Neujahrsempfang

Millionen-Investition in Gardelegener Klinik

Beim Neujahresempfang des Altmarkkreises in Winterfeld wurde angekündigt, dass rund 6,8 Millionen Euro ins Klinikum investiert werden.

Von Anke Pelczarski 15.01.2018, 00:01

Winterfeld l „Uns ist es in den vergangenen zwei Jahren gelungen, eine bestehende vertragliche Kooperation zwischen der landeseigenen Salus gGmbH und der kreiseigenen Altmark-Klinikum gGmbH in eine gesellschaftsrechtliche Kooperation weiterzuentwickeln“: Das erklärte Landrat Michael Ziche am Freitagabend während seiner Rede in der Festscheune Rustica in Winterfeld vor etwa 300 Gästen. Beide Unternehmen würden seit dem 1. Januar dieses Jahres unter dem Dach der Salus Altmark Holding gGmbH in einer Konzernstruktur zusammenarbeiten. Er dankte der anwesenden Staatssekretärin Beate Bröker aus dem Landesministerium für Arbeit, Soziales und Integration, die das Projekt von Anfang an unterstützt habe.

Die Häuser in Salzwedel und Gardelegen würden weiterhin ihre medizinischen Leistungen für die Bewohner der Westaltmark und darüber hinaus anbieten. Perspektivisch seien Weiterentwicklungen im Interesse der Patienten geplant. „Die im neuen Konzern zusammengeführten Unternehmen ergänzen sich und stehen mit ihren Leistungen nicht in Konkurrenz zueinander“, betonte der Landrat. Die Unternehmensstrategie des alten Aufsichtsrates, die unter anderem Telemedizin, Ausbildung und Fachkräftebindung beinhaltete, werde weiter umgesetzt. Am Standort Gardelegen seien in diesem Sinne etwa 6,8 Millionen Euro an Investitionen in den nächsten Jahren geplant.

Zu kämpfen habe der Kreis unter anderem mit dem Abgasskandal und anderen Entwicklungen bei Volkswagen, was sich auf Zulieferbetriebe und den Arbeitsmarkt ausgewirkt habe. Unternehmensschließungen und Umstrukturierungen seien nicht leicht aufzufangen. Die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft würden immer schwieriger. Hinzu kämen die fehlende Autobahnanbindung und nicht gerade rosige Aussichten beim Bundesstraßen-Ausbau. „Die B 190n in östlicher Richtung ist aus dem vordringlichen Plan des Bundesverkehrswegeplanes geflogen. Für den Westteil der B 190n gibt es gar keine Perspektive“, nannte Michael Ziche ein Beispiel. Die B 188 sei nicht durchlässig, weil Ortsumgehungen wie in Hottendorf, Jävenitz, Kloster Neuendorf, Solpke und Miesterhorst nicht hergestellt seien. Die B 71 habe im Rahmen des Landesentwicklungsplanes ab Haldensleben keine große Bedeutung für deren Macher, auch wenn eine Umfahrung für Estedt geplant sei.

All das erschwere Entwicklungschancen für den Altmarkkreis, die hiesige Wirtschaft und die Menschen, die gern hier leben, machte der Landrat deutlich. Dass es auch anders gehe, stellte er am Vorhaben des Breitbandausbaus in der Altmark dar. Hier würden durch die Kooperation von Städten, Gemeinden, Landkreisen, Land und Bund in den nächsten Jahren etwa 140 Millionen Euro investiert, um insbesondere entlegene Orte mit Glasfaserkabel an das Internet anzuschließen und damit Standortnachteile abzubauen. Dies sei auch für Gewerbegebiete und Schulen wichtig. Um die Bildungsstätten für die digitale Welt fit zu machen, würden in den Haushaltsjahren 2018/19 etwa 2 Millionen Euro investiert, wovon 1,5 Millionen Euro vom Land kommen.

Der Landrat dankte unzähligen ehrenamtlich Engagierten in den verschiedensten Bereichen, die sich vor Ort einbringen. Um diese zu ehren, werde in diesem Jahr erstmals der Bürgerpreis des Altmarkkreises Salzwedel ausgelobt, der unter dem Motto „Zukunft braucht Zusammenhalt!“ steht.

Als „nicht-routinemäßiges Vorhaben“ bezeichnete Staatssekretärin Beate Bröker (SPD) die Bildung der Salus Altmark Holding gGmbH. Sie erhoffe sich davon Synergieeffekte. „Wir müssen jetzt sehen, dass beide Unternehmen gut zusammenwachsen“, sagte sie. Da das Land leider Spitzenreiter bei Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei, solle auch hier Aufklärung angeboten werden. „Bei einer Studie wurde herausgefunden, dass die Leute in der Altmark viel zu spät zum Arzt gehen. Dadurch geht wichtige Zeit verloren“, sagte sie.

Die Kenia-Regierung in Sachsen-Anhalt habe schon viele Hausaufgaben erledigt, aber noch einiges zu tun. „Über das neue Kinderförderungsgesetz zu streiten, ist den Streit wert, solange sachlich diskutiert wird“, erklärte Beate Bröker. Allerdings hätte die Regierung bis zum Beschluss noch ein Stück Streitweg vor sich.

Sie verwies auf einen Zuwachs an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung auch im Altmarkkreis sowie Lohnzuwächse, die über dem Landesdurchschnitt liegen. Jedoch würden Fachkräfte an allen Ecken und Enden fehlen. Stellen zu besetzen sei nicht einfach. So würden Altenpfleger im Land etwa 1000 Euro weniger verdienen als in den alten Bundesländern. „Da müssen wir Lösungen finden. Denn zu guter Arbeit gehört gute Bezahlung“, sagte die Staatssekretärin. Weiterkommen müsse man auch bei der Verkrustung der Langzeitarbeitslosigkeit: „Wenn wir über Kinderarmut sprechen, dann müssen wir sehen, wie wir die Eltern in Arbeit bringen.“

Die Big Band der Kreismusikschule, dirigiert von deren Leiter Falk Kindermann, umrahmte den Neujahrsempfang musikalisch. Die Anwesenden kamen im Anschluss miteinander ins Gespräch, um sich auszutauschen oder über neue Vorhaben laut nachzudenken.