Salzwedel l Schiene und Straße sollen sich ergänzen und nicht in Konkurrenz stehen, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE), Gehard Curth, unlängst im städtischen Bauausschuss: „Wir sind nie gegen den Bus angetreten.“ Er war auf Einladung in die Hansestadt gekommen, um über die Pläne der DRE auf der Strecke Salzwedel-Geestgottbrg zu berichten. Das war wohl auch bitter nötig, da sich die Christdemokraten um Karl-Heinz Schliekau mit einem Antrag für die Entwidmung der Strecke stark machten.

Für die Reaktivierung der Strecke hat sich die DRE einen Drei-Punkte-Fahrplan aufgestellt. Erstes Etappenziel: Die Strecke Salzwedel/Altstadt nach Arendsee. Mit entsprechenden Arbeiten soll bereits im Januar begonnen werden. Anschließend soll die Verlängerung bis Wittenberge ins Auge gefasst werden. Dort soll Güterverkehr laufen, weshalb in Sachen Gleisbau nachgesteuert werden müsse.

Auch Klötze bis Oebisfelde im Fokus

Der dritte Fokus liegt auf der Strecke Klötze nach Oebisfelde. Dies habe insofern Relevanz, als das ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen am liebsten selbst die benötigte Brücke über den Mittellankanal gebaut hätte. Doch dieser ist im Zuge des Abgasskandals nicht mehr am Ruder. „Die Strecke ist da und kann reaktiviert werden“, so der DRE-Geschäftsführer.

Neben dem Güterverkehr hat die DRE aber auch den Personenverkehr im Blick. „In Sachsen haben wir eine Strecke für den Schülerverkehr reaktiviert.“ Nach einer Umfrage hätten wohl 94 Prozent der Schüler kein Problem, die verleiben Strecke vom Bahnhof zur Schule mit dem Rad zu bewerkstelligen.

Kritische Fragen der CDU

„In drei Abschnitten reaktivieren, dass sagten Sie schon 2017, es ist nichts passiert“, erwiderte Karl-Heinz Schliekau auf die Ausführungen von Gerhad Curth: „Für die CDU stellt es sich nicht wirtschaftlich dar.“ Obendrein müssten die Schüler dann zur Schule laufen, obwohl es 58 Busse dafür gebe. „Da ist die Bahn überholt“, so Schliekau.

Gerhard Curth stützt sich in seinen Plänen auch und gerade auf die Regionalversammlung Altmark im vergangenen Jahr. Demnach ist die Strecke Oebisfelde über Salzwedel nach Geestgottberg als regionales Entwicklungsziel zu erhalten. „Das ist ein politisches Bekenntnis.“

Unterstützung von Bürgermeisterin

Unterstützung bekam der DRE-Chef an diesem Abend unter anderem von Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel: „Niemand nimmt freiwillig Infrastruktur weg.“ Erst recht nicht mit Blick auf die Klimadebatte. „Ich habe immer für eine touristischte Anbindung gekämpft“, bekräftigte Blümel. Und der Güterverkehr auf der Strecke finanziere unterm Strich den Erhalt. Es sei ihr bewusst, dass nicht jeder Schülerverkehr auf der Verbindung mit der Bahn abzuwickeln sei, aber dafür gebe es ja den Öffentlichen Nahverkehr. „Ich begrüße ausdrücklich die Strecke“, stellte die Bürgermeisterin klar.

Daniel Schäfer (Stadt bis Land) wollte das Argument Schülerverkehr nicht unkommentiert stehen lassen. „Der gesamte Busverkehr der Jeetzeschule und des Jahngymnasiums wird am Bahnhof abgewickelt“, erinnerte er. Und die Schüler müssten auch nicht mit dem Bus vor der Tür abgesetzt werden, ergänzte Holger Lahne (SPD). Seine Enkel würden zwölf Kilometer mit dem Rad und drei Kilometer zu Fuß zur Schule zurücklegen.

Im Ergebnis konnten sich die Ausschussmitglieder auch nicht für den Antrag der CDU erwärmen – im Gegenteil. Alle stimmten gegen die Resolution. Nicht einmal die CDU war noch dafür, diese enthielt sich schlussendlich.