Salzwedel l Mit der Corona-Pandemie setzen viele Deutsche vermehrt auf Urlaub im Inland. Dazu gehören auch Camper, die mit Wohnmobilen das Land erkunden. „Salzwedel liegt auf unserer Route“, sagt ein Rentner-Pärchen aus Potsdam-Mittelmark, es will weiter zur Nordsee. Für etwas Abwechslung auf der Tour machen sie Station in Salzwedel. Doch am Stellplatz für Campingfahrzeuge am Freibad steht auf einem Zettel in großen Lettern: „Die Wohnmobilstellplätze bleiben bis auf Weiteres aufgrund der Corona-Pandemie gesperrt.“

Also wohin mit ihrem Fahrzeug? „Wir haben dann die Wiese neben der Skateanlage entdeckt.“ Also richteten sich beide kurzerhand dort ein. Warum der Platz gesperrt ist, erschließt sich ihnen aber nicht. „Überall sind die Plätze offen.“ Außerdem hätten sie dann wenigstens einen Hinweis auf Sperrung des Areals auf der Homepage der Stadt erwartet.

Neuen Platz gesucht

Wenige Meter weiter, auf dem eigentlichen Campingstellplatz, stehen (illegal) zwei Wohnmobile. Eines aus dem Havelland, ein anderes aus Ostholstein. Während das Mobil aus dem Havelland sich auf eine der gesperrten Flächen stellte, parkte das andere auf einer kleinen Wiese daneben.

„Wir haben im Freibad nachgefragt, das geht wohl in Ordnung“, sagt die junge Frau aus dem Havelland. Sie ist mit ihrem Mann und ihrem Sohn auf Reise. Auch sie haben sich vorher auf der Internetseite der Stadt informiert und keinen Verweis auf eine Sperrung gefunden. „Warum auch? In unserem Wohnmobil sind wir ja ohnehin in Quarantäne und stören auch keinen.“

Urlauber geben Geld aus

Gleiches sagt auch das Rentner-Pärchen aus Ostholstein. Dass der Platz gesperrt ist, ist für sie nicht nachvollziehbar: „Wir sind viel unterwegs, überall sind die Plätze geöffnet.“

Da sie nun einmal stehen, bleiben sie auch zwei Nächte. „Wir sind am Tag durch die Stadt gelaufen, waren Kaffee trinken und etwas einkaufen.“ Summa summarum hätten sie an dem Tag 70 Euro in Salzwedel gelassen. „Wir können nicht verstehen, dass eine Stadt sich das entgehen lässt.“ Aus Erfahrung würden sie wissen, dass gerade die älteren Camper zumeist sehr solvent seien und ihr Geld entsprechend in den Innenstädten lassen. „Man muss ja einkaufen. Lebensmittel, Getränke, Souvenirs und was sonst noch gebraucht wird.“ Daher würden sie sich wünschen, dass die Stadt Camper-freundlicher werde. „Dazu gehört auch, dass die Kassetten für Fäkalien vernünftig entsorgt werden können.“ Das würde in Salzwedel mit dem Rost über dem Ablauf und dem kurzen Schlauch für Wasser nicht funktionieren. „Ich kann Ihnen nur raten, kümmern Sie sich in Ihrer Stadt um den Platz. Das ist bares Geld wert.“

Sanitäre Anlagen werden saniert

„Derzeit werden die sanitären Anlagen des Stellplatzes saniert, sodass noch keine Öffnung erfolgen kann“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Daher mögen sich Camper an die Tourist-Information wenden, so Köhler. Dort würde man den Reisenden Alternativen in umliegenden Orten zeigen.

Zur Kritik der Camper zum fehlenden Hinweis der Sperrung sagt Köhler, es sei eine Information auf der Internetseite der Stadt veröffentlich worden. Doch wer auf diese klickt und in der Rubrik „Übernachtungen“ auf den Caravanstellplatz stößt, liest nichts davon.