Salzwedel l Geister und Tote wollen uns heimsuchen. Kobolde und Hexen bringen Unglück und verbreiten Schrecken. Das Böse macht sich breit, wenn die dunkle Jahreszeit anbricht. Damit diese Kreaturen der Nacht verschwinden, wussten schon die alten Germanen, die Dämonen mit Krach und Lärm zu vertreiben. Sie müssen erfolgreich gewesen sein, denn heute feiern wir Silvester statt uns zu fürchten. 2017 gaben laut dem Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) die Deutschen 137 Millionen Euro für Feuerwerk aus. Der VPI schätzt, dass der Umsatz auch dieses Jahr in dieser Höhe liegen wird.

Während sich Millionen Euro zum Jahreswechsel in Rauch auflösen, wird es für die Salzwedeler Polizei eine einsatzreiche Nacht werden, weiß Kriminalrat Heiko Timme aus Erfahrung. Das Revier wird voll besetzt sein und auch Sonderkräfte sind im Einsatz. Zahlreiche Streifenwagen werden präsent sein, um schnell auf Notrufe reagieren zu können. „Sachbeschädigungen stehen an erster Stelle“, gibt der Kriminalrat als Grund für die meisten Einsätze an. Explodierte Postkästen oder beschädigte Bushaltestellen sind nur zwei Beispiele. Die Polizisten werden von Einsatz zu Einsatz fahren. Für Timme ist es unwahrscheinlich, mit seinen Kollegen um Mitternacht anstoßen zu können. Es wird eine lange Nacht. Heiko Timme: „Der Dienst geht bis 6 Uhr, da gibt es kein Abschalten.“

Vorsicht an Fachwerkhäusern

Für Ortswehrleiter Mario Müller und seine Kollegen wird es ein normaler Arbeitstag. „Natürlich kann irgendwas passieren, von Container- bis Dachstuhlbrand“, sagt der Feuerwehrmann. Es gibt zu Silvester allerdings keine höhere Gefahrenstufe, erklärt Müller. Er wird mit seinen Mitstreitern genauso bereitstehen wie an jedem anderen Tag im Jahr auch. Er weist noch einmal darauf hin, nicht an Fachwerkhäusern oder Seniorenheimen zu knallen.

Schließlich ist Vorsicht zum Jahreswechsel geboten. Zwar werden keine Dämonen auftauchen, die größte Gefahr liegt jedoch im Knallen selbst. Das Altmark-Klinikum in Salzwedel rechnet daher schon mit nächtlichen Besuchern, die kleinere Verbrennungen sowie Schürf- und Schnittwunden erleiden werden, sagt Pressesprecherin Ivonne Bolle. Planbar ist das Patientenaufkommen in der Silvesternacht nicht. 2016 waren es zwischen 20 und 6 Uhr 19 Patienten, 2017 waren es 27. Die Notfallaufnahme wird, wie an allen anderen Werk- und Feiertagen, auf alles vorbereitet sein, versichert Bolle.

Trend geht zu Batterien

Polizei, Feuerwehr und Krankenhaus sind auf den Jahreswechsel heute Nacht eingestellt. Für die Händler begann der Stress schon am Freitag. Vom 28. Dezember bis heute dürfen nämlich Raketen, Böller, Batterien und andere explosive Spaßgeschosse verkauft werden. „Bei uns gehen etwa 1000 Raketensets über die Ladentheke“, sagt Klaus Meyer vom Obi Baumarkt.

„Die Kunden wollen Qualität“, weiß Katja Jürgens vom Hagebaumarkt. „Der Trend geht zu Batterien, die großen gehen als Erstes weg“, stimmt ihr Marktleiterin Silke Nagel zu. Bis zu 100 Euro kann ein solcher Kasten kosten. Der Pyrotechnikverband bestätigt den Trend. 50 Prozent des Umsatzes an Feuerwerkskörpern werden mit dem Verkauf von Batterien gemacht. Die meisten Käufer befinden sich dabei im Altersbereich zwischen 20 und 50 Jahren, schätzt die Marktleiterin.

Tiere mit Radio ablenken

„Aus dem Alter bin ich raus.“ Florian Jandt (29) knallt schon lange nicht mehr. Er und seine Freundin haben drei Katzen, die, wie viele Tiere, mit der Silvesternacht zu kämpfen haben. Nancy Schulz vom Salzwedeler Tierheim rät, die Tiere mit Fernseher oder Musik abzulenken. „Wir machen ein Radio an, damit die Tiere die Knallerei nicht hören“, sagt die Tierheimleiterin. Zusätzlich sollten noch die Jalousien heruntergelassen werden, besonders wenn die Tiere allein daheim sind. Wer Freigängerkatzen hat, sollte diese ins Haus holen und Hofhunde für die Nacht in den Stall sperren, empfiehlt sie.

„Das Knallen verschwindet langsam in Schweden, wegen Tier- und Umweltschützern“, sagt Torbjörn Lankowski (25). Der nach Schweden ausgewanderte Salzwedeler besucht über die Feiertage seine Großeltern. „Ich habe nichts gegen das Knallen. Sollte man es aber verbieten, würde ich mir eine Alternative wünschen, zum Beispiel eine Lichtershow“, schlägt er vor.

Jamie Leonie Pfennig (12) knallt hingegen gerne. Keine Böller, aber Bienen oder Knallerbsen. „Ich finde es toll, wie schön alles aussieht“, lobt sie die Lichter, die in der Silvesternacht den Nachthimmel erleuchten.

Ob mit viel Knallerei oder nur der Wunderkerze in der Hand, jeder feiert den Jahreswechsel auf seine Art. Nur eines gilt letztendlich: Vor- und Rücksicht, damit jeder gesund ins neue Jahr kommt.