Energiewende

Fotovoltaikanlagen geplant: Dicke Wolken über Maxdorf

Wird um Maxdorf im Altmarkkreis Salzwedel ein großer Solarpark entstehen? Das zumindest möchten ein Investor und ein Landwirt aus der Region. Nein, sagen hingegen Anwohner des Ortes.

Von Alexander Rekow
Über dem beschaulichen Maxdorf braut sich was zusammen: Ein Investor möchte rund um den Flächen im Ort einen großen Solarpark errichten. Das aber passt vielen Anwohnern gar nicht.
Über dem beschaulichen Maxdorf braut sich was zusammen: Ein Investor möchte rund um den Flächen im Ort einen großen Solarpark errichten. Das aber passt vielen Anwohnern gar nicht. Foto: Alexander Rekow

Maxdorf. Wer dieser Tage in das beschauliche Maxdorf fährt, wird am Ortseingang von einem großen gelben Holzkreuz empfangen. „Ob Wind oder Sonne, Maxdorf ist keine schwarze Tonne“, steht darauf, und weiter: „Stoppt den Wahnsinn!“ Es ist der Protest von Einwohnern, die sich gegen das Vorhaben, einen großen Solarpark auf den Flächen um ihren Ort zu errichten, wehren. Mehr als 60 Prozent des Dorfes, welches zur Einheitsgemeinde Salzwedel zählt, hätten sich Anfang März bereits dagegen ausgesprochen, sagt Tobias Bierstedt. Er gehört zum Ortschaftsrat Mahlsdorf und hat den Frust der Anwohner bereits in den Bauausschuss der Hansestadt getragen. Gebracht hat es wenig, die Mitglieder des Gremiums haben das Projekt mehrheitlich durchgewunken. Obwohl der Dorffrieden, wie er seinerzeit sagte, aufgrund dessen gestört sei.

Und dass der Frust tief sitzt, ist wenige Tage vor der entscheidenden Stadtratssitzung am Mittwoch allgegenwärtig. Transparente hängen an den Häusern. Es ist noch einmal das große Aufbäumen eines kleinen Ortes, über dessen Kopf hinweg entschieden wurde. Denn der Ortschaftsrat in Mahlsdorf hatte sich bereits gegen den Bau ausgesprochen, wurde aber in den Salzwedeler Gremien überstimmt.

Das ist doch Wahnsinn!

Yvonne Bierstedt, Anwohnerin

„110 Hektar Fotovoltaikanlagen um einen 5-Hektar-Ort“: Das macht Yvonne Bierstedt, die Mutter von Tobias, sauer. Sie und weitere Anwohner machten ihren Ärger noch einmal Luft, um die Stadträte zum Umdenken zu bewegen.

Yvonne Bierstedt zeigt auf einen kleinen Verbindungsweg. „Der führt nach Liesten, dort lernen unsere Kinder Fahrrad fahren, wir gehen dort spazieren und die Menschen der Umgebung nutzen ihn für eine Radtour.“ Wenn erst die Anlagen da seien, gebe es keinen Ausblick mehr auf Felder und Wälder. Dann stehe dort ein Erdwall und ein Zaun mit Stacheldraht oben drauf, ärgert sie sich: „Das ist doch Wahnsinn!“

Den Worten von Landwirt Burkhard Thiede, auf dessen Flächen das Projekt realisiert werden soll, schenken sie keinen Glauben. Thiede erklärte den Mitgliedern des Bauausschusses, dass im dritten Dürrejahr auf den Flächen mit ohnehin schwacher Bonität nur noch geringe Erträge zu erwarten seien. „Es ist grün, die Felder sind bestellt“, so die Anwohner mit Blick auf das Umfeld. Sollten aber Fotovoltaik-Anlagen installiert sein, trockne der Boden endgültig aus und sei damit versiegelt. Der Boden sei nach 30 Jahren nicht besser, sondern schlechter.

Der Bauernverband erteilt derartigen Mega-Projekten eine klare Absage.

Marco Heide, Stadtrat (Die Linke)

„Nicht nur die Anwohner und der Ortschaftsrat lehnen mit klarer Mehrheit das Vorhaben ab. Auch der Landes-Bauernverband (BV), der wohlgemerkt die Interessen der Landwirte vertritt, erteilt derartigen Mega-Projekten eine klare Absage“, sagt Stadtrat Marco Heide (Die Linke), der sich gegen das Vorhaben ausspricht: „Der BV will keine Anlagen, die mehr als 20 Megawatt pro Jahr Strom produzieren.“ Die Anlage in Maxdorf produziere nach Beschlussvorlage 90 Megawatt und damit das 4,5-Fache. „Außerdem sagt der BV, dass nicht mehr als fünf Prozent der Gemarkung bebaut werden soll.“ Das bedeute, dass eine 88 Hektar große Anlage auf einer 17,6 Quadratkilometer großen Gemarkung errichtet werden dürfe. Maxdorf würde aber nur 4,78 Quadratkilometer messen. „88 Hektar sind etwa das Vierfache“, so Heide, der den übrigen Räten vor einer Entscheidung das Positionspapier des BV als Lektüre ans Herz legt.

Richtigstellung: In einer vorherigen Fassung ist ein Fehler unterlaufen. Dort wurden fälschlicherweise 88 Hektar in 8,8 km² umgerechnert. Das ist falsch. Korrekt sind 0,88 km². Wir bitten diesen Umrechnungsfehler zu entschuldigen.