Diesdorf l „Ein schöner Ort. Nette Menschen. Entspannung. Zeit. Frieden. Handwerk“: Diese Worte fallen Enrico Genz ein, als er gefragt wird, warum er beim Archaikon im Freilichtmuseum Diesdorf dabei ist. Dem ehemaligen Gardelegener, der heute in Sanne bei Stendal zu Hause ist, haben es Löffel angetan, speziell die aus Holz. „80 Prozent der Arbeit erfolgen mit dem Beil. Dann kommen 20 Prozent Feinarbeit mit dem Messer“, beschreibt er und bereitet ein Stück Pflaumenholz auf die künftige Verwendung vor. Dann sucht Enrico Genz bei seinen Handwerkskollegen nach einer anderen Holzart. Denn der Griff am Museums-Webstuhl ist abgebrochen. „Wir wollen gern beim Reparieren helfen“, schildert er.

Organisator Alexander Heß verweist am Sonntag auf zwei sehr gut besuchte Seminare zum Ziehpferd- und Bogenbau, die im Vorfeld auf dem historischen Areal stattgefunden haben. „Im Oktober gibt es dann den zweiten Teil. Dann werden die Bogen fertig getillert. Das bedeutet, dass ein Zehntel Millimeter abgeschabt wird, um das optimale Zuggewicht herzustellen“, beschreibt er.

Ein Hilfsmittel fürs Schalen-Herstellen

Doch bevor es so weit ist, wollen die Teilnehmer den Besuchern ihre Handwerkskunst präsentieren. Jörn Rau aus Kamen bei Dortmund hat wohl das größte Hilfsmittel gebaut: eine Schalenschnitzbank. „Hier kann ich das Holz einspannen, aus dem ich eine Schale fertigen will“, beschreibt der 24-Jährige, wie das Gerät künftig genutzt werden soll. Er habe vor zwei Jahren angefangen, mit Grünholz zu arbeiten, aus diesem erst Löffel und dann Schalen herzustellen. Doch mit dem sogenannten Ziehpferd sei das Einspannen nicht so optimal gewesen. „Diese Schnitzbank hilft mir da mehr“, ist er stolz auf das fast fertige Ergebnis. Das Arbeiten mit Gleichgesinnten sei für ihn sehr inspirierend. Und auch das richtige Umfeld, um „solch ein verrücktes Projekt anzugehen“, sagt Jörn Rau schmunzelnd. Er fügt hinzu: „Diesdorf ist schon ein schönes Fleckchen. Ich komme nächstes Jahr bestimmt wieder.“

Bilder

Auch Uwe Gerlach aus der Nähe von Berlin hat es erneut in die Altmark gezogen: „Es ist interessant zu gucken, was andere geschaffen haben und wie man sich selbst weiterentwickelt hat.“ Auch eine Rückkopplung zur eigenen Arbeit sei ihm wichtig. Und man bekomme den Kopf mal so richtig frei.

Leinengarn-Verbrauch gestiegen

Er habe beobachtet, dass die Leute wieder mehr an Handgearbeitetem interessiert seien. „Mein Leinengarn-Verbrauch ist extrem angestiegen“, fügt er mit Blick auf seine Pfeile hinzu. Da gehe es komplett zur Natur zurück: Verwendet würden hitzebegradigte Haselnussstecken, Krähen- und Entenfedern, grobes Leinengarn, beschreibt er. „Wir durften sogar drei Exponate fürs Ringheiligtum Pömmelte herstellen. Alexander Heß hat die Bögen gemacht, ich die Pfeile dazu. Die Kunst war es, alles so aussehen zu lassen, als wenn es schon benutzt wäre“, schildert Uwe Gerlach eine Herausforderung.

Museumsschmied Manfred Heiser hat seine Wikingerschmiede aufgebaut. Nebenan kann das selbst gefertigte Wikingerbett bewundert werden: 384 Freizeitstunden und 1500 Ziernägel würden darin stecken, erzählt er. „Da habe ich die Nacht auch drin geschlafen“, sagt er und beantwortet damit die neugierige Frage von Holger Petersen und Maria Ramos, die aus Lüneburg angereist sind. „Das ist unser erster Besuch. Das Archaikon hat uns her gelockt“, sagt der junge Mann.

Auch die Mitmach-Angebote kommen gut an. Gerhard Mollik aus Lüder hat den Dreh an der Wippdrechselbank bald raus. Gern zeigt er Kindern, wie es funktioniert. Auch Alexander Heß beantwortet Fragen gern. „Wir fühlen uns richtig wohl hier. Die Atmosphäre ist sehr schön. Und es gibt eine prima Zusammenarbeit mit dem Museum“, lobt er.