Salzwedel l Ein Spaziergang im Klötzer Forst ist Balsam für die Seele. Überall beginnt es zu Grünen, die Vögel geben ein vielstimmiges Konzert, ansonsten herrscht Ruhe. Die Idylle täuscht darüber hinweg, dass es den Wäldern nach wie vor nicht gut geht. Bei genauerem Hinsehen lassen sich abgestorbe Fichten ausmachen. Ihre Rinde hängt nur noch lose am Stamm oder ist abgefallen. Wo sie noch dran ist lauert der Feind. Dort haben es sich die Borkenkäfer zum Überwintern gemütlich gemacht. Bei Fichten sind es Kupferstecher und Buchdrucker. Zudem hat im vergangenen Jahr der Lärchenborkenkäfer in den Beständen gewütet. Der milde Winter hat dafür gesorgt, dass sich die Schadinsekten gut entwickeln konnten. Ab einer Temperatur von 16 bis 22 Grad schwärmen sie aus und befallen die nächsten noch gesunden Bäume, erklärt der Leiter des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark, Helmut Jachalke.

In vielen Bereichen des Kreises leiden die Bäume noch immer unter Trockenstress. „Die Regenfälle im Herbst und Winter haben nur zu einer leichten Entspannung geführt“, schätzt der Fachmann ein. Tagesaktuelle Karten des Helmholtzinstituts zum pflanzenverfügbaren Wasser in rund 1,8 Metern Tiefe zeigen es deutlich. Rot eingezeichnete Gebiete bedeuten extreme und dunkelrote außergewöhnliche Dürre. In der Westaltmark ist vor allem der Süden von diesem Farben beherrscht. Viel besser sieht es im Norden und in der Mitte des Kreises aber auch nicht aus. Immerhin hat es dort, anders als im Süden, keine Sturmschäden gegeben.

Holz entnehmen

Weil sich 80 Prozent der Käferpopulation in abgestorbene Bäume zurückzieht, wäre es wichtig gewesen, alle befallenen Bäume zu entnehmen und das Holz aus den Wäldern abzufahren, erklärte der Forstamtsleiter. Das sei leider nicht in allen Bereichen gelungen. Die mit den Arbeiten beauftragte Firma sei beim Einschlag und Aufarbeiten des Schadholzes an ihre Kapazitätsgrenze gekommen.

Allerdings seien auch nicht die richtigen Schwerpunkte gesetzt und die Maschinen nicht immer zu den „Brennpunkten“ gelenkt worden. In zwei Revieren sei noch viel aufzuarbeiten und damit müsse zügig begonnen werden, um den Neubefall zu reduzieren. „Die Käfer sind da“, mahnt der Forstamtsleiter. Das befallene Material sei umgehend zu beseitigen.

Prekäre Situation

Besonders schlecht sieht es für die Fichten- und Lärchenbestände aus. Für sie könnte eine ähnlich prekäre Situation eintreten, wie schon in den beiden vorangegangenen Jahren. Die Selbstheilungskräfte der Bäume seien aufgrund des Wassermangels stark beeinträchtigt. Es sei zu hoffen, dass die nächsten Monate reichlich Niederschlag bringen, damit die Bäume ihre Vitalität zurückerlangen, betont er.

Was den Schädlingsbefall angehe, müssten die Waldbesitzer an Ball bleiben und vorbeugend tätig werden. Solange nur das Raupenstadium erreicht ist, könne noch mit Schälen und Insektiziden agiert werden. Sobald der Befall stärker wird, ist nur noch ein schnelles Entnehmen der betroffenen Bäume wirksam, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Erhöhte Waldbrandgefahr

Angesichts des trockenen, warmen und windigen Wetters bereitet auch die erhöhte Waldbrandgefahr Sorge. Momentan herrscht die Gefahrenstufe 3. Aufgrund der Vorhersagen der Meteorologen geht der Forstamtsleiter davon aus, dass sie zu Ostern auf die Stufe 4 erhöht wird.

Er appelliert an alle, die sich einen Osterspaziergang im Wald gönnen wollen, äußerste Vorsicht walten zu lassen. Momentan sei der Waldboden extrem trocken. Das alte überständige Gras sei vorherrschend, frisches Grün noch spärlich. Ein Brand würde sich rasend schnell ausbreiten. Rauchen ist in einem Abstand von 15 Metern zur Waldkante verboten, offenes Feuer muss mindestens 30 Meter entfernt sein. „Vor allem mit Zigaretten, sollte man jetzt sehr vorsichtig sein, in der Nähe zum Wald“, sagt er.

Ab der Gefahrenstufe 3 sind auch Gartenfeuer nicht mehr erlaubt, wie der Altmarkkreis mitteilt.