Weihnachtsbäume dienen sollten, überlebten diesen Sommer nicht. Besonders Standorte mit Sandböden sind betroffen. Das sagt Ulrich Herbst, der bei Chüttlitz ein 1,5 Hektar großes Gelände für den kommenden Weihnachtsbaumverkauf besitzt. Sandböden würden wenig Wasser speichern. Deswegen seien so gut wie alle frisch gepflanzten Setzlinge dort eingegangen und 40 bis 50 Prozent derer, die ein Jahr alt waren. „Die Trockenheit war ein großer Stress für die Bäume“, sagt der 83-Jährige.

Der ehemalige Förster und gelernter Industriekaufmann verkauft seit 55 Jahren Nadelbäume zur Weihnachtszeit. Er besaß früher zahlreiche Standorte, doch die meisten hat bereits sein Schwiegersohn übernommen. Heute pflegt er nur noch das Gelände bei Chüttlitz und verkauft einzelne Bäume aus seinem Garten in Schletau. „Ich möchte das hier gerne erhalten“, sagt er, um sich körperlich fit zuhalten, solange es geht.

Nur 30 Prozent der Setzlinge eingegangen

Ulrich Herbst vermutet, dass es in sechs bis sieben Jahren zu einem Engpass beim Bäumeverkauf kommen werde. Seine Nordmanntannen haben die Dürre ebenfalls nicht unbeschadet überstanden. Er schätzt sich aber glücklich. Der Boden enthält genügend Nährstoffe und speichert viel Wasser. Nur 30 Prozent seiner jüngsten Setzlinge sind eingegangen. Das heißt auch, dass sich Freunde von frisch gefällten Bäumen aus der Umgebung in Zukunft keine Sorgen über Nachschub machen müssen. Für dieses Jahr stehen 500 bis 600 verkaufsfähige Christbäume in unterschiedlichen Größe bereit.

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Neben dem Verlust von Setzlingen sind die Auswirkungen der Dürre vor allem am Wachstum der Bäume zu erkennen. Ein Drittel weniger als in den Vorjahren haben diese an Größe zugelegt. Das erkennt der ehemalige Förster an den Abständen zwischen den „Quirlen“ (den Abastungen) der Nadelbäume. Daran können auch Laien schnell das Alter einer Tanne einschätzen. Jeder „Quirl“ bedeutet ein Lebensjahr der Pflanze.

Weihnachtslieder zwischen den Tannen

Wenn jemand sich schließlich auf dem Gelände für einen Baum entscheidet, kommt der Tannenzüchter mit seinem Maßstock und einer Kettensäge. Nach dem Abmessen wird der baldige Weihnachtsbaum gefällt und für den Transport ins heimische Wohnzimmer eingenetzt.

Mit seiner Leidenschaft zum Tannenverkauf vereinte Ulrich Herbst zwei prägende Berufe in seinem Leben. Neben der Försterei lernte er außerdem den Beruf des Industriekaufmanns. Und dass der tägliche Verkauf von Weihnachtsbäumen nicht langweilig wird, verdeutlicht eine Episode in seiner Laufbahn. Eines Tages suchte er nach Kunden auf der großen Fläche. „Sind die etwa abgehauen?“, fragte er sich. Darauf hörte er Singen und Lachen vom anderen Ende des Geländes. Die gesuchte Gruppe brachte Tisch und Stühle mit, saß zusammen und sang bei Glühwein Weihnachtslieder.