Altmark l Sie kommen nicht lautlos. Ihr sanftes Summen ist allerdings alles andere als beruhigend. Denn sie haben eine Waffe, vor der viele Menschen sich fürchten: Ihren Stachel.

Wespen haben aktuell Hochkonjunktur. Und es sind besonders viel, so scheint es. Vor den Eisdielen sieht man die Kunden hektisch mit den Händen wedeln. In den Gaststätten gibt es den Pappuntersetzer fürs Schorle-Glas jetzt nicht zum Drunterlegen, sondern, um es abzudecken. Und weil überall die Fenster wegen der Hitze offen stehen, verirren sich die schwarz-gelben Fluginsekten auch schon mal in Innenräume. Anscheinend sind sie überall.

In diesem Jahr recht viele

Doch ist das wirklich so? Ja, meint der altmärkische Imker Günther Hoop. „Ich habe auch das Gefühl, dass es in diesem Jahr schon recht viele sind.“ Wenn der passionierte Bienenzüchter seine Bienen füttert, „sind sie sofort da.“

Besuch von der Konkurrenz sozusagen? „Vielleicht Mitbewerber“, sagt Hoop schmunzelnd. Denn als Imker und Naturfreund stören ihn die Wespen natürlich nicht. Für ihn gehören sie im Sommer einfach dazu, zur Artenvielfalt ohnehin. Und sie müssten nunmal auch ihre Art erhalten: Im Sommer komme so ein Wespenvolk schon mal auf rund 5000 Arbeitstiere, beziffert Hoop. „Und die sind dann immer überall da, wo es süß riecht.“

Erst hinschauen

So wie zuweilen eben auch mal im Freibad: Ein Eis auf die Hand, die süße Brause in der Dose, das riechen die schwarz-gelben Flieger sofort. Schon umsummen sie die Badegäste, und zuweilen stechen sie dann auch mal zu. Dreimal sei das in diesem Jahr im Zienauer Bad vorgekommen, beziffert Schwimmeister Heiko Kruck. Allerdings liege das nicht an den aggressiven Wespen, sondern am Verhalten der Menschen. Da hat er in seinen Dienstjahren schon so manche Beobachtung gemacht. Wer sich entsprechend verhalte, habe nämlich von den Wespen nichts zu befürchten. Sein Tipp: „Erst hinschauen bevor man hingreift, wenn es irgendwo krabbelt.“ Denn die Wespen würden nur stechen, wenn sie sich bedroht fühlten.

Und das Stichwort Hinschauen fällt ihm auch zum Thema Essen ein: Wer die Gabel oder den Löffel zum Mund führt, „der sollte schauen, was er drauf hat, und nicht in der Gegend herum“, sagt Kruck. Das gelte auch für Getränkedosen, Flaschen oder die Süßigkeitentüte. Denn vor allem so ein Stich im Mundraum könne schon gefährlich werden.

Schwere Folgen bei Allergie

Und das bestätigt auch eine Expertin: Vor allem bei Menschen, die gegen das Gift der Tiere allergisch seien, könne ein Stich schwerwiegende Folgen haben, betont eine Allgemeinmedizinerin aus Kalbe im Gespräch mit der Volksstimme. So sollten Betroffene unbedingt zum Arzt gehen, wenn die Schwellung über mehr als zwei Gelenke reiche. Symptome, die für eine Insektengiftallergie sprächen, seien zudem Übelkeit mit Erbrechen und Schwindel oder gar Luftnot. „In einem solchen Fall ist dann auch Eile geboten“, sagt die Ärztin. Die Notarztnummer ist dann die beste Empfehlung.

Bei ganz normalen Insektenstichen sei Kühlen die beste Medizin. „Irgendwas, was kühlt, findet sich doch überall.“ Sehr empfehlenswert sei ein Kühlgel, das man im Kühlschrank aufbewahren sollte. „Und wenn man außerhalb ist, steckt man es einfach ein.“ Auch Essig sei ein probates Hausmittel.

„Die Zahl behandelter Insektenstiche ist zurückgegangen.“

Jessica Pönitz, Presseteam des Altmark-Klinikums

Übrigens: Sorgen müssen sich die Altmärker auch angesichts der derzeit sehr aktiven Wespen nicht machen: „In beiden Häusern des Altmark-Klinikums ist die Zahl der behandelten Insektenstiche in den vergangenen zwei Jahren deutlich zurückgegangen“, sagt Jessica Pönitz, Mitarbeiterin für Unternehmenskommunikation. Wurden 2018 noch 166 Fälle in Salzwedel und 113 in Gardelegen behandelt, waren es 2019 nur noch 134 (Salzwedel) und 105 ( Gardelegen).

In diesem Jahr waren es sogar noch weniger. Bis gestern ließen sich in der Kreisstadt 78 und in Gardelegen 66 Patienten wegen eines Insektenstiches behandeln, beziffert sie.

Selbst wenn es also gefühlt oder auch objektiv in diesem Jahr mehr Wespen gibt: Aggressiver als sonst sind sie offensichtlich nicht.