Salzwedel l „Das Lernen zu Hause fällt unserem Jungen immer schwerer“, erzählt ein Vater im Gespräch mit der Volksstimme. Die Rede ist von einem Erstklässler aus der Grundschule in Pretzier, der wie andere Schüler Unterrichtsstoff in den eigenen vier Wänden erarbeiten muss. Doch einfach sei das schon lange nicht mehr. Oftmals ende die Übung nach kurzer Zeit mit tränenden Augen. Sowohl Kind als auch Eltern treten auf der Stelle. „Für ein so junges Kind ist das alles kaum greifbar“, sagt der Vater mit Verweis auf die angespannte Situation während der Corona-Pandemie. Kein Besuch auf dem geliebten Spielplatz, kein Fußballspiel mit Freunden. Die Schule, wo der Lieblingslehrer wartet, ist verschlossen. „Da resigniert ein Kind schon mal“, so der Vater. Daher habe er in einer WhatsApp-Gruppe mit weiteren Eltern die Idee eingestreut, die Schüler mit Videobotschaften der Lehrer zu motivieren. „Die Klassenlehrer könnten sich so wenigstens einmal in der Woche an ihre Schützlinge wenden, Aufgaben erklären und vor allem Mut zusprechen“, findet der Vater. Er wisse aus seinem Umfeld, dass viele Eltern Probleme mit dem Unterricht zu Hause hätten und sich mehr Unterstützung von den Grundschulen wünschen. „Eigentlich müssten die Lehrer ja Zeit dafür haben“, mutmaßt der Mann.

Bedenken bei Datenschutz

„Videos lassen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nicht zu“, ist sich Sabine Just, Schulleiterin der Grundschule in Pretzier, sicher. Abgesehen davon habe die Bildungseinrichtung auch nicht die entsprechende Technik. Und eigentlich laufe der Unterricht zu Hause bei ihren Schützlingen gut, sagt sie, „die Eltern sind sehr vorbildlich.“

Bevor der Hausunterricht für die 91 Schüler in Pretzier begonnen habe, sei mit allen Eltern Kontakt aufgenommen und die Vorgehensweise besprochen worden. Sprich: welche Aufgaben in Deutsch, Mathematik und Sachkunde abzuarbeiten seien. Bei Fragen stünden die Lehrer telefonisch zur Verfügung. Schüler der vierten Klasse hätten dieses Angebot erst kürzlich genutzt, „um mal mit der Klassenlehrerin zu plaudern“.

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Probleme mit Internet

Videobotschaften, das kann sich Schulleiterin Angela Ritter-Hundt von der Perver Grundschule gut vorstellen. Es gibt nur ein Problem: das Internet. „Wir waren drei bis vier Wochen nicht am Netz.“ Und das während der Pandemie, wo wichtige Informationen an Eltern und Schüler gestreut werden mussten. So sei Material auf dem Postweg verschickt oder von Lehrern und Eltern selbstständig in die Briefkästen gesteckt worden.

Zurück zu den Videobotschaften. Dabei sieht Ritter-Hundt einen entscheidenden Haken: Nicht alle Eltern verfügen über ein entsprechendes Endgerät, um die Videos abzuspielen. „Es hat auch nicht jeder eine E-Mail-Adresse angegeben.“ Wenn die Perver Grundschule nicht alle erreichen könne, würde sie wegen der Gleichberechtigung darauf verzichten. Dass die Eltern mit Problemen konfrontiert sind, weiß die Schulleiterin. „Es ist schwierig und für die Eltern derzeit nicht einfach.“

Online-Datenspeicher

Mittlerweile würde das Material für die Kinder der Perver Grundschule in der „emuCloud“, einem sicheren Online-Datenspeicher des Bildungsministeriums, bereitgestellt. Auch der eigene Internetauftritt werde, da das Netz wieder funktioniert, regelmäßig mit Informationen bestückt.

Über die eigene Internetseite informiert auch die Grundschule in Henningen ihre Schützlinge und deren Eltern. Alle 14 Tage würden die Lehrer neues Material zum Lernen auf der Seite einpflegen. Dass der Unterricht zu Hause auf Dauer belastend sein kann, weiß die amtierende Schulleiterin Marita Petz. Trotzdem: Sie kann sich die Videobotschaften nicht vorstellen und hat ebenfalls Zweifel, dass alle ihrer Schüler diese schlussendlich abrufen können. Und wenn nur ein Kind außen vor bleibe, sei dies keine Option mehr. Zudem hänge es von den Lehrern und deren Bereitschaft und Technik ab, diese Möglichkeit zu nutzen. Und auch wie die Pretzierer würden sich die Eltern der Schüler in Henningen via WhatsApp vernetzen.

Beim Thema Videobotschaft hat der Vater aus Pretzier noch einen Vorschlag: „Das könnte der Offene Kanal Salzwedel (OKS) aufzeichnen, wenn die Technik fehlt.“ Damit rennt er beim OKS offene Türen ein. „Wir finden die Idee toll“, sagt Geschäftsführerin Beate Nilles. „Das kann eine virtuelle Vernetzung sein.“ Viele Kinder würden sich derzeit alleingelassen fühlen und hätten so Kontakt zu ihren vertrauten Lehrern. „Wir sind technisch in der Lage, solche Videobotschaften umzusetzen.“

Offener Kanal Salzwedel bereit

Dass alle Kinder erreicht werden, sei ebenfalls möglich, da der OKS mehrere Plattformen bespielen kann. „Eine Möglichkeit ist, die Videos in unser Programm aufzunehmen“, so Nilles. Dann würden die Sprösslinge ihre Lehrer im Fernseher sehen. Eine weitere Möglichkeit ist die Mediathek des OKS. „Dann sind die Videos jederzeit abrufbar.“ Zudem könnten die Videos auch in die Internetseiten der Schulen eingebunden werden. Die Videos via Mail an die Eltern zu senden sei ebenfalls möglich.

Beim Datenschutz hat Nilles keine Bedenken, schließlich würden die Lehrer und nicht die Kinder gefilmt. Und diese wüssten, dass sie gefilmt werden. „Die Lehrer sollten dann die Kinder nur mit Vornamen ansprechen und keine Fotos von ihnen zeigen.“

Sollten sich Grundschulen von der Idee des Vaters aus Pretzier angesprochen fühlen, mögen diese mit Beate Nilles Kontakt aufnehmen. „Wir kommen dann mit einem Team.“ Sie hofft, dass es dazu kommt: „Das ist eine Idee, die Schule machen kann.“

Der Offene Kanal Salzwedel ist unter der Rufnummer 03901/47 29 50 zu erreichen.