Salzwedel l Direkt zu Beginn der Verhandlung am Salzwedeler Amtsgericht gegen einen 23-jährigen Afghanen aus der Hansestadt bremste Richter Klaus Hüttermann die Sitzung kurz aus. „Ich gebe ihnen jetzt fünf Minuten Zeit, sich mit ihrem Anwalt zu besprechen“, wendete er sich an den Angeklagten, dem von der Staatsanwaltschaft der Handel mit Betäubungsmitteln in zwei Fällen vorgeworfen wird. Er soll am 5. September 2018 zwei Jugendlichen – die beiden heute 17-Jährigen sagten später als Zeugen aus – im Salzwedeler Burggarten wenige Gramm Marihuana für 20 Euro verkauft haben.

Diesen Vorwurf bestritt der Angeklagte zunächst. „Ich habe keine Drogen verkauft“, übersetzte ein Dolmetscher die Aussage des 23-Jährigen aus dem Persischen. Danach schritt Hüttermann als Vorsitzender Richter des tagenden Schöffengerichtes ein. Er erläuterte, dass es in dem Verfahren auch darum gehe, ob es sich nur um einen minderschweren Fall handele, für den ein Strafmaß von weniger als einem Jahr auf Bewährung möglich sei, oder „ob sie in Salzwedel als der Drogendealer bekannt sind, der im Burggarten an Kinder verkauft. Dann können sie das vergessen“, wurde Hüttermann deutlich.

Nach der kurzen Pause gestand der Angeklagte die Anschuldigungen dann auch teilweise ein. Er erklärte jedoch, die Drogen, einmal zwei Gramm und einmal ein Gramm, die ein Kumpel besorgt habe, nur weitergegeben zu haben. Das Geld dafür hatte er aber dennoch angenommen.

Die zwei Zeugen, die mutmaßlich bei dem Angeklagten das sogenannte Gras gekauft hatten, erwiesen sich mit ihren Aussagen als keine große Hilfen bei der Wahrheitsfindung. Einer der beiden Auszubildenden musste während der Verhandlung von Polizeibeamten aus dem Unterricht an den Berufsschule geholt werden. „Ich hab den Termin vergessen“, meinte er.

Danach widerrief er seine Aussage, die er 2018 gegenüber der Polizei getätigt hatte. Damals hatte er den Drogenkauf im Burggarten zugegeben. „Ich habe gelogen“, sagte er nun. Kontakt zum Angeklagten hätte er nie gehabt. „Haben sie ihn als Dealer denn gekannt?“, bohrte Hüttermann nach. „Ja“, gestand der 17-Jährige. „Ich habe viel Verständnis für Unsicherheit, aber kein Verständnis für Lügen“, ärgerte sich der Richter und schenkte der neuerlichen Aussage des jungen Mannes nicht wirklich Glauben. Später erinnerte er den Zeugen noch einmal an seine Aussage bei der Polizei. Damals hatte der Jugendliche zugegeben, jeden Tag drei Gramm geraucht zu haben. „Sie sind ein Profi“, attestierte ihm der Richter. Zudem wussten beide Jugendlichen genau, wo es in Salzwedel Drogen zu kaufen gibt. Bahnhof, Birkenwäldchen und Burggarten nannten beide.

Zuvor hatte sein ehemaliger Kumpel den Drogenkauf erst nach längerer Befragung durch Richter und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zugegeben. „Warum eiern Sie hier so rum?“, fragte letztere deutlich. Erst dann nannte der Zeuge den Spitznamen des Angeklagten als Verkäufer des Marihuanas.

Der Verkäufer ist indes schon polizeibekannt, wie zwei Beamte als weitere Zeugen bestätigen konnten. Er war selbst als Konsument aufgefallen.

Im Anschluss erörterte der Richter kurz die Möglichkeit der Einstellung des Verfahrens. Dem widersprach die Vertretern der Staatsanwaltschaft, weil ein Verbrechenstatbestand vorliege. So wird der Prozess mit weiteren Zeugenbefragungen am kommenden Dienstag, 28. Januar, ab 9 Uhr im Saal des Amtsgerichtes fortgesetzt.