Diesdorf l „Mein Vater war auch Lehrer, in Zeiten, als es den Rohrstock noch gab“, erzählt Brigitte Schmidt aus Böddenstedt, als sie am Pfingstsonntag mit ihrer Familie an der alten Schule im Freilichtmuseum Diesdorf steht. Aber er sei gutmütig gewesen, fügt sie lächelnd hinzu: Die Kinder hätten sich ein Buch vor den Po gesteckt und er darüber gestreichelt. Enkelin Vivien Helm entdeckt beim Blick in das Gebäude gleich besagten Rohrstock und andere Utensilien aus der Schulzeit von einst. „Ich bin froh, dass es das heute nicht mehr gibt“, merkt Eric Helm, der Sohn der Böddenstedterin, an. Denn er ist selbst Lehrer.

„Wir wollten unbedingt zu Pfingsten einen Ausflug machen. Da haben wir uns Diesdorf ausgesucht“, schildert Brigitte Schmidt. Sie finde es gut, dass das Freilichtmuseum Diesdorf wieder besucht werden könne und auch Blicke in einige Häuser möglich seien.

Rückkehr nach 23 Jahren

Regine und Peter Hahndorf aus Stendal schlendern entspannt durch die Geschichte. „Vor 23 Jahren war ich das letzte Mal hier. Es ist richtig schön geworden“, urteilt er. Denn seitdem habe sich einiges verändert. Den Entschluss für den Pfingstausflug hatte das Ehepaar beim Frühstück gefasst: Das Wetter sei gut, also auf zum Erkunden. „Wir genießen es hier, es ist schön ruhig“, sagt Regine Hahndorf und fügt hinzu, dass sie nicht in diese Richtung gefahren wären, wenn ein Fest stattgefunden hätte. Dass jetzt auch eine Kirche im Freilichtmuseum aufgebaut werde, davon hat der Stendaler gelesen. „Aber dass die Arbeiten schon so weit sind, das hätten wir nicht gedacht“, sagt Peter Handorf anerkennend. Das Stendaler Ehepaar hat sich fest vorgenommen, mit Freunden noch einmal wiederzukommen: Dann soll die fertige Kirche bestaunt werden.

Bilder

Dass in der Altmark der Hopfenanbau auch eine Rolle gespielt hat, das überrascht Ruth Sumfleth schon. „Ich stamme aus einem Anbaugebiet am Bodensee“, erzählt sie. Dann liest sie das Schild an der Hopfendarre zu Ende. „Wir machen eine Rundreise auf der Straße der Romanik“, fügt ihr Mann Theis Sumfleth hinzu. Die Klosterkirche in Diesdorf sei beeindruckend gewesen. Als die beiden gelesen haben, dass es in dem Ort auch ein Freilichtmuseum gibt, seien sie neugierig geworden. Und sie haben den Abstecher nicht bereut. „Diese Hausstile gibt es bei uns nicht“, zeigt sich der Norddeutsche begeistert, der im Alten Land nahe Hamburg zu Hause ist. „Wenn nicht so viele Leute unterwegs sind, kann man alles viel intensiver erleben und auf sich wirken lassen“, fügt seine Frau hinzu. Wissbegierig erkunden sie das gesamte Areal, schauen sich um, lesen die Informationen. Sie haben sich fest vorgenommen, später zurückzukehren, um auch das Innere der Häuser erkunden zu können.

Gesprächsangebot für Gäste

„Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“, fragt Museumsmitarbeiterin Gisela Behrens die Gäste, die am Nachmittag des Pfingstsonntags unterwegs sind, am Vissumer Torhaus. „Ich bin überrascht, wie viele es sind, so 60, 70 bestimmt“, merkt sie an. Gisela Behrens weist den Besuchern gern den Weg zur Kirche, die momentan wieder aufgebaut wird. „Ein Gast fragte mich, ob daneben ein zweites Haus entstehe. Eine Mauer sei ja bereits da“, erzählt sie schmunzelnd eine Episode. Dann klärt die einstige Lehrerin gern auf, dass das die Mauer für den künftigen Pfarrgarten ist. Und sie rät den Besuchern, sich die Inschriften an den historischen Gebäuden genauer anzusehen. Denn auch diese erzählen über die Vergangenheit. Die Häuser seien aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht zugänglich. Aber es werde versucht, einige Türen etwas zu öffnen, damit Einblicke von außen möglich sind.

„Wir wollten uns mal ein ursprüngliches Dorf ansehen“, sagt Ivo Wilke aus Rostock, der mit seiner Frau Inken sowie den in der Nähe von Osterburg lebenden Eltern unterwegs ist. Für ihn sei es der erste Besuch im Freilichtmuseum. Das zu erhalten, bedeute bestimmt ganz viel Aufwand und viel ehrenamtliche Mitarbeit. „In der derzeitigen Zeit ist es für uns in Ordnung, wie hier die Einblicke möglich sind. Dafür ist der Eintritt kostenlos“, meint Ivo Wilke, fügt aber nachdenklich hinzu: „Eigentlich könnte man auch einen kleinen Obolus bezahlen. Damit das Angebot richtig gewertschätzt wird.“ Denn die Einnahmen würden sicher im Jahreslauf irgendwie fehlen.

Doch nicht jeder, der am Sonntag im Museum unterwegs ist, ist glücklich. „Wir wollten mit unseren Enkeln den Spielplatz nutzen. Aber die Pumpe funktioniert nicht, es kommt kein Wasser“, sagt ein enttäuschter Einheimischer. Zudem missfalle ihm, dass die modernen Elektrokästen so offensichtlich auf dem historischen Gelände aufgebaut werden. Er hoffe, dass noch etwas getan werde, damit diese nicht sofort ins Auge fallen.