Salzwedel l Dass es weniger Insekten als noch vor Jahrzehnten gibt, ist unbestritten. Auch in der strukturreichen Altmark, mit viel Wald, Wiesen und Feldern. Der Kreis-Naturschutzbeauftragte und Revierförster Ralf Knapp spricht von einem Schmetterlingssterben. Denn alle Insekten seien ja nicht betroffen. Auf Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner könne er beispielsweise gern verzichten.

Lage ist ernst

Eigentlich ist ihm aber nicht zum Spaßen zumute, denn die Lage ist ernst. Einer Auswertung Roter Listen zufolge sind in Deutschland mehr als 41 Prozent der Schmetterlinge ausgestorben oder bestandsgefährdet, hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ermittelt. Bei Wildbienen sei mehr als die Hälfte der 561 Arten in ihrem Bestand bedroht, mit steigender Tendenz.

Viele andere Insekten seien ebenfalls betroffen. Sie fehlen im komplexen Ökosystem, so als Nahrung für Reptilien, Amphibien, Vögel und Säugetierarten. Der Naturschutzbeauftragte hat beobachtet, dass es auch weniger Spinnen gibt. Zum Teil eine Folge der anhaltenden Trockenheit und der Klima-Erwärmung, schätzt er ein, aber es gäbe noch viele andere Gründe für den Rückgang bei Insekten und Spinnen. Die Krabbeltiere sind ein wichtiges Bindeglied im Naturkreislauf, beispielsweise für Schlangen. Deren Nachwuchs oder sie selbst ernähren sich von kleineren Reptilien oder Amphibien, die ihrerseits Insektenfresser sind. So greife eins in andere. Nicht nur die Insekten verschwinden, sondern auch Tiere wie Kreuzotter und Schlingnatter oder Eidechsen, zudem seien die Bestände fast aller Amphibienarten stark rückläufig. Das gleiche gelte für viele Vögel.

Abhilfe mit Blühstreifen

Die Landwirte, die Natur und Landschaft maßgeblich gestalten, wollen ihren Beitrag leisten, dem Insektensterben Einhalt zu gebieten, erklärt die Geschäftsführerin des Kreis-Bauernverbandes Annegret Jacobs. Sie nennt die in der gemeinsamen Agrarpolitik der EU festgeschriebenen Umweltmaßnahmen, Greening genannt. Darüber hinaus beschäftige sich der Kreisverband gerade intensiv in Zusammenarbeit mit der Hochschule Anhalt mit der Zusammensetzung von Samenmischungen für Blühstreifen und -inseln. Wollen die Bauern für ihr Umweltengagement Fördergeld erhalten, beispielsweise um Blühstreifen anzulegen, die ja keinen Ertrag bringen, sei das mit viel bürokratischem Aufwand verbunden.

Die Landwirtschaft per se für das Insektensterben verantwortlich zu machen, findet sie ungerecht. Die Ursachen seien nicht genau erforscht. So könnten der Klimawandel, Lichtverschmutzung oder auch Mobilfunk eine Rolle spielen. Immer mehr Flächen würden zugebaut und versiegelt. Schotter- und Steinflächen rund um Einfamilienhäuser sowie Mähroboter auf dem Rasen statt blühender Gärten, seien eine weitere fragwürdige Entwicklung.