Salzwedel l Draußen scheint die Sonne so schön auf dem Hof im Grundschulhort an der Jenny-Marx-Schule. Sie könnten noch mindestens eine Stunde spielen bis zum Mittagessen, und da sollen sie reinkommen und Zeitung lesen?

Stirnrunzelnd setzen sich Laura, Pascale, Lisa, Luca, Felix, Oskar, Lukas, Patricia und Lena an den Tisch im Hortraum. Boah. Wo es doch immer schon so „voll langweilig“ ist, wenn sich Mama und Papa morgens stundenlang mit der Zeitung beschäftigen ... Und überhaupt. Schließlich wollen sie keine Journalisten werden, sondern „You-Tuber“, „Polizist“, „Schwimmlehrerin“, „Drogenschmuggelbekämpfer“ oder „Schauspielerin“.

Mal reinschauen

„Na gut“, immerhin ist es ja eine Kinderzeitung, stellen die neun fest. Vielleicht kann man ja mal reinschauen ... Und dann, dann ist plötzlich Ruhe. Einige Minuten zumindest. Bis der erste in der Runde seinen Sitznachbarn am Tisch anstuckelt: „Guck mal!“ Kichern ...

Und dann braucht Lisa plötzlich dringend einen Stift, weil: „Das Kreuzworträtsel kriege ich raus.“ Und Luca staunt, weil „die Artikel ja gar nicht so lang sind. Da bin ich ja schon durch.“

Ihh zum Popeltext

Und dann das erste „Ihhhh“, als Lukas die Seite mit dem Popeltext endeckt. Kurz, es herrscht eine rege Diskussion über die wirklich wichtigen Themen in der Zeitung. Fast schon so, als würden Mama und Papa über Politik diskutieren. Dabei fanden sie Zeitunglesen doch eigentlich „mega uncool“. Und nun reden plötzlich alle durcheinander. Denn die Pusteblume, so viel steht fest, finden sie „echt krass“. Und auf die Frage, wer so was denn gern öfter lesen würde, „sagen wir mal, so ein Mal in der Woche“ kommt ein einstimmiges „Jaaaa“ aus neun Kindermündern. Weil man nämlich „sooo viel lernen kann“ und weil man „was rätseln kann“ und weil jeder von ihnen offenbar etwas gefunden hat, was er „vorher noch gar nicht wusste“.

Oskar zum Beispiel ist ganz fasziniert davon, „dass Biber gar keinen Fisch mögen“. Und Lukas weiß jetzt endlich, warum sein Hund immer so stinkt, wenn er nass ist. Und dass jedes Kind ab sieben Jahren das Recht auf Taschengeld hat, wussten sie auch nicht. Allerdings kennen sie sich mit dem Geldausgeben sonst ganz gut aus.

Wissenswertes zum Briefgeheimnis

Neu ist für die Acht- bis Zehnjährigen dafür, dass sie bis zu 14 Jahren nicht ins Gefängnis müssen („nicht mal in ein Kindergefängnis“ – stellt Lukas fest), auch wenn sie nicht sooo brav waren, wie sie sein sollten. Lukas hat da nämlich so seine Erfahrungen mit schwierigen Fällen: Eine Scheibe ist kürzlich kaputt gegangen. Irgendwie ist sein Fußball hineingeraten. „Das hat mir voll leid getan“, sagt Lukas. Aber gut zu wissen, findet der Neunjährige, dass er dafür noch nicht bestraft werden kann.

Auch gut finden die jungen Zeitungsleser, dass sie nun das Briefgeheimnis kennen. Dass nämlich kein Erwachsener ihre Briefe lesen darf, wenn sie das nicht erlauben, wussten sie bisher auch noch nicht. Ob das auch für Spickzettel gilt, stehe zwar nicht in der Pusteblume, bemängeln sie. Aber das wollen sie auch noch herauskriegen, versichern die neun Probeleser zuversichtlich, selbst wenn diese Info fehlt.

Zu wenig Rätsel

Apropos fehlen: Was ihnen fehlt, besser, was mindestens in einer der nächsten Ausgaben stehen sollten, wissen die Salzwedeler Hortkinder auch genau. „Auf jeden Fall mehr Rätsel“, wünscht sich Laura. Sie war schließlich die erste, die das Lösungswort gefunden hat. „Ein bisschen schwierig, aber machbar“, schätzt sie ein. „Das kann so bleiben.“

Oskar hätte allerdings gern Artikel zum Thema Naturschutz. Das findet er superwichtig. Auch als Kind müsse man darüber Bescheid wissen, sagt er. Die anderen nicken heftig. „Man, da stand doch was drin“, sagt Pascale und schüttelt den Kopf über die anderen. „Müsst ihr richtig hingucken.“ Denn er hat den Text über den Müll im Meer natürlich sofort entdeckt – und gelesen.

Tipps für Klamotten erwünscht

Die Mädchen haben vor allem erstmal einen Tipp für die Pusteblumenmacher. Zwar haben sie den Text über Barbies 60. Geburtstag gelesen. Aber eigentlich sei die ja „out“, sagt Lisa mit Kennermiene. Derzeit sind nämlich LOL-Suprice-Puppen angesagt. Einen Artikel darüber hätte sie lieber gelesen. Überhaupt: Warum nicht mal einen Spielzeugtest machen?

„Oder Tipps für Klamotten“, schlägt Luca vor. Eine Idee, die sogar Erzieherin Merle-Kathrin Bock gefällt. „Vielleicht auch Kostüme, zu Halloween oder in der Faschingszeit“, schlägt sie vor. „Bastelanleitungen wären auch gut“, findet Lena. „Basteln?“ Luca geht sogar noch einen Schritt weiter: Er hätte gern echte Handwerkertipps. „Ich hab nämlich sogar schon mal eine Alarmanlage selbst gebaut.“ Und Lisa neben ihm hätte gern in der nächsten Pusteblume „Rezepte, die man auch als Kind gut nachkochen kann“.

Witze kommen an

Doch so unterschiedlich die Meinungen und Wünsche auch sind: Einig sind sich die neun Grundschüler über zwei Dinge. Erstens: „Die Biberseite war die allercoolste Seite.“ Und gleich danach kommt in ihrem Ranking dann die letzte Seite. Die mit den Witzen. Und die Aufforderung, den Redakteuren Witze zu schicken, wollen sie ernst nehmen und einfach mal welche aufschreiben. Lisa hat gleich einen parat: „Wer lebt im Dschungel und schummelt? Na Mogli ...“

Apropos geschummelt. Irgendwie stimmt irgendwas nicht mit der Uhr: Da ist eine ganze Stunde vergangen. Wo ist die denn geblieben? Und dabei haben sich die neun kein bisschen gelangweilt ...