Salzwedel l Dicke Luft bei den Kleingärtnern an der Feldstraße. Anfang November haben die ersten vier von ihnen die Kündigung für ihre Parzelle erhalten. Nicht vom Eigentümer, sondern von dessen Rechtsanwalt (das Schreiben liegt der Volksstimme vor). „Der hat gar nicht erst mit uns gesprochen“, klagt Karl-Heinz Zimmermann, der dort seit 1979 seinen Garten bewirtschaftet. Nun fürchten auch die anderen, dass sie ihre Gärten räumen müssen. Und danach sieht es derzeit aus.

Zum Hintergrund: Anfang März wandte sich Kurt Dann an die Volksstimme. Er habe von Plänen gehört, dass dort Häuser gebaut werden sollen, wo er und seine Gartennachbarn die Flächen seit Jahrzehnten beackern. Im Gespräch mit der Volksstimme machte er klar, wie wichtig allen ihre Parzellen sind.

Fortan nahm die Diskussion politisch Fahrt auf. Die SPD stellte im Mai einen Antrag, den südlichen Teil der Gärten aus dem Bebauungsplan zu streichen. Bürgermeisterin Sabine Blümel warb im Juni für besagten Antrag: „Wer seinen Garten behalten will, kann ihn behalten, wer bauen will, kann bauen, und wer pachten möchte, kann pachten.“ Von einer guten Kompromisslösung war seinerzeit die Rede.

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Lösung wenige Meter weiter

Doch zurück zur Gegenwart. Denn dort ist nichts mehr von einem guten Kompromiss zu hören, vielmehr von einem faulen. „Der Antrag der SPD ist das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben wurde“, sagt Marco Heide (Die Linke) im Gespräch mit den Kleingärtner: „Der Wille für eine Lösung fehlt.“ Dabei sei diese aus Sicht von Heide und Martin Schulz (Die Grünen) nur wenige Meter entfernt, auf der anderen Seite der Hoyersburger Straße. Denn auch dort waren einst Gärten, erzählt Kurt Dann. Doch die Kleingärtner mussten damals alle raus. Seit jeher macht das Areal als Brachlandschaft von sich Reden. „Man sollte prüfen, ob man potenziellen Häuslebauern nicht dort ein Grundstück anbieten kann. Dazu stellte die SPD bereits einen Antrag, so Heide.

Besonders verärgert sind die Kleingärtner darüber, dass ihr Verpächter ihnen stets versichert habe, dass sie sich nicht sorgen müssten. „So lange er lebt, wird hier nichts passieren“, soll dieser gegenüber allen mehrfach beteuert haben, sagt Dagmar von Kampen. Die 64-Jährige ist, wie die anderen auch, über die Täuschung verärgert. „Menschlich ist das nichts“, bringt Kurt Dann seinen Unmut auf den Punkt. Die angespannte und hilflose Lage ist den Gärtnern anzumerken. „Ich hoffe, Sie können uns helfen“, bittet Dagmar von Kampen Stadträte wie Presse.

Kündigungsschreiben

Zurück zum Kündigungsschreiben für das betreffende Flurstück 41/1. Im Schreiben steht weiter, dass die Salzwedeler ihre Gärten bis zum 30. November 2021 zu räumen haben. „Eine Verlängerung des Mietverhältnisses wird widersprochen.“ Vielmehr sollen Gartenlauben, Zäune und Wege zurückgebaut werden.

„Ich bin zu alt, um alles abzureißen – auch keinen Zaun. Einen Teufel werde ich tun!“, raunt Dagmar von Kampen. Die anderen stimmen überein: Keiner ist gewillt, sein Werk, was über Jahrzehnte errichtet wurde, wo die eigenen Kinder und Enkelkinder spielen, dem Erdboden gleich zu machen.

Silke und Heiko Jacobs, die noch keine Kündigung bekamen, fürchten, dass sie die nächsten sind. „Ich habe unsere Grundstücke schon im Internet angeboten gesehen“, so Heiko Jacobs. Dabei wollen ausnahmslos alle Gärtner ihre Parzelle behalten. Jacobs kenne auch niemanden, der dort bauen will.

Nun liegt der Ball im Rathaus und bei den Stadträten. „Noch besteht die Möglichkeit, die Gärten zu retten und an anderer Stelle bauen zu lassen“, so Marco Heide. Bereits am Montag (23. November) tagen die Bauausschussmitglieder um 18 Uhr im Salzwedeler Kulturhaus. Dort wollen die Kleingärtner Präsenz zeigen und auf ihre prekäre Lage verweisen.