Salzwedel l „Ja, ich habe am 24. Dezember Geburtstag, an Heiligabend.“ Jedes Mal, wenn ich diesen Satz sage, ist die Reaktion meiner Gesprächspartner gleich: „Och, dann bist du ja ein Christkind.“ Und unweigerlich darauf folgt die These aller Thesen: „Dann bekommst du ja nur einmal im Jahr Geschenke!“

Doch bevor alle in Mitleid versinken, versuche ich die Situation zu retten. Also erzähle ich, dass dafür die doppelte Anzahl an Geschenken unter unserem Tannenbaum steht. Morgens zum Geburtstag und abends zur Bescherung an Weihnachten. So haben es meine Eltern erklärt, und irgendwann begann auch ich, es mir einzureden. Aber ganz abgesehen davon hat der Geburtstag an Heiligabend noch ganz andere Vor- und Nachteile: Super ist, dass ich an meinem Geburtstag stets frei hatte, was hoffentlich auch in Zukunft so bleibt. Und da sich die Familie ohnehin an den Feiertagen trifft, konnte ich da regelmäßig erfolgreich absahnen.

Fete planen ist schwierig

Nicht so praktisch dagegen gestaltet sich die Tatsache, dass viele meiner Freunde – inklusive mir – häufig keine Zeit für eine richtige Geburtstagsfeier hatten. Erst kamen die Feiertage, dann die Ferien, an denen es viele in den Urlaub verschlug. Und wenn die Schule wieder begann, war der Geburtstag schon wieder zwei Wochen her. Dennoch haben wir es meistens irgendwie hinbekommen.

Mir folgten an meiner Geburt noch acht weitere Christkinder im Krankenhaus, es waren alles Jungen. Einen davon habe ich in der Schule wiedergetroffen. Auch heute noch sind wir gute Freunde. Das obligatorische „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und frohe Weihnachten“, „Danke, gleichfalls“ darf bis heute an keinem Heiligabend fehlen.

Mein 24. Dezember läuft – seit ich denken kann – ziemlich gleich ab. Früh morgens stehe ich auf, weil ich vor Aufregung ohnehin kaum schlafen kann. Unten im Wohnzimmer stehen seit jeher schon alle Geburtstagsgeschenke bereit, Eltern, Bruder und Hund waren natürlich auch schon wach. Zwischen Kuchen, Luftballons und vier brennenden Adventskerzen reiße ich erst die großen, dann die kleinen Präsente auf.

Weihnachtsmann ist bester Freund

Manchmal konnte es passieren, dass ein Teil des Geschenkes für den Geburtstag, der andere Teil für Weihnachten gedacht war. Beispielsweise bei einem Lego-Wikingerschiff. Das bekam ich morgens, erst abends folgte die dazugehörige Festung. Besonders schlimm war es, als ich mir einen Computer wünschte und morgens nur den Bildschirm bekam. Dann habe ich meine Eltern so lange bearbeitet, bis der Weihnachtsmann eben schon um 15 statt erst um 17 Uhr vorbeikam.

Auf den Weihnachtsmann ist nämlich immer Verlass, er ist mein bester Freund. Mich hat damals nicht der Storch gebracht, sondern eben der bärtige Mann im roten Anzug. Und obwohl er an einem Tag die Welt bereisen muss, schafft er es jedes Jahr, meinen Geburtstag doppelt so schön zu machen.

Wenn ich also gefragt werde, ob ich mich mehr auf meinen Geburtstag oder die weihnachtliche Bescherung freue, lautet meine Antwort: Beide Feste gehören einfach zusammen. Ich freue mich auf den ganzen Tag. Alle Freunde und Verwandte melden sich. Denn so ein markantes Geburtstagsdatum vergisst wirklich niemand.