Energiewende

Solarpark Maxdorf: Der Weg ist geebnet

Fotovoltaikanlagen bei Maxdorf: Dafür votierte der Salzwedeler Bauausschuss. Dem vorweg ging eine rund eineinhalbstündige und teils emotionale Debatte.

Von Alexander Rekow
Maxdorfer haben sich beim Salzwedeler Bauausschuss im Kulturhaus gegen Fotovoltaik-Anlagen nahe ihres Ortes stark gemacht. Foto: Alexander Rekow

Salzwedel. Eine Woche ist es her, als sich der Ortschaftsrat Mahlsdorf gegen einen Solarpark im benachbarten Maxdorf aussprach. Eben jene Entscheidung und eine ablehnende Haltung von Einwohnern sorgten im Bauausschuss bei manchem Stadtrat für Zweifel, ob dem Vorhaben zugestimmt werden sollte.

„Vielleicht finden wir heute die Antwort für eine Energiewende“, sagte Bürgermeisterin Sabine Blümel einleitend. Das sieht auch Bauausschussvorsitzende Sabine Danicke so, die im Gremium allen Beteiligten Rederecht einräumte und so für eine lange und intensive Diskussion, wie sie lange nicht mehr in einem Salzwedeler Ausschuss zu erleben war, sorgte. „Das ist gelebte Demokratie“, sollte ein Stadtrat im Anschluss der Sitzung sagen.

Die Maxdorfer wollen die blaue Fläche A aus dem Solarpark-Plan gestrichen wissen. Ohne geht es aber nicht, so der Hauptinvestor. Foto: Alexander Rekow

Gestörter Dorffrieden

Einer der Protagonisten des Abends war Hauptinvestor Andre Buß. In einer Präsentation verdeutlichte er, dass die 30-Hektar-Fläche A das Kernproblem sei. Ohne diese scheint das Gesamtvorhaben für Investoren wohl nicht wirtschaftlich. Die Anwohner aber, wie Tobias Bierstedt erklärte, wollen genau diese Fläche nicht für einen Solarpark hergeben. Sie sei schlichtweg zu dicht am Dorf. Schon heute sei der Dorffrieden aufgrund der Diskussion gestört. Außerdem, so steht es auf einem Transparent im Saal, seien Ackerland und Wiese das Kapital des Altmarkkreises.

„Das wurde doch zum Teil nur als Brachfläche genutzt“, so der gelernte Landwirt Buß. Und baldige Besserung könne er nicht für den sandigen Boden erkennen. Der Klimawandel mache es nicht besser. Mit dem Strom aber, der auf der Fläche erzeugt werde, würden 240 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden können.

Außerdem sei auf die Kritik der Einwohner im Vorfeld eingegangen worden. So soll beispielsweise ein begrünter Erdwall die Sicht auf den Solarpark verdecken. „Da sieht man nichts mehr von“, versichert der Investor den Anwesenden. „Wir sparen so wahnsinnig viel CO2“. Auch eine E-Ladesäule vor Ort soll den grünen Gedanken künftig untermauern.

Sieben Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen

„Der Gemeinde entstehen keine Kosten“, erinnerte Landwirt Burkhard Thiede, auf dessen Flächen unter anderem der Solarpark entstehen soll. Im Gegenteil, die Anlage spüle über Gewerbesteuern in einem Zeitraum von 30 Jahre etwa sieben Millionen Euro in die klamme Stadtkasse. „Können wir darauf verzichten?“, fragte Burkhard Thiede in die Runde. Das Argument, auf den Flächen sei Landwirtschaft möglich, dementierte der Landwirt. Im dritten Dürrejahr auf den Flächen mit ohnehin schwacher Bonität seien nur geringe Erträge zu erwarten. „Wir können wegen 20 Leuten nicht über 20.000 entscheiden“, mahnte Thiede.

Sabine Blümel indes erinnerte, dass an diesem Abend einzig ein Aufstellungsbeschluss zu fassen ist und noch nicht Nägel mit Köpfen gemacht werden. Auf dem Weg zum Solarpark würden alle Meinungen dazu nochmals gehört. „In eineinhalb Jahren muss dann der Stadtrat darüber entscheiden.“ Die Bürgermeisterin verdeutlichte in diesem Zusammenhang, dass erneuerbare Energien das Ziel sein müssen. Nach Atom- und Kohleausstieg sei das ein Kompromiss.

Nicht alle Stadträte ließen sich aber überzeugen. Marco Heide (Die Linke) pochte auf die Entscheidung in Mahlsdorf. „Ich finde das Projekt gut, aber wir haben ein Votum aus dem Ortschaftsrat.“ Außerdem seien die Anwohner dagegen.

Kompromisse finden

Das sehen nicht alle so. „Kompromisse müssen möglich sein“, so Karl-Heinz Schliekau (CDU), „die Industrie steht nicht gerade Schlange bei uns.“ So lasse sich nun die Energiewende vorantreiben. Das bekräftigte auch Norbert Hundt (SPD). Dass Solarparks nicht stören, meinte indes Wolfgang Kappler (Land bis Stadt). In seiner Gemeinde in Chüttlitz könne sich jeder davon überzeugen.

Im Ergebnis votierten nur Marco Heide und Roland Karsch (AfD) gegen das Vorhaben. Damit ist der Weg hin zu einen Solarpark in Maxdorf in einem ersten Schritt geebnet.