Kricheldorf l „Ich bin schon ziemlich angespannt“, sagt Jan Rakowske kurz vor dem Start. Der 28-Jährige bringt gerade seine Drohne bei Kricheldorf im Altmarkkreis in Stellung. In wenigen Minuten ist er an der Reihe. Auf ihn und seinen kleinen Brummer wartet ein Parcours, der es in sich hat. Slalom, ums Eck, große und kleine Tore. Das Ganze auf Zeit im Eiltempo. Ohne eine gute Hand-Auge-Koordination geht nichts.

Emsig verkabelt Christoph Rohe aus dem nierdersächsichen Celle seinen Monitor. Der Sportreferent des Deutschen Modellflieger Verbands, kurz DMFV, hat auf dem Platz des Modellflugclubs Salzwedel (MFC) an diesem Wochenende gewissermaßen die Hosen an. Er ist Koordinator und Schiedsrichter in einem. „Das ist hier heute ein Drohnen-Rennen innerhalb der Liga“, erklärt er, während er kleine Bildschirme mit seinem Computer verkablet. Nichts soll seinem geschulten Auge entgehen.

Internationales Teilnehmerfeld

In Kricheldorf beim MFC wird nach der ersten Runde im Breisgau und anschließend Hannover die nunmehr dritte Qualifikationsrunde der „Drone-Racing-Series“ ausgetragen. Dafür sind 35 Teilnehmer auf das Gelände des MFC gereist. Ein internationales Teilnehmerfeld, einige sprechen Englisch. Der älteste Pilot ist 61, der jüngste gerade einmal 15 Jahre. Alle eint die Liebe zum unbemannten Flugkörper und der Adrenalinkick im Wettkampf.

Bilder

„Bei den Rennen gehen jeweils sechs Piloten an den Start“, erläutert Rohde. Sechs weitere fungieren als sogenannte „Spotter“. Während die Piloten die Videoübertragung der Drohne in Echtzeit in ihre Brillen projiziert bekommen, verfolgen die „Spotter“ auf kleinen Bildschirmen das gleiche Bild und geben nützliche Tipps. Kein Wunder, bei Tempo 80 kann das eine oder andere Hindernis auch mal verfehlt werden. Kollisionen sind keine Seltenheit. Für die Zuschauer besteht aber keine Gefahr. Der MFC hat das Gelände vom Flugfeld mit einem hohen Maschendrahtzaun getrennt.

Alles Eigenbauten

Die älteren Mitglieder des Salzwedeler Modellflugclubs beäugen das Spektakel mit gemischten Gefühlen. Bei einigen sind die kleinen Brummer weniger angesagt, man setzt auf große Modellflieger. Egal, die Jugend will Dohnen fliegen, also packen die älteren Mitglieder mit an und bereiten die Rahmenbedingungen vor.

„Das sind alles Eigenbauten“, erklärt der 61-jährige Lutz Lagemann aus Quickborn, der ebenfalls an den Start geht. Für wettkampffähige Drohnen müssten etwa 800 Euro investiert werden. Darin enthalten sind neben der Drohne auch Kamera, Funksteuerung und weiteres Equipment.

Wie ein Wespenschwarm

Langsam wird es ernst. Die Piloten und „Spotter“ nehmen ihre Plätze ein. Eine Computerstimme zählt runter. Mit mächtigem Getöse wie bei einem Wespenschwarm fliegen die Drohnen durch den Parcours. Das Auge kommt kaum mit. Zügig trennt sich Spreu vom Weizen. „Einige trainieren täglich, andere gelegentlich“, erklärt Philipp Bernau vom MFC. Auch er fliegt mit. Gegen die Profis hat er aber keine Chance, vielmehr ist es für ihn eine Übung auf Wettkampfniveau. Für den 15-jährigen Niklas aus Leipzig ist es keine Übung, er gehört zu den Schnellsten im Feld und sichert sich unterm Strich vor Malte Maibohm den zweiten Platz. Den dritten Platz holt sich Marcel Meier.

Der Modellflugclub ist mit der Ausrichtung des Events zufrieden. Nur der Regen hat das Gesamtbild getrübt.