Das Krankheitsbild

Der Londoner Arzt James Parkinson beschrieb als Erster 1817 die Symptome der Parkinsonschen Krankheit in seinem “Essay on the shaking palsy“ – der Schüttellähmung. Erst später wurde die Erkrankung nach ihm benannt.

(Quelle: Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.)

Die Hauptsymptome:

Akinese (Bewegungsarmut)

Unter dem Begriff Akinese versteht man das völlige Fehlen willkürlicher und unwillkürlicher Bewegungen. Dies beschreibt Parkinson als Bewegungsstörung nur zum Teil. Daher spricht man auch von Bradykinese (brady = langsam) oder Hypokinese (hypo = unter, darunter), wenn es um verlangsamte oder verminderte Körperbewegungen geht.

Rigor (erhöhte Muskelspannung)

Damit bezeichnet man einen anhaltend gesteigerten Spannungszustand der Muskulatur. Dieser ist meist auf einer Körperseite stärker ausgeprägt.

Der Rigor ist an der typischen Haltung eines Parkinson-Patienten beteiligt: leicht

angebeugte Arme und Beine, nach vorn gezogene Schultern, vornüber gebeugter Kopf und Rumpf, die auch leicht zur Seite abweichen können.

Tremor (Zittern)

Bei Parkinsonpatienten tritt der Tremor meist als ein- oder beidseitiger Ruhetremor an den Händen in Erscheinung, seltener an den Beinen, an Kopf oder Unterkiefer. Er zeigt sich bei einer entspannten Haltung (z.B. sind die Hände in den Schoß gelegt), klingt aber bei einer bewusst ausgeführten Bewegung (z.B. Greifen nach einem Gegenstand) ab. Das Zittern ist im allgemeinen das bekannteste der Hauptsymptome von Parkinson. Tatsächlich aber zittert nicht jeder von Parkinson Betroffene.

Gleichgewichtsstörungen

Im Verlauf der Parkinsonerkrankung können viele Betroffene das Gleichgewicht schlechter halten. Selbst kleinere Stöße gegen den Körper können nicht mehr richtig abgefangen werden. Zusätzliche Sturzgefahr besteht, wenn die Betroffenen während des Gehens abgelenkt sind.

Quelle: www.parkins-on-line.de (Selbsthilfegruppe)

Salzwedel l Schon vor der Tür sind aus dem Saal viele Stimmen zu hören. Mehr als 20 Menschen sitzen im Anbau des Efje-Hauses an der Reichestraße in Salzwedel um eine große Kaffeetafel. Es wird gelacht, diskutiert, frischer Kaffee eingeschenkt – es geht fröhlich zu. Dabei ist der Anlass dieses monatlichen Treffens kein Grund zur Freude. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass einige Teilnehmer der fröhlichen Runde zittern oder ihren Kopf nicht still halten können, andere bewegen sich nur sehr langsam, fast mühsam. Nur einige Symptome der Parkinson-Erkrankung.

Jeden ersten Mittwoch im Monat kommen die Mitglieder der Parkinson-Selbsthilfegruppe ab 14 Uhr im Efje-Haus zusammen. Dann tauschen sie sich aus, über eine Krankheit mit einer Vielzahl an Facetten, aber auch über das, was ihnen im täglichen Leben am Herzen liegt.

„Wir wollen Mut verbreiten“

Eine Frau, die erst bei wenigen Treffen dabei war, betont, dass ihr die anderen Betroffenen und Angehörigen, Mut gemacht haben. „Ich stehe nicht alleine da. Und ich sehe, wie aktiv sie alle ihr Leben gestalten“, sagt sie. Ihren Namen möchte sie aber nicht in der Zeitung lesen, ihre Erkrankung noch nicht öffentlich machen.

