Gorleben l Seit mehr als einem Jahr ist Ina K. aus Gorleben nun schon verschwunden – und niemand weiß, was ihr geschehen ist. Im November 2015 wurde sie das letzte Mal gesehen. Einen Notartermin zum Verkauf ihres Hauses nahm sie nicht mehr wahr. Seitdem fehlt sowohl von ihrem Auto (einem blauen Matiz) als auch von ihr selbst jede Spur.

Die Polizei ließ nichts unversucht: Ein Hubschrauber überflog das in Frage kommende Gebiet, auf der Elbe wurde mit Sonarbooten gesucht, Leichenspürhunde durchstöberten das Hausgelände und auch der Wald bei Gorleben wurde mit Hunde- und Reiterstaffeln durchsucht. Alles ohne Ergebnis.

Spur nach Italien

Eine Spur führte die Ermittler sogar bis nach Italien. Denn die vermisste Ina K. spricht laut NDR-Informationen fließend italienisch und unterrichtete die Sprache auch an der Volkshochschule Lüchow-Dannenberg und in Sachsen-Anhalt. Ihre Familie berichtete, dass Ina K. angeblich zu einer Theatergruppe in Italien reisen wollte. Dort angekommen ist sie allerdings nie.

Bilder

Wie der NDR berichtete, hatte die 55-jährige studierte Germanistin zu ihrem Sohn, der mit ihr in einem Haus wohnte, kein enges Verhältnis. Weil sie von ihrem Ehemann getrennt lebte und Schulden hatte, wollte Ina K. schweren Herzens ihr Haus verkaufen. Damit sei der Sohn allerdings nicht einverstanden gewesen.

Der Polizei ist bekannt, dass es einen Streit gegeben hat. Zu einem vereinbarten Bank-Termin tauchte Ina K. dann nicht mehr auf. Ein Mitarbeiter der Sparkasse und die Käuferin des Hauses meldeten sie daher bei der Polizei als vermisst.

Letzte Aufnahme

Die letzten Aufnahmen zeigen Ina K. beim Abheben von 200 Euro am Geldautomaten. Die Mordkommission hält auch weiterhin ein Gewaltverbrechen für möglich.

Im Februar 2016 richtete die Polizei eine 50-köpfige Mordkommission ein, um die Suche nach der Vermissten zu intensivieren. Doch auch die Einbindung in die europaweite Fahndung brachte keinerlei Ergebnisse. Selbst Suchaufrufe in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ und der MDR-Sendung „Kripo live“ führten ins Leere.

Für die Polizei ist die Angelegenheit nun „ausermittelt“, wie es im Polizeijargon heißt. Deshalb wird die eigens eingerichtete Mordkommission „Matiz“, benannt nach dem Auto von Ina K., jetzt aufgelöst. „Wir sehen keine Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen“, so Polizeisprecher Kai Richter. „Doch die Akte wird nicht in den Schubladen verschwinden.“ Sie bleibt bei dem zuständigen Sachbearbeiter in der Mordabteilung.

Ungewissheit

Doch aktiv wird die erst dann wieder ermitteln, wenn neue Hinweise eingehen. Für die Angehörigen bleibt die Ungewissheit. Denn bis heute ist ungeklärt, ob Ina K. ermordet wurde, ob sie Selbstmord begangen hat – oder ob sie schlichtweg aus ihrem bisherigen Leben geflohen ist, um sich irgendwo ein anderes aufzubauen.

Und: mindestens zehn Jahre lang können die voraussichtlichen Erben nicht handeln. Erst nach dieser Frist können sie eine Todeserklärung beantragen. Bis dahin wird in den meisten Fällen eine Erbschaftsverwaltung eingerichtet. Sprich: eventuelles Vermögen bleibt auf Unterkonten des Staates liegen, bis der Tod endgültig festgestellt ist.

Ina K. ist 55 Jahre alt, etwa 1,74 Meter groß und hat braune Augen. Die Polizei fragt immer noch: „Wer sah Ina K. seit Anfang November 2015 oder hatte Kontakt zu ihr?“ „Wer kann Angaben zum Verbleib des hellblauen Pkw Daewoo Matiz (DAN-R 106) machen beziehungsweise sah das Fahrzeug seit Anfang November 2015?“ Hinweise nimmt die Polizei Lüchow, Telefon: 05841/12 20 oder 05841/12 23 12, entgegen.