Altmarkkreis

Mehrkosten: Schlossruine in Tylsen erhitzt die Gemüter

Der Erhalt der Tylsener Schlossruine ist seit einigen Jahren ein Thema. Die Mehrkosten des zweiten Bauabschnitts stoßen einigen Bewohnern der Einheitsgemeinde Salzwedel jedoch sauer auf.

Von Malte Schmidt
Die Kosten für Schlossruine in Tylsen ist vielen Salzwedelern ein Dorn im Auge.
Die Kosten für Schlossruine in Tylsen ist vielen Salzwedelern ein Dorn im Auge. Foto: Malte Schmidt

Tylsen

Sie ist sehenswert, versteckt zwischen hohen Bäumen - die Schlossruine im Salzwedeler Ortsteil Tylsen. Nun soll sie in einem zweiten Bauabschnitt gegen einen möglichen Einsturz gesichert werden. Und genau das stößt einigen Einwohnern der Einheitsgemeinde, unter anderem Mitgliedern verschiedener Ausschüsse, sauer auf. Zumindest die Mehrkosten dieses Vorhabens. Zum Hintergrund: Bereits im Juli des zurückliegenden Jahres hat der Stadtrat über den eingangs erwähnten Bauabschnitt, der mit einer Gesamtinvestition von 180.000 zu Buche stand, abgestimmt. Davon war zu diesem Zeitpunkt mit einem Eigenanteil, den die Stadt für die den Erhalt der Schlossruine aufbringen müsste, von 45.000 Euro zu rechnen. Im Haushalt der Stadt, der später beschlossen wurde, standen Gesamtausgaben in Höhe von 186.000 Euro, von denen jetzt 73.288,43 Euro als Eigenanteil aufgebracht werden müssen. 

„Nicht gefördert werden 29.870 Euro an Baunebenkosten. Diese Beträge wurden im Haushaltsplan 2021 als Planansatz aufgenommen und vom Stadtrat beschlossen“, wie Andreas Köhler, in der Stadt für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, auf Volksstimme-Nachfrage erklärte. Doch worüber regen sich einige Mandatsträger auf?

Kurz erklärt: Das Vorhaben wird im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum des Landes Sachsen-Anhalts aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds gefördert. Einen entsprechenden Zuwendungsbescheid erhielt die Stadt am 13. Oktober 2020. Darin wurde nach Ermittlung der Baukosten eine Gesamtsumme von 150.282,10 Euro als förderfähig benannt. Dies entspricht einem Fördermittelanteil von 75 Prozent. Die Fördersumme beläuft sich also auf 112.711,57 Euro.

90.000 Euro aus der klammen Stadtkasse

„Danach erfolgte eine öffentliche Ausschreibung. Im Finanzausschuss wurden die Ergebnisse dieser Ausschreibung diskutiert. In der Abstimmung wurde dem wirtschaftlichsten Angebot die Zustimmung erteilt“, erklärte Andreas Köhler

Dieses Angebot beläuft sich jedoch auf 199.873,51 Euro, wie die Stadtverwaltung auf Volksstimme-Nachfrage mitteilte. Andreas Köhler erklärte: „Das bedeutet, dass das Angebot 13.873,51 Euro über dem Planansatz im Haushalt liegt, da bei Projekten, egal ob förderfähig oder nicht, zunächst ein rechnerisch ermittelter Wert in den Haushaltsplan eingestellt wird.“ Zieht man vom jetzigen Angebot die Fördersumme ab, so muss die klamme Stadt schlussendlich knapp 90.000 Euro selbst für den Erhalt der Schlossruine Tylsen aufbringen.

Vorausgegangen war, dass die Mitglieder des Tylsener Ortschaftsrates über den aktuellen Stand hinsichtlich der Sicherung des Mauerwerkes während ihrer jüngsten Zusammenkunft gesprochen hatten. Denn noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten ausgeführt werden. Unter anderem wurde mittlerweile der Innenbereich der einstigen Schlossruine beräumt und sowohl von Bäumen als auch Unrat befreit. Die Bewohner in Tylsen freuen sich indes darüber, dass dieses geschichtsträchtige Bauwerk erhalten bleiben soll. Ob die Freude außerhalbs Tylsen ebenso groß ist, ist mindestens fraglich.