Salzwedel l In den Räumen von Aktion Musik im Gebäude des Clubs Hanseat laufen die Fäden für eine der prestigeträchtigsten Veranstaltungen in der Hansestadt zusammen. An einem denkwürdigen Datum, genau 30 Jahre nach dem Mauerfall, stehen im Salzwedeler Kulturhaus junge Musiker aus Ost und West auf der Bühne und beteiligen sich am größten nicht kommerziellen Bandwettbewerb. Die Geschäftsführerin von „local heroes“, Julia Wartmann, freut sich, dass wieder 15 Nachwuchsbands dabei sind. „Bayern ist nach ein paar Jahren Pause zurückgekehrt“, berichtet sie. Damit sind wieder alle Bundesländer vertreten.

Und sie kündigt einen ganz besonderen Gast an. Die Berliner Pop-Punk-/Electroclash-Band „The Toten Crackhuren im Kofferraum“ wird ein Mitternachtskonzert geben. „Das wird den JugendlichenSpaß machen“, ist sich Julia Wartmann sicher. Es gehe den vier Mädels in ihrer Musik „um das wahre Leben da draußen.“ Sie hätten sich mit ihrer rotzigen, nachdenklichen, witzigen und politischen Art einen Namen gemacht. In ihren Songs arbeiten sie sowohl das Alltagsgeschehen, gescheiterte Liebesgeschichten („Auf einem Bett aus Pizzaschachteln“) oder sogar den Weltuntergang („OK Ciao“) auf.

Auftakt zur Tour

„Dieses Konzert bildet aber auch mit alten Hits wie „Ich und mein Pony“ oder „Ronny und Clyde“ den krönenden Abschluss des ‚local heroes‘-Abends“, sagt sie. Es ist gleichzeitig auch der Auftakt zu einer neuen Konzerttour der Berliner Mädels, die im Dezember starten soll und bei der sie ihr drittes Studioalbum vorstellen.

Inzwischen steht mehr als die Hälfte der Bands fest, die am Bundesfinale teilnehmen. Die anderen werden in den demnächst bevorstehenden Landesfinals ermittelt. So auch für Sachsen-Anhalt am Sonnabend in der Magdeburger Feuerwache, bei dem fünf Bands an den Start gehen. In den vergangenen Jahren habe der sachsen-anhaltinische Bandnachwuchs immer sehr gut abgeschnitten. „Deshalb hoffe ich, dass wir den Titel hierher holen können“, sagt die Geschäftsführerin.

Datum spielt eine Rolle

Das historische Datum soll an dem Abend eine Rolle spielen, zum Beispiel, indem Juroren aus den alten und den neuen Bundesländern über ihre musikalische Karriere und ihre Erfahrungen berichten. Auch für die Gestaltung des Kulturhaus-Foyers wollen sich die Organisatoren dahingehend noch etwas einfallen lassen.

Sie rechnen damit, dass mit den Bands und ihrem Anhang 400 bis 500 junge Leute nach Salzwedel kommen und als Multiplikatoren die Hansestadt bundesweit ins Gespräch bringen. Das trage garantiert dazu bei, den Bekanntheitsgrad Salzwedels zu steigern, betont Wartmann. Hinzu kommen noch die Gäste aus der Region. Ein riesiger logistischer Aufwand ist bis dahin, während der Veranstaltung und danach zu bewältigen. Und das Ganze wird jedes Jahr teurer. „Die Preise für alles steigen ja nach und nach“, konstatiert sie und nennt unter anderem Reise- oder Übernachtungskosten.

Pauschale Förderung

Die Freie Fraktion hatte im Marketingausschuss der Stadt vorgeschlagen, die Förderung für „local heroes“ dauerhaft auf pauschal 6000 Euro jährlich zu erhöhen. Begründet wurde der Antrag mit der Bedeutung des Bundesfinales für Salzwedel und den höheren Miettarifen für das Kulturhaus.

Bislang erhält der Verein eine Projektförderung in Höhe von 2000 Euro und einen Zuschuss für die Miete von 2600 Euro. Beides soll auf 5000 Euro aufgerundet werden. Die pauschale Erhöhung der Förderung wurde im Ausschuss abgelehnt. Die 5000 Euro sollen im Haushalt mit einem Sperrvermerk versehen werden und nach einer Abrechnung der Ist-Kosten ausgezahlt werden. Ein Grund sei, dass es noch viele andere Förderer gebe, die die Veranstaltung mit weit höheren Beträgen unterstützen, wie Bürgermeisterin Sabine Blümel sagte. Zudem habe ihr die Geschäftsführerin versichert, bisher mit dem Zuschuss der Stadt ausgekommen zu sein. Die Ausschussmitglieder waren sich einig, das Projekt weiter nach besten Kräften und den finanziellen Erfordernissen unterstützen zu wollen.

Sie danke dem Ausschuss und der Stadt für die Unterstützung, sagte Julia Wartmann im Volksstimme-Gespräch. Allerdings werde es immer schwieriger, die Finanzierung auf solide Füße zu stellen, weil der Verein kein Minus ausgleichen könne. „Das würde für uns das Aus bedeuten“, macht sie klar. Die gestiegenen Kosten mit dem vorhandenen Geld abzufangen, bedeute weniger Qualität. Über die Kultur identifizierten sich Menschen mit ihrer Stadt. Ein weiterer Aspekt sei das Ehrenamt. „Da greift ein Zahnrad ins andere, viele Vereine bringen sich ein.“

Ticketverkauf beginnt

Tickets gibt es ab 9. Oktober bei Aktion Musik sowie ab 10. Oktober online im Ticketshop des Kulturhauses und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen. Schnelligkeit wird belohnt: Die ersten 50 Tickets werden zum Vorzugspreis von zehn Euro (plus Gebühren) verkauft. Der Vorverkaufspreis liegt anschließend bei 13 Euro und Gebühren. 16 Euro kosten die Karten an der Abendkasse.