Salzwedel/Magdeburg l Bildungsminister Marco Tullner (CDU) stellt die Einrichtung einer Fachschule für Ökolandbau in Sachsen-Anhalt offensichtlich nicht mehr in Frage. Dies konnte am Donnerstagnachmittag einem Twitter-Verlauf im Internet entnommen werden. Die Grünen-Landeschefin Britta-Heide Garben vermeldete in dem sozialen Netzwerk inklusive gemeinsamen Foto mit dem Minister: „Super Gespräch mit Marco Tullner. Die Fachschule für Ökolandbau kommt 2019.“

Im Anschluss stiegen auch der ehemalige Landesvorsitzende der Grünen, Christian Franke, sowie Landesumweltministerin Claudia Dalbert in die Online-Diskussion ein. Franke sprach sich abermals, wie die Landespartei auch schon in einem Beschluss festhielt, für die Einrichtung dieses neuen Bildungsganges an den Berufsbildenden Schulen in Salzwedel (BBS) aus.

Tendenz pro Haldensleben

Wie Cathleen Hoffmann, Kreisvorsitzende der Grünen in Stendal allerdings erfahren hat, soll die Fachschule nun aber an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Haldensleben angesiedelt werden. „Das war der Tenor eines Gespräches zwischen Frau Garben und Herrn Tullner“, erklärte Hoffmann auf Nachfrage gegenüber der Volksstimme. Ihre Enttäuschung über diese Tendenz pro Haldensleben äußerte die Stendaler Grünen-Chefin auch via Twitter.

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Noch keine Entscheidung

Dieser Aussage widerspricht am Tag danach Stefan Thurmann, Pressesprecher des Bildungsministeriums. „Es ist noch keine Entscheidung in irgendeiner Form getroffen. Weder der Standort noch wie die innere Ausgestaltung dieses Ausbildungsganges zu erfolgen hat“, erklärte Thurmann. Er bestätigte, dass sich Britta-Heide Garben und Bildungsminister Marco Tullner bereits am Dienstag getroffen haben. Der Sprecher wiederholte eine Aussage des Ministers, dass noch Zuarbeiten für den Bildungsgang fehlen. „Das Umweltministerium und das Bildungsministerium stimmen sich derzeit intensiv ab.“ Diese genannten Zuarbeiten seien längst erfolgt, wie Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) – ebenfalls im Internet-Kurznachrichtendienst – twitterte.

Auch Dorothea Frederking (MdL, Grüne) sprach und spricht sich weiter vehement für den Standort Salzwedel aus. „Falls Tullner ernsthaft die BBS in Haldensleben vorschlagen sollte, müsste er sich die Frage gefallen lassen, was die BBS in Haldensleben denn gegenüber der BBS in Salzwedel, die bereits über alle Voraussetzungen (inklusive der Kooperationen zu Ökobetrieben) für den Bildungsgang einer einjährigen Fachschule Ökolandbau verfügt, besser kann?“, wird Frederking bei der Standortfrage deutlich. Die Grünen-Politikerin erklärte, dass die BBS Salzwedel bereits personell und fachlich für den Bildungsgang gerüstet sei.

"Das wäre Geldverschwendung"

Cathleen Hoffmann berichtet dazu, dass bereits Fortbildungen besucht wurden. „Das wäre Geldverschwendung“, meinte die Lokalpolitikerin. Hoffmann und Frederking berichteten zudem, dass bereits ein Curriculum geschrieben worden sei. In der BBS Salzwedel war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Für den Altmarkkreis Salzwedel erklärte Kreissprecherin Birgit Eurich auf Volksstimme-Nachfrage, „dass die Schule den Bedarf beim Ministerium nachweisen sollte“. Dieser habe nach ihrer Kenntnis Ende des vergangenen Schuljahres aber nicht nachgewiesen werden können, so Eurich weiter. „Das bedeute aber auch keine grundsätzliche Ablehnung aus dem Ministerium“, erklärte die Sprecherin.