Tasse Kaffee

Erfahrungen über Pferde und Menschen

Bei einer Tasse Kaffee plaudert Gestütsoberwärter Eckhard Sauerteig in Stappenbeck über Pferde und Menschen.

Von Uta Elste

Stappenbeck l Wer nach Eckhard Sauerteig fragt, muss mit der Antwort rechnen „Kenn‘ ich nicht“. Aber Franz – den kennen alle. Bei einer Tasse Kaffee erzählt Eckhard Sauerteig, wie er am ersten Tag seiner Ausbildung zum Facharbeiter für Pferdezucht und Leistungsprüfung in Neustadt zu diesem Spitznamen kam. Als er im Gestüt mit seinem Koffer über den Hof marschierte, hieß es „Guck mal, das ist Franz von Bretsch“.

Seit 24 Jahren ist Eckhard Sauerteig jedes Jahr mit Hengsten aus Neustadt/Dosse in die westliche Altmark gekommen. Diese sollen in der Region für die nächste Generation des Pferdenachwuchses sorgen. Zuerst brachte der Gestütsoberwärter von 1993 bis 1997 immer sechs Hengste nach Pretzier, jeweils zwei Kalt- und zwei Warmblüter, einen Haflinger und ein Vollblut. Ab 1998 kam er alljährlich in Begleitung von einem Warmblut- und zwei Kaltbluthengsten in die Deckstation nach Stappenbeck. In der Saison 2017 – Eckhard Sauerteigs letzte – sind es der Holsteiner Calidrio sowie die beiden Rheinisch-Deutschen Kaltblüter Franziskus und Martell. Nach Abschluss der Decksaison geht Eckhard Sauerteig in Rente. An die Pferde der ersten Saison in Stappenbeck erinnert sich Eckhard Sauerteig noch genau, an den Hannoveraner Can Can und den Kaltbluthengst Loustique de mer.

Pferde gehören von Kinderbeinen an zu seinem Leben. „Mein Opa hatte eine Landwirtschaft und natürlich auch Pferde, sowohl Warm- als auch Kaltblüter.“

Eines hat er in den Jahrzehnten der Arbeit mit Pferden gelernt: „Jedes Pferd ist anders, und sie reagieren auf ihren Betreuer.“ Ist dieser die Ruhe selbst, bleibt auch das Pferd gelassen. Ist der Betreuer nervös, überträgt sich das auch auf die Tiere. „Ich habe keine Angst vor Pferden, aber sehr viel Respekt“, beschreibt Eckhard Sauerteig seine Grundeinstellung. Pferde und Menschen haben einiges gemeinsam, so seine Erfahrung. Man könne einem Pferd ebenso wie einem Menschen in die Augen sehen und Rückschlüsse auf den jeweiligen Charakter ziehen. Einen bevorzugten Liebling unter den Tieren lässt er nicht zu. „Pferde merken, wenn eines bevorzugt wird.“ Daher werde allen die gleiche Behandlung zuteil.

Eckhard Sauerteigs Arbeitstag in Stappenbeck beginnt um 6.30 Uhr und dauert oft bis in den Abend, wenn Pferdebesitzer erst nach der Arbeit Zeit haben, um ihre Stuten in Stappenbeck decken zu lassen. „Klar, der Tag ist lang, aber niemals langweilig“, sagt Eckhard Sauerteig.

Spannende Tage sind für ihn dann auch die Fohlenschauen, wenn er die nächste Pferdegeneration in Augenschein nehmen kann. Die nächste ist übrigens für Sonnabend, 17. Juni, in Pretzier geplant.

In Stappenbeck, einer Misch-Station, stehen die drei Hengste für den Natursprung bereit, es ist aber ebenso eine Besamung mit Tiefkühlsperma möglich. Der Transport ist eine weitere Aufgabe von Eckhard Sauerteig.

Ausdrücklich lobt er die gute Zusammenarbeit mit der Mahlsdorfer Tierärztin Angelika Netzband. Überhaupt gehörte Eckhard Sauerteig in seinen Stappenbecker Monaten praktisch zur Familie Netzband dazu, dafür sorgte schon Renate Netzband, die auf dem Hof der Deckstation wohnte. „Wenn Franz jedes Jahr wegging, dann war Oma eine Woche traurig. Aber nach Weihnachten hat sie schon wieder die Wochen gezählt, bis Franz dann wiederkam“, berichtet Angelika Netzband schmunzelnd.

Die Saison endet Mitte Juli, im Herbst erfolge eine Auswertung. Auch wenn sich Eckhard Sauerteig auf den bevorstehenden neuen Lebensabschnitt freut, Stappenbeck und die pferdebegeisterten Menschen der Region werde er schon vermissen, bekennt er. Natürlich werde er zu besuchen immer wieder vorbeikommen.