Salzwedel l Beim Altmarkkreis handle es sich leider um eine Region, in der die Versorgung mit Lehrkräften schwierig sei, heißt es von Tobias Kühne aus dem Landesschulamt in Halle/Saale: „Die Unterrichtsversorgung in den verschiedenen Schulformen am Stichtag muss darum unter dem Landesdurchschnitt erwartet werden.“ Die größten Sorgenkinder seien die Förderschulen und die Gemeinschaftsschulen.

Was bereits die Umfrage unter den Schulen in und um Salzwedel ergeben hat, ist auch im Landesschulamt bekannt: Vorwiegend vom Mangel betroffen sind die naturwissenschaftlichen Fächer. „Aber auch für die musischen Fächer und Fremdsprachen finden sich aktuell nur schwer geeignete Lehrkräfte“, so der Pressesprecher aus dem Landesschulamt. Und dies sei nicht nur ein Problem in der Altmark, sondern landesweit.

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Seiteneinsteiger systemrelevant

Trotzdem sieht das Landesschulamt auch Positives. Die durchschnittliche Unterrichtsversorgung sei im Vergleich zum letzten Schuljahr ab den Sekundar- und Berufsschulen im Altmarkkreis um zehn Prozent besser. „Im Landkreis gibt es 40 öffentliche Schulen mit 644 Lehrkräften“, rechnet der Pressesprecher vor: 41 Lehrer seien im vergangenen Schuljahr ausgeschieden, 46 hingegen seien neu hinzugekommen und mit einem unbefristeten Vertrag eingestellt worden.

Positiv hebt Tobias Kühne die Sekundarschule in Dähre hervor, in der die Abdeckung bei prekären 69 Prozent lag. Heute würden noch 13 Wochenstunden fehlen, was eine Unterrichtsversorung von 100 Prozent ergebe.

„Das Landesschulamt versucht, alle Möglichkeiten intensiv auszunutzen, um die Schulen im Altmarkkreis mit Personal zu versorgen“, versichert Tobias Kühne. Stellen würden kontinuierlich ausgeschrieben und Einstellungsverfahren „so schnell wie möglich“ bearbeitet.

Schulamt kann allein nicht lösen

Das Landesschulamt würdigt zudem die Bemühungen der Schulleiter, Seiteneinsteiger zu werben und Referendare in die Bildungseinrichtungen zu lotsen. Viele Schulen hätten erkannt, dass das Schulamt allein dieses Problem nicht lösen kann.

Seiteneinsteiger an Schulen seien inzwischen „systemrelevant“ und an den meisten Schulen fester Bestandteil der Kollegien, heißt es indes von Michael Schulz, stellvertretender Pressesprecher des Landes-Bildungsministeriums: „Sie retten uns zum Teil, denn der Markt ist leer.“ Sie könnten oft sehr gut den fachwissenschaftlichen Teil des Unterrichts abbilden. Pädagogik, Didaktik und Psychologie würden sie sich in Fortbildungen aneignen. „Wir haben gute Erfahrungen mit Seiteneinsteigern gemacht“, erklärt Schulz. Seit drei Jahren werde auf ihren Einsatz zur Bekämpfung des Lehrermangels gesetzt.

Kreis-Elternrat verweist auf falsche Politik

Dass es alles nicht soweit hätte kommen müssen, meint Sven Schottenhamel, Vorsitzender des Kreis-Elternrates: „In den vergangenen Jahren wurden in der Politik grundlegende Dinge falsch gemacht, aber auch vergessen, sich ausreichend darum zu kümmern.“ Als einen Hauptgrund für den Lehrermangel sieht er die im Gegensatz zu angrenzenden Bundesländern vergleichsweise schlechten Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Schottenhamel: „Dinge, die die Politik schon längst hätte ändern müssen. Wir wissen, dass eine Änderung des Schulgesetzes nur der erste Schritt sein kann, um die Personalprobleme an unseren Schulen dauerhaft zu lösen.“

Ohne feste Personalschlüssel im Schulgesetz fehle weiterhin ein verbindliches Planungsinstrument, um unter anderem die Anzahl und Ausrichtung von Studienplätzen für Lehrkräfte, den Umfang von Neueinstellungen und schließlich die dafür einzuplanenden Kosten im Landeshaushalt festzulegen.