Salzwedel l Fabrizio Schwonke (15) steht gerade am Herd im Gemeindezentrum St. Georg als der Redakteur der Volksstimme zum Gespräch vorbeikommt. In etwa einer Stunde werden rund um das Haus an der Kirche im Salzwedeler Perver gut 40 Pfadfinder aus ganz Mitteldeutschland erwartet. Ein Technikkurs steht an, und zunächst müssen die Neuankömmlinge mit einer stärkenden Mahlzeit versorgt werden. „Ich habe ein Chili con carne vorbereitet“, sagt der 15-Jährige ganz selbstverständlich.

Fabrizio ist seit fünf Jahren im Salzwedeler Pfadfinderstamm „Tom Bombadil“ aktiv. Dieser gehört zum Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, kurz VCP (siehe Infokasten). Dort wird Gemeinschaft gelebt, so sieht es auch Fabrizio.

Beim Bundeslager in Wittenberg

„Früher war ich eher schüchtern“, beschreibt sich der Jugendliche selbst. Und ergänzt dann mit einem breiten Lächeln auf den Lippen: „Heute habe ich richtig Bock auf die Gemeinschaft.“ Die erfährt der gemeine Pfadfinder natürlich hauptsächlich auf Fahrten. Davon hat Fabrizio schon einige erlebt, wie auf seiner Kluft – seinem Pfadfinderhemd – anhand der Aufnäher zu erkennen ist. Dort prangt zum Beispiel das Logo des VCP Bundeslagers in Wittenberg 2017. Unter dem Motto „Weitblick“ kamen mehr als 4000 Pfadfinder zusammen. Für Fabrizio Schwonke ein prägendes Erlebnis.

Bilder

Geprägt hat den jungen Mann auch die bereits fünfjährige Zeit bei den Salzwedeler Pfadfindern. Als Grundschulkind wird man dort, wie in jedem anderen VCP-Stamm, zunächst bei den sogenannten Wölflingen einsortiert. Alle zwei Wochen finden die Gruppennachmittage mit Spielen, kleinen Aufgaben oder gemeinsamen Essen in und um St. Georg statt. Mittlerweile leitet Fabrizio selbst so eine Kindergruppe, bei den Pfadfindern gehört dieses Verantwortungübernehmen zu den Grundprinzipien. „Manchmal komme ich fix und fertig nach Hause“, berichtet der 15-Jährige von ab und an sehr anstrengenden Gruppenstunden.

Orientieren mit Kompass und Karte

Daneben hat sich Fabrizio jüngst zu einer weiteren Aufgabe im Salzwedeler VCP-Stamm bereit erklärt. Er übernahm den Job des Materialwartes. Daher war seine Anwesenheit beim Technikkurs des VCP Mitteldeutschland nicht ohne Eigennutz. Auf dem Gelände der St. Georg Gemeinde lernten die 40 Teilnehmer verschiedene Pfadfindertechniken, wie Knoten, Pfadfinderzelte (Kothen) aufbauen, die Orientierung mit Kompass und Karte oder das Kochen über offenem Feuer. Ein ganzes Lager wurde dazu aufgebaut und in den Zelten natürlich auch übernachtet. Die älteren Pfadfinder konnten als fleißige Teamer ihr Wissen an die Jüngeren weitergeben.

Eine weitere Erfahrung für Fabrizio, der genau diese Treffen mit jungen Leuten aus aller Welt besonders am Pfadfindersein schätzt. „Man findet dabei schnell neue Kontakte, hört Geschichten aus anderen Stämmen“, erinnert er sich zum Beispiel an das Bundeslager.

Fabrizio möchte Erzieher werden

Und dann blickt Fabrizio noch auf seinen weiteren Lebensweg. „Das hilft mir bestimmt auch für mein Berufsziel“, sagt er der junge Salzwedeler in Bezug auf seinen Job als Gruppenleiter. „Ich möchte nämlich Erzieher werden“, betont der 15-Jährige und richtet seinen Blick wieder auf den Herd. Nicht, dass 40 Pfadfinder mit hungrigen Bäuchen in den Technikkurs starten müssen.