Salzwedel l Mit Handschellen ins Gericht und ohne wieder raus: So hat ein Einbruch samt Diebstahl für einen Mann aus dem Raum Kalbe geendet. Straffrei blieb er aber nicht.

Aus JVA in den Gerichtssaal

In der Nacht vom 18. auf den 19. Juni soll ein 39-Jähriger in das Wohnhaus der eigenen Großmutter eingebrochen sein und sie bestohlen haben, wirft der Vertreter der Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor. Dieser wurde gestern kurz zuvor mit Handschellen aus einer Justizvollzugsanstalt in das Amtsgericht Salzwedel gebracht. Unter dem Diebesgut: 1100 Euro Bargeld, das Auto der Großmutter, eine Flasche Whisky, eine Kiste Mineralwasser und Lebensmittel, so die Staatsanwaltschaft weiter.

„Im Prinzip stimmt das“, räumt der in sich gekehrte Angeklagte ein. Er sei mit einem Fahrrad in Schwerin gewesen und hätte danach nur seine Oma besuchen wollen. Mit dem Rest der Familie habe er gebrochen, nur eben mit der Großmutter nicht. Und da er sich die mecklenburgische Landeshauptstadt als neuen Wohnort auserkoren habe, hätte er sich bei ihr verabschieden wollen.

Im Wohnort der Großmutter angekommen, habe er „nur mal rumschauen“ wollen. „Sie haben die Scheibe des Kellerfensters rausgeschoben“, erinnerte Richter Klaus Hüttermann. Und „ich besuche meine Verwandtschaft anders“, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

In Bayern gestellt

Dass es ein Einbruch war, habe er selbst nicht so em- pfunden, erzählt der 39-Jährige und er wisse nicht, warum er es tat. Der Autoschlüssel habe am Brett gehangen und er wollte „einfach mal rumfahren“ – ohne Fahrerlaubnis. Und aus dem einfach mal Rumfahren wurde schließlich eine einwöchige Reise. Und diese endete nicht in Schwerin, sondern Garmisch-Partenkichen. „Es hat mich gewurmt, dass ich das tat“, sagt er.

„Ich bin am 19. Juni früh um 7 Uhr aufgestanden und habe die Unordnung gesehen, offene Schubladen und dass das Auto fehlt“, erinnert sich die 84-Jährige – zudem Lebensmittel aus dem Keller. „Da habe ich gleich die Polizei gerufen.“ Die Beamten nahmen daraufhin die Spuren auf und wurden fündig. „An einem Bockwurstglas waren Fingerabdrücke“, erklärte Richter Klaus Hüttermann.

Wenig später war klar: Es war der eigene Enkel. Dabei hätten sie stets ein gutes Verhältnis gehabt, so die Seniorin. Die 84-Jährige vermutet, dass ihr Enkel zum Tatzeitpunkt unter Drogen stand.

„Was geht in Ihnen vor, wenn Ihre 84-jährige Oma auf dem Zeugenstuhl sitzt?“, will der Richter wissen. „Verdient hat sie es nicht“, flüstert der 39-Jährige, dessen Blicke häufig ins Leere schauen.

Bewährungsstrafe

Dass der Angeklagte dem Richter bestens bekannt ist, wie er eingangs der Verhandlung sagte, wird mit Blick auf sein Strafregister deutlich. Zwölf Eintragungen finden sich dort. Mehrfach Trunkenheit im Verkehr, Erwerb und Besitz von Waffen, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und Verwendung von verfassungsfeindlichen Symbolen. Einbruch und Diebstahl war demnach Neuland, was dem Angeklagten zu Gute kam. Und da er seit dem 23. Juni in Untersuchungshaft saß, 900 Euro des gestohlenen Geldes im Auto lag und zurückgegeben werden konnte und er geständig war, forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt und 100 Arbeitsstunden für die Gesellschaft. Außerdem die verbleibenden 100 Euro an die Großmutter zurückzuzahlen.

Dem folgte Richter Klaus Hüttermann, befreite den Mann von seiner Untersuchungshaft und mahnte: „Sie wissen nun, was Ihnen in Haft blüht.“