Ähnlich geht es vielen an Parkinson erkrankten Menschen, weiß Margot Göbel, seit mehr als zehn Jahren Leiterin der Selbsthilfegruppe und selbst Betroffene. Mit rund 20 Mitgliedern aus dem gesamten Altmarkkreis startete die Gruppe bereits zur Wendezeit. Gründer war damals der Salzwedeler Tierarzt Dr. Jens Peter Dippe, der selbst unter Parkinson litt. Heute ist die Zahl auf rund 50 regelmäßige Besucher angewachsen, berichtet Göbel im Gespräch mit der Volksstimme. „Wir wollen Mut verbreiten“, sagt Göbel, die als Stadträtin für die Grünen in Gardelegen aktiv ist und in Estedt die Protestaktion „Tag gegen den Lärm“ an der B 71 mitorganisiert. Ihr zur Seite steht seit einigen Jahren Gabriele Gruner, langjährige Stadträtin in Salzwedel und Mitglied im Kreistag für die Linke. Dazu kommt die Logopädin Antje Siegel-Reinhardt aus Salzwedel.

„Nein, so etwas mache ich nicht“

Auch Gabriele Gruner hegte nach ihrer Diagnose Zweifel, ob sie die Treffen der Selbsthilfegruppe besuchen wolle. „Ich habe die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen: ‚Nein, so etwas mache ich nicht‘, habe ich gedacht“, erzählt Gruner. Doch heute geht sie voller Freude ins Efje-Haus. Sie habe dort gelernt, die Krankheit nicht als unausweichliches Schicksal anzusehen, sondern das Beste daraus zu machen. Und das bedeutet für sie: Andere über Parkinson zu informieren, Aufklärungsarbeit zu leisten und sich in die Gruppe einzubringen.

Und die Erkrankten und Angehörigen, die ganz selbstverständlich zu allen Treffen willkommen sind, sind eine rührige Gemeinschaft. „Wir haben schon Kochkurse mit Unterstützung der Volkshochschule organisiert, haben uns im Märchenpark zum Grillen getroffen, eine Führung im Salzwedeler Kunsthaus besucht und das Kegeln vor Weihnachten in Winterfeld ist zur Tradition geworden“, zählt Margot Göbel nur einen kleinen Teil des Jahresprogrammes auf. Immer wieder hören sich die Mitglieder auch Fachvorträge an. Zuletzt referierte Antje Siegel-Reinhardt zum Thema Schluckbeschwerden, auch ein häufiges Symptom der Krankheit.

„Pflegende haben es nicht leicht"

Daneben versorgen sich die Altmärker gegenseitig mit Tipps und Alltagshilfen im Umgang mit Parkinson. „Jeder versucht sich einzubringen“, berichtet Gabriele Gruner. Auch die Sorgen der Angehörigen werden sehr ernst genommen. „Pflegende haben es nicht leicht“, weiß Margot Göbel. Sie ist auch im Internet sehr aktiv, informiert sich in Online-Selbsthilfegruppen und berichtet in der Gruppe von den neuesten Erkenntnissen der Forschung.

Parkinson betrifft vor allem Menschen die Älter als 50 Jahre sind. Die neurologische Erkrankung komme etwa bei einem Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland vor, heißt es nach Angaben der Deutschen Parkinson Vereinigung. „Doch es gibt auch jüngere Erkrankte“, weiß Gabriele Gruner, die auch die jungen Menschen ausdrücklich zu den Gruppentreffen einlädt.

Neben den Treffen und Ausflügen gibt es in Salzwedel nun auch jeden Montag ab 14 Uhr das Angebot einer offenen Gymnastik- und Sportgruppe im Efje-Haus. „Dazu ist jeder Interessent willkommen“, betont Margot Göbel.

Um über die Arbeit der Selbsthilfegruppe und die Krankheit umfassend zu informieren, plant ein Organisationsteam derzeit eine umfassende Informationsveranstaltung am Donnerstag, 11. April (Weltparkinsontag), in Salzwedel. Angedacht sind an diesem Tag unter anderem Fachvorträge von Ärzten. Genaueres wollen die Beteiligten im Frühjahr bekanntgeben.

Informationen zum Verlauf der Krankenheit, möglichen Ursachen, Symptomen, aktuellen Forschungen und der Kontakt zu Selbsthilfegruppen finden sich auf den Internetseiten www.parkinson-vereinigung.de (Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.) und www.parkins-on-line.de (Internet Selbsthilfegruppe).