Salzwedel l Es war wieder so weit: Das „Local Heroes“-Bundesfinale stand im Kulturhaus in Salzwedel an. Aus rund 1400 Newcomerbands konnten sich 15 Landesfinalisten durchsetzen. Nach einer fünfjährigen Pause schickte Bayern mit „Betamensch“ wieder eine Band ins Rennen. Das Bundesland Hamburg war in diesem Jahr nicht vertreten. „Local Heroes“ will jungen Musikern eine Plattform außerhalb ihrer Heimatregion bieten, um bundesweit populärer zu werden.

Jede Band hatte auf der Hauptbühne 20 Minuten Zeit, um das Publikum wie die Jury von sich zu überzeugen. Das Publikum und die neun Mitglieder der Jury vergaben unabhängig voneinander am Ende des Abends jeweils drei Preise.

Wer nach den 20 Minuten von der Band noch nicht genug hatte, konnte im Foyer auf einer kleineren Bühne noch mehr hören. Dort spielte jede Band einen Akustiksong und wurde kurz interviewt. Zeitgleich baute die nächste Band auf der Hauptbühne auf, sodass die Besucher keinen Auftritt verpassten.

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Erinnerungen an Mauerfall

Da das Datum des Bundesfinales übereinstimmt mit dem Mauerfall vor 30 Jahren, wurde die Magdeburger Band „Federhall“, die für Sachsen-Anhalt an den Start ging, auf der Foyerbühne dazu befragt. „Wir haben zuletzt am Grenzübergang Marienborn unser Musikvideo gedreht. In diesem Zuge haben wir uns mehr mit dem Thema beschäftigt“, antwortete der 23-jährige Gitarrist Robin Schmidt.

Die fünf Jungs der Band „Federhall“ haben sich musikalisch wie kleidungsmäßig dem Garagenrock der 1980er verschrieben. Sie bestehen in dieser Konstellation seit 2017. „Uns verbindet nicht nur die Musik, sondern auch eine tiefe Freundschaft. Selbst wenn wir nicht proben, wollen wir immer was zusammen machen“, erzählte der 27-jährige Gitarrist Nicolas Schmitz im Gespräch mit der Volksstimme. Aktuell studieren sie alle, aber wollen später gerne hauptberuflich etwas mit Musik machen. „Das Kulturhaus ist bisher die größte Halle, in der wir gespielt haben“, meinte Robin Schmidt. Salzwedel ist für die Band auch nicht ganz unbekannt. „Für Salzwedel ist das Hansa ja eine musikalische Hochburg. Insgesamt gibt es in der Altmark einen besonderen musikalischen Teamgeist und „Local Heroes“ ist ein Teil davon“, sagte der Bassist Leory Denke. „Ich kenne nur den Baumkuchen, aber der ist super“, freute sich Robin.

Salzwedel für einige unbekannt

Für viele Musiker war Salzwedel vor dem Bundesfinale ein weißer Fleck auf der Landkarte. „Salzwedel ist ein Ort, der vorher für mich nicht existiert hat“, erzählte die Sängerin der Band Mischa. Sie kamen aus Bad Saulgau in Baden Württemberg in die Hansestadt. Da Bad Saulgau auch eine Kleinstadt ist, performte die Band auch passend zur Stadtgröße Salzwedels ein Lied über die Kleinstadt.

Die Besucher konnten sich nicht nur die Musik der Bands anhören, sondern auch Fanartikel kaufen. Oft verkauften Bandmitglieder selbst die T-Shirts oder CDs und kamen so mit den Fans ins Gespräch.

Nachdem alle 15 Bands ihre Chance auf der Bühne genutzt haben, einigte sich die Jury auf ihre Gewinner. In dieser Zeit trat die Berliner Band „The toten Crackhuren im Kofferraum“ auf und heizte dem Publikum nachts um ein Uhr mit ihrem Punk und Electroclash nochmal richtig ein.

Die vier Mädels sangen nicht nur über Ex-Freunde, sondern hatten auch eine politische Botschaft mit dabei und kritisierten, dass die AfD im Salzwedeler Stadtrat sitzt. „Mit der AfD ist so was nicht möglich“, schrie Sängerin Doreen. Am Ende des Abends standen alle 15 Bands nochmal gemeinsam auf der Bühne und erwarteten die Ergebnisse.

Thüringen und Sachsen-Anhalt gewinnen

Den ersten Platz der Jury gewann „Me On Monday“ für das Bundesland Thürigen aus Jena. Die Jungs freuten sich über eine geförderte Planung und Werbung für ihre neue CD. Zudem erhielten sie den Förderpreis des Landes-Kulturministeriums mit einer finanziellen Unterstützung. „Der Gewinn ist surreal für uns. Wir wollten nur einen guten Tag haben. Dieses Jahr versuchten wir es zum dritten Mal, ins Finale zu kommen, weil wir hier unbedingt mal spielen wollten. Jedoch unterschätzt man, wie lange so ein Abend dauert“, gab der Sänger der Band Marius Hensch an.

„Federhall“ konnte von sich überzeugen und gewann den Publikumspreis. Dieser enthält die Veröffentlichung eines Albums und einer Single sowie eine CD-Pressung.