Umverlegung von Regenrohren sorgt im Rat für Diskussionen

Kanalisation wird zum "Fass ohne Boden"

Von Walter Mogk

Die marode Regenwasserkanalisation in Apenburg entwickelt sich für die Gemeinde zum Problem. Einige Räte sprechen von einem "Fass ohne Boden". Sie fordern ein Gesamtkonzept sowie eine Prioritätenliste.

Apenburg l Seit Jahren steht das Thema Regenwasserkanalisation in Apenburg immer wieder auf der Tagesordnung. Bis auf Reparaturarbeiten an den maroden Rohren aus DDR-Zeiten hat sich kaum etwas getan. In den 90er Jahren gab es zwar Fördertöpfe für die Erneuerung des Leitungsnetzes. "Doch die sind in Apenburg damals offenbar nicht angepackt worden", meinte Bürgermeister Harald Josten am Dienstagabend während der Ratssitzung.

Inzwischen hat die neue Großgemeinde Apenburg-Winterfeld das Problem geerbt. Besonders in der Badeler, der Bahnhof- und der Cheinitzer Straße sind die Rohre dermaßen kaputt, dass kaum noch ein Abfluss stattfindet. Immer wieder gibt es Einbrüche, die repariert werden müssen. Vor einer großangelegten Sanierung scheut sich die Kommune jedoch. Denn unklar ist nach wie vor, wer für die Regenentwässerung verantwortlich ist. Die Verbandsgemeinde, meinen viele Räte. Doch die sitzt das Thema nach Einschätzung des Bürgermeisters aus. Offenbar in der Hoffnung, dass der Wasserverband die Aufgabe der Regenentwässerung mit übernimmt. Doch auch hierfür gibt es noch keinerlei Signale. Zu hoch ist offenbar der Investitionsbedarf, den sich niemand aufbürden will.

Die Gemeinde Apenburg-Winterfeld lässt deshalb zunächst ein Regenwasserkonzept erarbeiten. Ein Problem ist allerdings so drängend, dass es am Montag auf den Tisch des Rates kam. In der Cheinitzer Straße will jemand bauen, doch die Regenwasserleitung läuft genau über das Privatgrundstück. Um Baufreiheit zu schaffen, wurde die Gemeinde um eine Verlegung ersucht. "Wir müssten ein Stück der Cheinitzer Straße aufnehmen und vor einem der Blöcke den Beton, um die Leitung quer über die Badeler Straße ums Eck herum anzuschließen", erläuterte Harald Josten. Dies würde nach ersten Kostenschätzungen etwa 65000 Euro kosten. Geld, das im aktuellen Haushalt eigentlich nicht vorgesehen ist.

Apenburgs Interessenvertreter Mark Wöllmann befürchtet, dass dies nicht ausreicht. Er verwies auf die Nebenanlagen sowie die Entwässerung der Neubaublöcke, die auch über diese Leitung erfolge. Für den Quadendambecker Frank Mergenthaler war das Maß angesichts dieser erneuten Hiobsbotschaften endgültig voll. "Jedes Mal wird ein neues Projekt aufgemacht, ohne dass wir wissen, was uns noch alles bevorsteht. So geht das nicht, wo soll das Geld dafür herkommen?", schimpfte er. Apenburg sei offenbar ein Fass ohne Boden.

Prioritätenliste eingefordert

"Wenn die anderen Ortsteile diesen Investitionsbedarf hätten, hätten wir ein Riesenproblem", so Mergenthaler. Auch Jens Doose aus Recklingen vermisste ein Gesamtkonzept: "Jetzt zaubern wir hier wieder 65000 Euro aus dem Hut und fertig. Dann heißt es auf einmal wieder, hier und da sind Schächte eingebrochen. Wo soll das enden?" Ratsfrau Ninett Schneider forderte die Erstellung einer Prioritätenliste. "Wir müssen endlich langfristig planen", mahnte die Winterfelderin.

Eine Entscheidung fiel noch nicht. Zunächst soll die Alternativvariante geprüft werden, die Mark Wöllmann vorbrachte. Er schlug vor, anschließend an den parallel zum alten Kuhstall verlaufenden Graben einen etwa 150 Meter langen offenen Graben auszubaggern. In den könnte das Oberflächenwasser laufen. "Das Problem ist nur, dafür eine Einleitegenehmigung zu bekommen", erklärte Wöllmann.