Salzwedel/Gardelegen l Sie möchte schnell einige Lebensmittel einkaufen, doch plötzlich gerät der Tagesplan durcheinander. An der Kasse des Supermarktes greift die Frau nach ihrem Portemonnaie. Doch es ist nicht mehr dort. Sie guckt nochmal nach, kramt in der Tasche, greift in die Jackentaschen. Das Portemonnaie bleibt verschwunden. Die Frau ruft die Polizei, erstattet Anzeige gegen unbekannt. Dann ruft sie bei der Bank an, denn mit dem Portemonnaie sind auch Kreditkarte und EC-Karte abhanden gekommen. Sie lässt diese sperren. Und auch die Karte der Krankenkasse und der Personalausweis sind weg, müssen neu besorgt werden.

So oder zumindest so ähnlich ist es in den zurückliegenden Monaten mehreren Kunden in verschiedenen Supermärkte und Discountern in Gardelegen ergangen. Allein in diesem Jahr seien in einem Gardeleger Einkaufsmarkt bereits vier Geldbörsen von Kunden während des Einkaufs gestohlen worden. Im selben Markt sei dies 2018 zweimal vorgekommen, wie die Pressestelle des Polizeireviers Altmarkkreis Salzwedel auf Nachfrage mitteilt. In einem all sei vermutlich sogar die geschlossene Handtasche geöffnet worden, um die Geldbörse zu stehlen, so die Polizei. Aber auch in weiteren Supermärkten in der Stadt sei der Geldbörsenklau bereits vorgekommen.

Opfer werden abgelenkt

Auch in Salzwedel sind Taschendiebstähle immer wieder ein Thema, berichtet Frank Semisch, Pressesprecher der Polizei im Altmarkkreis. „Viele bemerken erst an der Kasse oder Zuhause, wenn es nicht in einem Supermarkt passierte, dass zum Beispiel die Brieftasche weg ist“, erzählt der Polizist. Die Diebe würden ganz kurze Augenblicke nutzen, in denen die Opfer abgelenkt sind und die Handtasche nicht im Blick haben. „Die Handtasche hat im Einkaufswagen nichts zu suchen“, mahnt Semisch, der das Thema auch immer wieder bei Präventionsveranstaltungen im Kreis anspricht.

Vorsicht am Geldautomaten

Die Täter würden auch ausbaldowern, wenn jemand eine größere Menge Geld am Bankautomaten abhebt, rät der Fachmann auch dabei zur Vorsicht. Deswegen sei es ratsam, die Handtasche immer vorn am Körper zu tragen (weitere Tipps siehe Infokasten).

Die Volksstimme fragte auch bei einigen Einkaufsmärkten nach, wie die Unternehmen mit diesem Problem umgehen. „Bei Diebstahlverdacht halten unsere Mitarbeiter jeden Verdächtigen bis zum Eintreffen der Polizei fest – insofern dies ohne eigene Gefährdung oder die Gefährdung Dritter möglich ist. Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Kunden hat auch in einem solchen Fall immer höchste Priorität.

Anzeige obligatorisch

Die Polizeibeamten überprüfen dann vor Ort entsprechend den Verdacht. Selbstverständlich wird jeder festgestellte Diebstahl zur Anzeige gebracht. Ladendetektive werden nicht eingesetzt“, berichtet Sonja Kling von der Pressestelle Lidl Deutschland. Wie häufig Diebstählen in ihren Filialen vorkommen, darüber möchte das Unternehmen keine Angaben machen.

Das Pressebüro der Kette Netto teilt mit, dass „wir aus Sicherheitsgründen keine weiterführenden Informationen zur Verfügung stellen.“

Vereinzelt gibt es Kameras in Supermärkten

Klare Regeln, wie bei einem Diebstahlsdelikt zu verfahren ist, hat die EDEKA Minden-Hannover Stiftung & Co. KG. „Diese Regelungen sind unseren Einzelhändlern bekannt und zugänglich. Für die Umsetzung im jeweiligen Einzelfall sind diese verantwortlich“, so Bettina Stolt, Abteilungsleitung Unternehmenskommunikation. Um vor Diebstahl zu schützen, setzen die Kaufland Stiftung & Co. KG Detektive ein. „In einzelnen Filialen haben wir, wie branchenüblich, zur Diebstahlsicherung Kameras installiert. Diese Maßnahme basiert auf der Einhaltung der gesetzlichen und datenschutzrechtlichen Bestimmungen“, informiert Anna Münzing, Unternehmenskommunikation. Wie sie hinzufügt, werden die Kunden durch Schilder auf die Kameras aufmerksam gemacht. Ladendiebstahlsfeststellungen machen bei Kaufland allerdings weit weniger als ein Prozent „der Kundenkontakte aus“, heißt es weiterhin aus dem Unternehmen.