Salzwedel  l „Voll das Leben“: Unter diesem Motto wollen die Mitglieder des Salzwedeler Hospizvereins am 13. Oktober das 15-jährige Bestehen feiern. Geplant sind ein Empfang im Kunsthaus und ein Konzert der Band „Spanish Mode“. Der 13. Oktober wurde nicht von ungefähr für die Geburtstagsfeier ausgewählt: Dieser besondere Sonnabend ist zugleich der Welthospiztag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Weil Du wichtig bist!“ steht.

Denn der eigentliche Geburtstag des Salzwedeler Hospizvereins ist der 4. Februar 2003. Bis dahin hatte es in Salzwedel eine Hospizgruppe gegeben, die Interessenten an der Hospizbewegung an diesem Wintertag in einen eingetragenen Verein umwandelten.

Gastfreundschaft

„Der ursprüngliche Hospizgedanke reicht bis in das 4. Jahrhundert zurück“, erläutert Gründungsmitglied Helga Nelke den Hintergrund. Entlang der Pilgerrouten in Europa gab es Hospize, Herbergen, die sowohl gesunden als auch kranken Menschen Gastfreundschaft boten. Im Laufe der Jahrzehnte wandelten sich die Hospize zu Orten, in denen vorrangig kranke Menschen gepflegt wurden. „An diese Herbergen knüpft die moderne Hospizbewegung symbolisch an, indem sie sich der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen widmet. Sie sollen an ihrem Lebensende in Würde Abschied nehmen können“, sagt Helga Nelke.

Bilder

Das erste moderne Hospiz wurde 1967 in London von Dr. Cicely Saunders gegründet. Und wie kam es zur Etablierung des Hospizvereins in Salzwedel? In den neuen Bundesländern sei die Hospizbewegung erst nach der Wiedervereinigung bekannt geworden. „Erste neugierige Interessenten aus Salzwedel nutzten unabhängig voneinander die Möglichkeit, im neu entstandenen Stendaler Hospiz eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizhelfer zu machen“, erzählt Helga Nelke weiter. Und per Zufall fanden die westaltmärkischen Hospizhelfer dann zueinander. Sylvia Hoffmann, Helga Nelke, Torsten Liedtke und Sabine Spangenberg riefen zunächst mit Unterstützung von Edgar Sonnenberg vom Hospizverein Lüchow-Dannenberg eine Arbeitsgruppe ins Leben. „Wir haben geprüft, geplant und organisiert, damit die Hospizbewegung auch in Salzwedel Fuß fassen konnte“, blickt Helga Nelke zurück. Am 4. Februar war es dann soweit: 16 Gründungsmitglieder hoben den Salzwedeler Hospizverein aus der Taufe. „Wir möchten Mut machen, Sterben und Tod als Teil des Lebens anzusehen“, sagt Helga Nelke. Die ehrenamtlichen Mitglieder bieten Begleitung in der letzten Lebensphase und für die Angehörigen Beistand in der Trauerphase an.

Jetzt 54 Mitglieder

Inzwischen ist die Mitgliederzahl auf 54 gestiegen. Der Verein verfügt auch über ein eigenes Büro im Ärztehaus in Salzwedel, Karl-Marx-Straße 30, wo jeweils donnerstags von 15 bis 18 Uhr eine Sprechzeit angeboten wird. Schwerkranke oder deren Angehörige nutzen die Sprechzeit oder nehmen telefonisch Kontakt mit dem Verein auf. Im Gespräch werde ermittelt, welche Wünsche und Bedürfnisse die Schwerkranken haben, ein Koordinator findet anschließend den jeweiligen Hospizhelfer.

„Unsere Begleiter können sich Zeit nehmen, zuhören, Trauer und Verzweiflung ertragen“, sagt Helga Nelke. Für den Hilfesuchenden ist die Begleitung kostenfrei. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Trauergruppe, die Angehörigen und Hinterbliebenen Gesprächsmöglichkeiten anbietet.

Für die Begleitung müssen die Hospizhelfer eine Ausbildung absolvieren. Darüber hinaus werden laufend Weiterbildungen und Supervisionen angeboten. „Das ist nur möglich, weil einzelne Menschen, Institutionen und Firmen den Verein moralisch und finanziell unterstützen“, bedankt sich Helga Nelke. Weiter Mitglieder, die sich für die Hospizbewegung engagieren wollen, sind herzlich willkommen.