Salzwedel l 21 000 Westaltmärker verlassen täglich für ihren Job den Altmarkkreis. Diese Zahl hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) veröffentlicht. Die Zahl der Berufspendler habe in der Westaltmark damit einen neuen Höchststand erreicht. Die Zahl der sogenannten Auspendler bleibe voraussichtlich auf einem hohen Niveau.

Die IG Bau beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). IG-Gewerkschafterin Elke Bobles spricht von einem „alarmierenden Trend“.

Wolfsburg als Ziel

Im November 2016, also vor knapp drei Jahren, waren es laut Agentur für Arbeit in Stendal rund 14  400 Menschen die zu ihrem Arbeitsplatz über die Kreisgrenzen fahren. Die Region um Wolfsburg war und bleibt das Hauptziel. Im verarbeitenden Gewerbe, wozu die Autoindustrie und ihre Zulieferbetriebe gehören, arbeiten die meisten Westaltmärker, die zwischen Wohnort in der Altmark und Arbeit in Niedersachsen pendeln.

2018 39 Prozent

Im vergangenen Jahr wies die Statistik der Arbeitsagentur einen Anteil von 39 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten aus, die über die Kreisgrenzen hinaus zur Arbeit fahren.

Die Gewerkschaft sieht den Zuwachs mit Sorge, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaschutz-Debatte. Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Westaltmärker mittlerweile Alltag, betont Bobles und ergänzt„Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet massiv unter der Fahrerei.“ Nach Angaben des Umweltbundesamtes gingen knapp ein Fünftel aller CO2-Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Höhere Mieten

Die Gewerkschaft sieht in immer höheren Mieten in Ballungszentren einen Grund für die langen Anfahrtswege zur Arbeit. Wenn sich das Wohnen weiterhin vom Arbeitsort entferne, würden auch die Zahl der Menschen, die viel Zeit auf der Straße verbringen steigen. Die IG Bau fordert daher mehr bezahlbaren Wohnraum in Großstädten und ihrem jeweiligen Speckgürtel.

Unternehmen in der Pflicht

Um den Pendlern die Anfahrt zu erleichtern und sicherer zu gestalten, müsse massiv in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden, fordert Bobles. Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz sieht sie großen Nachholbedarf. Einen entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten die Firmen leisten, indem sie es ihren Beschäftigten erleichtern, in Gleitzeit oder zu Hause zu arbeiten, nimmt sie die Unternehmen in der Pflicht.