Salzwedel l So muss es wohl im Mittelalter zur Weihnachtszeit zugegangen sein: Kerzen spendeten ein eher sparsames, dafür aber gemütliche Licht. Lange Schatten an den Wänden beflügelten die Phantasie. Die Menschen in den zugigen Räumen rückten dicht zusammen.

Zu erleben war diese Stimmung im Salzwedeler Karlsturm. Dorthin hatte die Salzwedeler Stadtwache eingeladen. Allzu große Erwartungen an den Publikumszuspruch hatte Stadtherold Manfred Preuß im Vorfeld allerdings nicht gehabt. Die Gründe dafür waren das wenig optimale Wetter und die Baustelle unmittelbar im Turmbereich. Dennoch zeigte sich Preuß am Ende positiv überrascht über das rege Interesse.

Interessiertes Publikum

„Es waren nicht ganz so viele Gäste wie zum Tag des offenen Denkmals, dafür kam aber ein sehr interessiertes Publikum“, sagte Preuß. Viele wagten am Sonntag den Aufstieg über die schmale, gewundene Stiege aus Ziegelsteinen in die beiden oberen Etagen und wurden für ihre Mühen nicht enttäuscht. Neben der traumhaften Aussicht auf das weihnachtlich erleuchtete Salzwedel, gab es zahlreiche interessante Stücke aus dem Fundes der Stadtwache zu bestaunen.

Da sind zunächst die stilechten Nachbildungen mittelalterlicher Waffen. Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde die Kopie einer mittelalterlichen Schandgeige. Dem verurteilten Delinquenten wurde diese um den Hals sowie die Handgelenke gelegt. In dieser wenig vorteilhaften Haltung ging es durch die Stadt. Deren Bewohner durften den Täter mit Unrat aller Art bewerfen.

Nach diesem Ausflug in die mittelalterliche Rechtsprechung gab es die Möglichkeit zu einem Abstecher in die Welt der Hanse. Zahlreiche Utensilien konnte die Stadtwache auf ihren Reisen zu den internationalen Hansetagen sammeln. Einige davon stellten sich als ausgesprochen lecker dar. So gab es russischen Wodka aus Pskow, der Gastgeberstadt 2019 und Likör aus Brilon, der Gastgeberstadt für 2020. So gestärkt konntensich die Besucher auf den Weg zu den weiteren Anlaufpunkten begeben.