Salzwedel l Vor dem Beginn des neuen Schuljahres war es eine von mehreren Optionen, die diskutiert wurden: einen ganzen Unterrichtstag an der Dährer Sekundarschule wegfallen zu lassen. Das hatte Sören Messerschmidt, Referent des Landesschulamtes für die Sekundarschulen in der Altmark, im Volksstimme-Gespräch als Möglichkeit angeführt, Schulalltag und Schülertransport zu organisieren. Da war bereits abzusehen, dass aufgrund einer Unterrichtsversorgung von unter 70 Prozent fast jede dritte Stunde ausfallen muss.

Doch von einer Vier-Tage-Woche ist keine Rede mehr. Auf Anfrage teilt das Landesschulamt dazu mit: „Die Fünf-Tage-Woche ist der in Sachsen-Anhalt bewährte Rhythmus für die Unterrichtstage, auf den sich Eltern und Schülerverkehr eingestellt haben.“ Es liefen intensive Bemühungen, dies verlässlich zu gewährleisten.

Fahrplanänderung nicht möglich

Aktuell bedeutet das für die Klassen fünf bis neun mehrmals in der Woche Schulschluss nach der vierten Stunde. Die Busse fahren aber erst zwei Stunden später. Dies sei aufgrund des komplizierten Fahrplans, in den viele weitere Schulen im Flächenlandkreis eingebunden sind, nicht anders möglich, betont die zuständige Dezernentin Kathrin Rösel.

Während die fünften und sechsten Klassen betreut werden, sind die Älteren sich selbst überlassen und im Ort unterwegs. Schulleiterin Ines Kausch sorgt sich, dass die über längere Zeit unbeaufsichtigten Jugendlichen sich und andere gefährden. So, wenn sie in Gruppen auf der Straße unterwegs sind oder an der Haltestelle zwei Stunden warten und auch mal spielen oder toben. Aktuell gehen 175 Jungen und Mädchen an die Dährer Schule.

Offener Brief

Diese Situation hat auch der Gemeinderat in einem offenen Brief an Bildungsminister Marco Tullner geschildert und mit der Frage verbunden: „Ist das der Bildungsauftrag und die Zukunft für unsere Kinder, die Sie sich vorstellen?“

Für das Landesschulamt ist der Unmut aus dem Gemeinderat über die unbeschäftigten Schüler im Ort nach Schulende indes „nur schwer nachvollziehbar.“ Kinder- und Jugendliche gehörten zum örtlichen Leben. „Ihr Aufenthalt sollte daher von der Ortsgemeinschaft nicht als Belastung, sondern als Teil des Alltagsgeschehens empfunden werden“, schreibt das Amt.

Personalsituation angespannt

Zudem schiebt es dem Kreis, als Träger des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), dessen Tochterunternehmen PVGS den Schülerverkehr organisiert, den Schwarzen Peter zu. Anders als in gut strukturierten Ballungszentren, seien in ländlichen Regionen längere Wartezeiten im ÖPNV nur schwer abwendbar, „weil es an der Flexibilität der beauftragten Unternehmen fehlt.“

Bei Dähre handele es sich „um eine sehr kleine Sekundarschule“. Aufgrund von ausgeschiedenen Lehrern und Krankheitsfällen sei die schwierige Personalsituation entstanden. Das Amt sei bemüht, mit Abordnungen und Einstellungen entgegenzuwirken. Allerdings sei es „sehr schwer“, Bewerber für ländliche Regionen zu interessieren und für einen Einsatz an Schulen wie Dähre zu gewinnen.