Veranstaltung im Zukunftscamp der Groneschule Salzwedel für Jugendliche aus der ganzen Altmark

Lebenserfahrungen zeigen: Aufstehen statt liegenbleiben

Von Helga Räßler

Arendsee l Ein spannendes Wochenende erlebten zirka 30 Jugendliche am Zukunftscamp der Groneschule Salzwedel im Kindererholungszentrum Arendsee. Die Teilnehmer waren Neuntklässler aus der ganzen Altmark. Thema einer Talkrunde am Sonnabend war, "Wie ich wurde was ich heute bin". Talkmeisterin war Campchefin Annett Schomburg, die die eingeladenen Gäste als Expertenrunde interviewte.

"Wir wollen den Jugendlichen vor Augen führen, dass neben einem guten Schulabschluss und einer erfolgreichen Lehre vor allem persönlicher Einsatz, Ausdauer, Durchhaltevermögen und Willen ausschlaggebend für Berufsstart und -erfolg sind", machte Projektleiterin Maritta Lesse das Anliegen deutlich.

Den Auftakt zur Talkrunde machte Mediengestalter Andreas Leitel vom Offenen Kanal Salzwedel. Er habe nach dem Schulabschluss eigentlich Elektriker werden wollen. "Aber dafür reichten damals meine Noten nicht", machte er klar. Er absolvierte dann die Ausbildung zum Facharbeiter für geologische Bohrungen, arbeitete auch als Glaser und Tischler, bevor 1997 für ihn der persönliche Wendepunkt kam. "Ich machte eine Medienausbildung, bin seit 1998 beim offenen Kanal, wo ich für Technik zuständig war und auch mit Elektrik zu tun habe", erzählte er. "Ich sage euch: bei missglückten Anläufen und Telefonversuchen dürft ihr nicht aufgeben, sondern müsst es immer wieder versuchen", brachte er seinen Tipp für die Zuhörer auf den Punkt.

Das bekräftigte Anja Lauenroth. Die junge alleinerziehende Mutter arbeitet seit fünf Jahren als Servicemitarbeiterin im Kindererholungszentrum. Dabei kommt Lauenroth ihr erlernter Beruf als Restaurantfachfrau zu Gute. "Ich arbeite sehr gern mit Menschen, mit vielen Menschen zusammen", sagte sie. Ihr Ziel sei jetzt, Ausbilderin für Hauswirtschaft zu werden. "Ich hoffe sehr, dass es klappt", betonte sie. Ihr Tipp: "Kontaktfreudig sein, Durchhaltevermögen beweisen und immer gut gelaunt auftreten."

Dritter in der Talkrunde war Arendsees Bürgermeister Norman Klebe, der nach Jurastudium, Referendariat und Rechtsanwaltstätigkeit Stadtchef der Einheitsgemeinde wurde. "Das ist schon vergleichbar mit der Rechtsanwaltspraxis, denn man muss mit vielen ganz unterschiedlichen Menschen trotzdem immer kommunikativ sein", sagte er. "Ich empfehle euch: Geht mit Spaß ans Lernen, sonst wird das nichts." Und er riet außerdem ebenfalls, "immer wieder aufzustehen, wenn man hinfällt".

Ganz nah an den Jugendlichen dran war Benjamin Ollendorf aus Stendal. Er hat Kindheitswissenschaften studiert, ist Erzieher und engagiert sich beim Verein KinderStärken für die Aktion "Mehr Männer in Kitas". Doch ehe er da angekommen sei, habe er jahrelang nicht gewusst, was er wollte. Das Gymnasium habe er geschmissen. "Aus der Lehre als Metallbauer wurde nichts, für alle anderen Ansätze fehlte mir die Ausdauer, und auch aus meinem Traum vom Gitarristen wurde deshalb nichts", bekannte er. Er schilderte seine Erfahrungen mit Alkohol und Drogen. "Null Bock auf nichts, aber mit dem Ziel, gut Geld zu verdienen - aber so läuft es halt nicht", betonte er. "So richtige Männerberufe wie Lkw-Fahrer oder auf dem Bau waren nichts für mich", blickte der junge Mann zurück. Seinen Zivildienst leistete er in einem Krankenhaus. Doch erst, als er Kindern Gitarrenunterricht gab, habe er gemerkt, dass ihm genau die Arbeit mit Kindern Spaß mache. Das sei kreativ. "Und jetzt ist mir auch klar: Ohne was zu lernen, geht gar nichts", benannte er sein Fazit.

Die jugendlichen Zuhörer staunten nicht schlecht über die "Lebensbeichten" und fragten einige Details nach. In den anschließenden Gesprächsrunden werteten sie das Gehörte mit ihren Teamleitern von der Groneschule aus.

"Im Zukunftscamp geben wir Hilfe und Anregungen zur Berufsorientierung", bekräftigte Maritta Lesse. Wegen der Ferienzeit und Krankheit seien von den insgesamt 47 am Zukunftscamp beteiligten jungen Leute allerdings nur 30 der Einladung gefolgt. Im Frühjahr geht das Camp weiter, und im Sommer findet das nächste Sommercamp im Kindererholungszentrum statt.