Salzwedel l In und an Schulbussen sowie auf dem Schulweg kommt es häufig zu Rangeleien und Problemen unter den Schülern. Damit in diesen Situationen richtig gehandelt werden kann, wird eine Gruppe freiwilliger Schüler zu Schulweghelfern ausgebildet. Sie sollen später Unruhe, Konflikte und Streitereien im sowie am Bus vermeiden und Straßenüberquerungen der Mitschüler im Schulbereich unterstützen.

Die Weiterbildung findet in dieser Woche an der Pestalozzi Förderschule in Salzwedel statt. Bereut wird das Projekt von Petra Fraaß und Silke Tinsner vom Jugendförderungszentrum (JFZ) Gardelegen. „Wir haben uns an verschiedene Schulen im Altmarkkreis gewendet, um bei den Schülern erstmal das Interesse für das Projekt zu wecken. Lehrer sind dann an bestimmte Schüler herangetreten, die sie für fähig hielten“, erklärte Fraaß. Ein Teilnehmer kommt von der Sekundarschule Beetzendorf und die übrigen Schüler von der Pestalozzi Schule. Ab dem 13. Lebensjahr darf man am Schulweghelferprogramm teilnehmen.

Mehrere Module

Die Ausbildung gliedert sich in mehrere Module. Am Dienstag fing der erste Tag mit der Vorstellung des Projektes an. Außerdem sollten sich die Kinder durch Kennenlernspiele bekannt machen. Weiter ging es um Gewalt- und Konfliktprävention. Die Kinder lernten die Grundlagen der Konfliktbehandlung, Kommunikationsstrategie, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung kennen.

Rollenspiel im Bus

Nach dem theoretischen Teil sollte das Erlernte in einem Rollenspiel im und am Bus im Beisein der Polizei auch in die Praxis umgesetzt werden. Dazu spielte ein Schüler die Rolle des Schulweghelfers. Andere Kinder „pöbelten“ sich spielend an und „beleidigten“ einen Mitschüler. Der Schulweghelfer musste in dieser Situation eingreifen und für Ruhe sorgen. Die übrigen Kinder waren die Jury. Petra Fraaß leitete die Übung. Damit jeder Schüler auch jede Rolle spielen durfte, wurde rotiert. Die Jury musste nach jeder Sequenz feststellen, ob der Schulweghelfer wie die pöbelnden Schüler nach Herz oder Kopf in dieser Situation gehandelt hätten.

Zum Abschluss der Übung gaben die beiden Polizeibeamten den Schülern noch weitere Tipps mit auf den Weg, wie sie sich künftig als Schulweghelfer verhalten sollten. Man könne sich auch Hilfe beim Busfahrer holen, meinte der Polizeibeamte.

Konsequenzen erklärt

Petra Fraaß erklärte den Kindern noch abschließend die Konsequenzen, die entstehen können, wenn ein Schüler im Bus verletzt oder etwas am Bus beschädigt wird. „Entweder zahlen Eure Eltern den Schaden, weil Ihr noch kein Einkommen habt oder Ihr müsst am Wochenende Sozialstunden im Tierheim oder Altersheim leisten, bis ihr den Betrag abgearbeitet habt. Ich kann Euch pro Stunde vier Euro anrechnen. Bei einem Schaden von 100 Euro müsstet Ihr 25 Stunden arbeiten. Dann könnt ihr nicht mehr chillen am Wochenende“, rechnete Fraaß den Kindern vor.

Die Schüler beschäftigen sich in ihrer Ausbildungswoche zudem noch mit Verkehrsregeln. Sie vertiefen ihre Kenntnisse und lernen das Abschätzen der Entfernungen, Geschwindigkeiten und Anhaltewegen mit Hilfe der Verkehrswacht. Um in einer Situation mit Verletzten auch helfen zu können, machen die Schüler einen Erste-Hilfekurs bei den Johannitern.

Theoretischer Test

Die verschiedenen Module werden am Freitag in einem theoretischen Test abgefragt. Falls der Test bestanden ist, wird der Schüler offiziell zum Schulweghelfer ernannt. „Sie werden aber nie allein für einen Bus zuständig sein, sondern meistens sind es fünf Helfer in einem Bus“, sagte Silke Tinsner. Außerdem werden die Schüler weiterhin regelmäßig begleitet und betreut. Das Projekt wird vom Ministerien für Landesentwicklung und Verkehr sowie vom Ministerium für Inneres und Sport gefördert. In fünf Landkreisen werden Schulweghelfern schon eingesetzt.